Pro Oriente Logo

Die Ökumene muss
weitergehen!

Franz König

Pro Oriente

Russland: Mehr Gläubige denn je bei den Osterfeiern

Vielfältige Präsenz der Osterbotschaft im russischen öffentlichen Leben

Moskau, 17.04.17 (poi) Mehr Gläubige denn je haben an den liturgischen Feiern zum Osterfest in der Russischen Föderation teilgenommen. Dies geht aus Mitteilungen der russischen Sicherheitsbehörden hervor. Der Moskauer Patriarch Kyrill I. sagte in seiner im TV übertragenen Osterbotschaft: „Der Weg des Erlösers ist der Weg der Nächstenliebe: Wenn man von sich selbst absieht und sich jenen zuwendet, die Hilfe und Unterstützung brauchen“. Wer diesem Weg folge, lerne das von Gott eröffnete Geheimnis des menschlichen Glücks kennen, „das in der bedingungslosen und vergebenden Liebe begründet“ sei, die Christus am Kreuz bewiesen habe. Die Auferstehung Christi sei der „große Sieg über den Tod und über die Tyrannei der Sünde“. Jeder Christ sei aufgerufen, in seinem täglichen Leben den Wunsch zur Nachfolge Christi zu bezeugen und den Menschen, mit denen er zusammentrifft, seine Liebe zu erweisen.

In seiner Osterpredigt betonte Kyrill I., dass „die Auferstehung Jesu der zentrale Inhalt“ der christlichen Botschaft an die Welt sei. Das Opfer Christi sei die Antwort auf die Suche so vieler Völker gewesen, weil „Gott nicht auf die Person sieht, sondern dass ihm in jedem Volk willkommen ist, wer ihn fürchtet und tut, was ihm recht ist“. Für die Christen von heute bedeute das, dass es nicht genüge, an Gottesdienst und Gebet teilzunehmen. Man könne nicht in sorgloser Muße verharren, wenn man wisse, dass es in der Umgebung in vielfacher Weise leidende Menschen gebe. Es sei die heilige Pflicht, dafür zu sorgen, dass der Name Christi überall gepriesen wird, „damit sich die Menschen, weil sie die um Gottes willen getanenen guten Werke sehen, dem christlichen Glauben zuwenden und den Vater im Himmel preisen“.

Nach der Auferstehungsliturgie in der Moskauer Erlöserkathedrale stellten Mitglieder der orthodoxen Jugendbewegung die dramatische Begegnung der „Apostolin“ Maria Magdalena mit dem römischen Kaiser Tiberius dar, wobei sie durch ihre Bewegungen ein riesiges Osterei formten. Danach luden die Jugendlichen alle versammelten Gläubigen ein, Stücke von dem 1,5 Tonnen schweren Osterkuchen („Kulitsch“) zu kosten, den der Patriarch am Karsamstag gesegnet hatte.

Patriarch Kyrill sandte besondere Ostergrüße an die russischen Mitglieder der internationalen Raumstation. Es sei für ihn immer eine große Freude, mit den Kosmonauten im Kontakt zu sein, betonte der Patriarch. Er ersuchte den Kommandanten der Raumstation, Oleg Nowitskij, allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der internationalen Raumstation besondere Ostergrüße zu übermitteln, da ja heuer „alle Konfessionen zugleich Ostern feiern“.

Der russische Präsident Wladimir Putin und Ministerpräsident Dmitrij Medwedjew nahmen an der Osternachtliturgie in der Moskauer Erlöserkathedrale teil. Vor Beginn der Liturgie hatten sie mit dem Patriarchen Ostergeschenke ausgetauscht. Putin würdigte in einem TV-Statement das „selbstlose Werk“ der russisch-orthodoxen Kirche „und der anderen christlichen Kirchen“ zur Lösung der sozialen Probleme, zur Stärkung der Familie und zur Harmonisierung der interreligiösen und interethnischen Beziehungen. Wörtlich sagte der russische Präsident: „Das Osterfest verbreitet das ewige Licht des Glaubens, es erfüllt die Herzen mit Freude, Liebe, Bestreben nach Güte. Die überall im Land stattfindenden Osterfeiern führen sich auf jahrhundertealte Traditionen zurück und fördern unvergängliche spirituelle Werte und Ideale“.

Während der Osterwoche (der „Lichten Woche“ nach orthodoxem Sprachgebrauch) werden in Moskau rund 20.000 „Arme und an den Rand Gedrängte“ Ostergeschenke erhalten. Die Geschenke für Arme, Alleinstehende, Behinderte, Obdachlose, Großfamilien usw. wurden von der orthodoxen Organisation „Barmherzigkeit“ gesammelt. In der „Lichten Woche“ gehe es darum, nicht nur mit der Familie und Freunden zusammenzutreffen, sondern auch jenen, die in Not sind, Zeit und gute Taten zu widmen, so der russisch-orthodoxe Caritas-Bischof Panteleimon (Schatow). (ende)