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Franz König

Pro Oriente

Außen-und Integrationsminister Kurz würdigt orientalisch-orthodoxe Gemeinden als wichtige Partner

Erstmals fand im Außenministerium ein Oster-Empfang für die Repräsentanten der koptisch-orthodoxen, armenisch-apostolischen und syrisch-orthodoxen Kirche statt

Wien, 24.04.17 (poi) Als wichtige Partner hat Außen- und Integrationsminister Sebastian Kurz die orientalisch-orthodoxen Gemeinden in Österreich beim erstmaligen Oster-Empfang für die Repräsentantinnen und Repräsentanten der koptisch-orthodoxen Kirche, der armenisch-apostolischen Kirche und der syrisch-orthodoxen Kirche gewürdigt. Der Oster-Empfang für die orientalisch-orthodoxen Kirchen soll – ebenso wie die Begegnungen mit den byzantinisch-orthodoxen Kirchen und den katholischen bzw. evangelischen anderssprachigen Gemeinden – zu einer dauernden Einrichtung werden. Kurz verwies darauf, dass viele christliche Migranten und Flüchtlinge aus dem nahöstlichen Raum in den orientalisch-orthodoxen Gemeinden Geborgenheit finden; durch die Zusammenarbeit mit den Gemeinden sei es möglich, dass diese Zuwanderer schnell deutsch lernen und Zugang zum Arbeitsmarkt finden. Zugleich ermutigte der Minister die orientalisch-orthodoxen Christen in Österreich, sich in der neuen Heimat in das öffentliche Gespräch einzubringen. Persönlich dankte er ihnen für das, was sie „zur Präsenz des gelebten Christentums und zur Vielfalt des christlichen Lebens in Österreich tun“.

Sebastian Kurz erinnerte daran, dass Österreich sich heute in einem instabilen Umfeld behaupten muss: Im Osten Europas gebe es die Ukraine-Krise, im Süden schwierige Situationen durch die politischen Veränderungen in der Türkei, den ungelösten Konflikt in Syrien und die nach wie vor bestehende Gefahr des IS-Terrors. In diesen bewegten Zeiten müsse Österreich „seine Werte und Interessen“ vertreten. Der erstmalige Austritt eines Mitgliedslandes aus der EU durch den „Brexit“ müsse Anlass für eine positive Veränderung der Europäischen Union sein; diese Veränderung sollte sich – so der Minister –vor allem auf die Außen-, Verteidigungs- und Budgetpolitik konzentrieren, die kleinen Alltagsfragen aber zurück in die Kompetenz der Mitgliedsländer legen. Österreich werde im zweiten Halbjahr 2018 den EU-Ratsvorsitz innehaben, in diese Zeitspanne würden auch die Endverhandlungen über die Modalitäten des „Brexits“ fallen.

Auf diesem Hintergrund unterstrich der Minister die Notwendigkeit einer bewussten Integrationspolitik. Österreich sei heute ein „Land der Vielfalt“, in dem rund 20 Prozent der Bevölkerung Migrationshintergrund haben. Umso notwendiger sei es, den Zuwanderern die österreichischen Grundwerte zu vermitteln und sie „unsere Sprache zu lehren“, aber auch nein zu sagen, wenn Traditionen aus anderen Kulturkreisen mitgebracht werden, „die bei uns keinen Platz haben“. Im Hinblick auf die Flüchtlingskrise plädiere er für einen doppelten Zugang, sagte Kurz: Einerseits gehe es darum, in den Ursprungsländern zu helfen, daher habe Österreich auch die humanitäre Hilfe vervierfacht, andererseits müsse man geregelte Resettlement-Programme für Menschen schaffen, die nicht in ihren ursprünglichen Heimatländern bleiben können.

Leider funktioniere das Zusammenleben der verschiedenen Religionsgemeinschaften nicht überall „so gut wie in Österreich“, bedauerte der Minister. Bei seinen Auslandskontakten müsse er immer wieder erleben, dass Religionsfreiheit nicht überall selbstverständlich sei. Es gebe mindestens 200 Millionen Christen, „die von Verfolgung bedroht sind“. Daher sei Religionsfreiheit bei vielen Auslandskontakten ein zentrales Thema. Religionsfreiheit müsse in Österreich vorgelebt werden, es müsse aber auch klar Fehlverhalten anderswo aufgezeigt „und die Wahrheit ausgesprochen werden“. Das sei auch der Grund, warum das offizielle Österreich das Thema des Völkermords an den Armeniern und anderen Christen im späten Osmanischen Reich immer offen angesprochen habe, betonte Sebastian Kurz unter dem Applaus der Gäste aus den orientalisch-orthodoxen Gemeinden, denen dieses Thema aus ihren Familiengeschichten überaus vertraut ist.

Der koptisch-orthodoxe Bischof Gabriel, der Vorsitzende der armenischen Gemeinde, Vahagn Amirjanyan, und der Vorsitzende des syrisch-orthodoxen Kirchenrats, Prof. Stefan Sacu, unterstrichen übereinstimmend, dass die in Österreich lebenden orientalisch-orthodoxen Christen ihre neue Heimat als „Oase des Friedens“ betrachten, der sie sich zutiefst verbunden fühlen. Bischof Gabriel dankte dem Außenminister für dessen Präsenz bei einem Gedenkgottesdienst für die Opfer der Anschläge auf die koptischen Kirchen in Tanta und in Alexandrien. Zugleich kündigte er an, dass am 7. Mai um 18.30 Uhr in der jetzt koptischen Kirche Maria vom Siege nahe dem Westbahnhof eine Vesper im Gedenken an die verfolgten Christen stattfinden wird, bei der sowohl Kardinal Christoph Schönborn als auch Außenminister Kurz anwesend sein werden. Vahagn Amirjanyan erinnerte an die lang zurückreichende Präsenz der Armenier in Österreich und ihre herausragenden Beiträge im wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und kulturellen Bereich. Der vor kurzem verstorbene Wiener armenisch-apostolische Erzbischof Mesrob Krikorian habe eine besondere Rolle für den ökumenischen und interreligiösen Dialog in Österreich gespielt. Ebenso wie Prof. Sacu unterstrich auch Amirjanyan die herzliche Zuwendung von Kardinal Franz König (1905-2004), des Gründers der Stiftung „Pro Oriente“, zu den orientalisch-orthodoxen Christen in Österreich. Prof. Sacu verwies darauf, dass die Einwanderung der syrisch-orthodoxen Christen aus verschiedenen Ländern, wo sie verfolgt wurden und werden, vor 50 Jahren begonnen habe. Mittlerweile seien sie in Österreich voll integriert und hätten einen hohen Akademikeranteil. Die vier syrisch-orthodoxen Gemeinden kümmerten sich intensiv um die christlichen Flüchtlinge aus den Kriegsregionen den Nahen Ostens, um jede Bildung von Parallelgesellschaften zu verhindern.

Der Oster-Empfang des Außenministers für die orientalisch-orthodoxen Gemeinden war durch eine herzlich-offene Atmosphäre gekennzeichnet. Minister Kurz bezeichnete es als erfreulich, dass der Generalsekretär der Österreichischen Bischofskonferenz, Peter Schipka, durch seine Anwesenheit die Verbundenheit der katholischen Kirche mit den orientalischen Kirchen zum Ausdruck brachte. (ende)