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Franz König

Pro Oriente

„Ägypten will mit dem Papst in einen neuen Frühling gehen“

Der koptisch-katholische Bischof Emmanuel Bishay bezeichnet als Vorsitzender des Papstbesuchskomitees das Gedenken für die Terror-Opfer an der „Mauer der Märtyrer“ im Bereich der St. Peter-und-Paul-Kirche als einen der Höhepunkte – Papstmesse am Samstag im Luftwaffen-Stadion am Stadtrand

Kairo, 21.04.17 (poi) Mit dem Besuch von Papst Franziskus will Ägypten die bedrückende Atmosphäre der islamistischen Attentate überwinden und einen neuen Frühling erleben: Dies betonte der koptisch-katholische Bischof von Luxor (und Vorsitzende des Papstbesuchskomitees), Emmanuel Bishay, im Gespräch mit der italienischen katholischen Nachrichtenagentur SIR. Wörtlich sagte der Bischof im Hinblick auf den Pastoralbesuch des Papstes am 28./29. April: „Papst Franziskus nimmt uns an der Hand, um einer lichtvollen Zukunft entgegenzugehen. Es wird eine für den ganzen Nahen Osten bedeutsame Reise im Sinn des friedlichen Zusammenlebens trotz der Wellen radikaler Gewalt werden“.

In der Vorbereitung auf den Papstbesuch habe sich ein einmaliges Klima der Zusammenarbeit ergeben, stellte der koptisch-katholische Bischof fest. Die Regierung habe „grünes Licht“ gegeben, ein Telefonanruf genüge, um Probleme zu lösen. Außergewöhnlich groß sei auch das mediale Interesse. Im Papstflugzeug werden 70 Journalistinnen und Journalisten aus Rom mitkommen, in den letzten Tagen sind hunderte Akkreditierungsansuchen aus aller Welt im Büro von Bischof Emmanuel angekommen. Das Medienzentrum wird im Hotel „Ritz“ in der Nähe des Tahrir-Platzes eingerichtet. Das ägyptische Fernsehen wird in seinem ersten Kanal den ganzen Papstbesuch direkt übertragen.

Ein besonderer Augenblick des Papstbesuches wird ein gemeinsames Gedenken mit dem koptisch-orthodoxen Papst-Patriarchen Tawadros II. und den anderen orientalischen Patriarchen – die zur internationalen Friedenskonferenz an der Al-Azhar-Universität nach Kairo kommen – in der St. Peter-und-Paul-Kirche in unmittelbarer Nachbarschaft der Markuskathedrale sein. In der St. Peter-und-Paul-Kirche war es am 11. Dezember des Vorjahrs zu einem folgenschweren islamistischen Attentat gekommen, dem Dutzende koptische Gläubige zum Opfer fielen. Der Papst und die Patriarchen werden zunächst in der Kirche im stillen Gebet verharren und dann zu der Mauer gehen, an der am 11. Dezember die Leichen der Opfer abgelegt wurden; Papst Franziskus wird dort einen Blumenkranz niederlegen und Kerzen entzünden. Damit würden alle Märtyrer geehrt, die das christliche Ägypten in den letzten Jahren zu beweinen hatte. Die „Mauer der Märtyrer“ ist nach dem 11. Dezember zu einem Wallfahrtsort geworden, wo viele Menschen Gebete und Bitten deponieren, berichtete Bischof Emmanuel.

Außerordentliche Bedeutung kommt nach den Worten des Bischofs auch der Begegnung von Papst Franziskus mit der Jugend zu. Die koptisch-katholische Kirche organisiert eine Sternwallfahrt aus allen Eparchien nach Kairo. Am Abend des 28. April wird eine Delegation von 300 Jugendlichen den Papst in der Nuntiatur begrüßen können. Während des Abendessens werden die Jugendlichen für den Papst Gesänge aus der koptischen Tradition singen.

Im Hinblick auf das große Interesse der Gläubigen wurde die Messfeier des Papstes mit den ägyptischen Katholiken aller Riten in das Luftwaffen-Stadion verlegt, wie Bischof Emmanuel mitteilte. Im Luftwaffen-Stadion könnten 25.000 Gläubige Platz finden, außerdem biete das etwas außerhalb gelegene Stadion als militärisches Gelände auch zusätzliche Garantien im Hinblick auf die Sicherheit. (ende)