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Franz König

Pro Oriente

„Heimat in der Fremde“

Präsentation eines „Pro Oriente“-Projekts zur Rolle von Religion in Integrationsprozessen – Analyse des Themas erfolgte in enger Kooperation mit der rumänisch-orthodoxen und der serbisch-orthodoxen Gemeinde

Wien, 01.05.17 (poi) Ein „Pro Oriente“-Projekt zum zentralen Politikthema „Migration“ wird am Mittwoch, 3. Mai, um 19 Uhr, im Otto-Mauer-Zentrum (1090 Wien, Währinger Straße 2-4) unter dem Titel „Heimat in der Fremde“ dargestellt. Im Rahmen dieses Projekts wurde die Rolle von Religion in Integrationsprozessen am Beispiel zweier in Wien stark präsenter Diasporagemeinden – der rumänisch-orthodoxen Gemeinde und der serbisch-orthodoxen Gemeinde – untersucht und zwar in enger Zusammenarbeit mit diesen Gemeinden. Projektpartner von „Pro Oriente“ waren die Katholisch-Theologische Fakultät Wien, die universitäre Forschungsplattform „Religion and Transformation in Contemporary European Society“ und das universitäre Forschungsnetzwerk „Religion im Kontext von Migration“, das Projekt wurde vom Integrationsministerium gefördert. Bei der Abschlusspräsentation referieren Prof. Regina Polak und Prof. Rudolf Prokschi von der Katholisch-Theologischen Fakultät, der rumänisch-orthodoxe Bischofsvikar Nicolae Dura, Ana Rogojanu von der rumänisch-orthodoxen Gemeinde und der an der Theologischen Fakultät tätige Migrationsforscher Frank G.C.Sauer, ein anglikanischer Christ.

Im Rahmen des Projekts wurden drei Workshops im Kardinal-König-Haus durchgeführt, bei denen Experten aus verschiedenen Bereichen, aber auch Kleriker und Männer und Frauen unterschiedlichen Alters aus den beiden Diasporagemeinden vertreten waren, wodurch Eigeninitiativen und Sichtweisen der Gemeinden sichtbar wurden. Beim zweiten Workshops berichteten Prof. Samuel Behloul (Universität Luzern) und Prof. Jorge E. Castillo Guerra (Universität Nijmegen) über Erfahrungen zum Themenkreis „Religion und Migration“ in der Schweiz und in den Niederlanden. Beim dritten Workshop wurden die von Prof. Regina Polak zusammengefassten Beobachtungen zum „zivilgesellschaftlichen Beitrag von Diasporagemeinden in Österreich“ diskutiert, wieder mit Beteiligung von rumänisch-orthodoxen und serbisch-orthodoxen Christen.

Förderliche Faktoren in Bezug auf die Integration wurden ebenso benannt wie hemmende. In Sachen Sprache wurde die zentrale Bedeutung des Erwerbs der deutschen Sprache als „Sprache der neuen Heimat“ betont, zugleich wird auf die Pflege der Sprache des Herkunftslandes im Hinblick auf Gemeindeleben, Liturgie, Verbindung zur Tradition Wert gelegt. Die Chance auf sozialen Aufstieg in der neuen Heimat erhöhe die innere Bereitschaft der Gemeindemitglieder zur Integration. Wichtig sei in diesem Zusammenhang auch die Möglichkeit zur politischen Mitbestimmung und zur Teilhabe am kulturellen Angebot. Unterstrichen wurde die Bedeutung der soziokulturellen, medialen, politischen Anerkennung durch die Mehrheitsgesellschaft, die sich u.a. auf symbolischer Ebene und durch die aktive Kontaktaufnahme von Repräsentanten der Öffentlichkeit zeigt.

Als notwendige Basis für die Bereitschaft zu Kontakt und Solidarität mit der „Außenwelt“ wurde die Erfahrung von Gemeinschaft in den Diasporagemeinden bezeichnet. Eine Schlüsselrolle komme dem Klerus zu, wenn er zur Integration ermutigt und die Gläubigen dabei mental unterstützt. Als gutes Beispiel wurde die von Bischofsvikar Dura erarbeitete Theologie der Gemeinde genannt, die den Christen hilft, ihre Lebenssituation in der Diaspora auch theologisch zu verstehen. Als entscheidend wurde die Präsenz von Menschen in den Gemeinden bezeichnet, die als „Brückenbauer“ fungieren können. Zumeist müssten Angehörige der zweiten oder dritten Generation diese Rolle übernehmen. Sehr klar wurde herausgearbeitet, dass die Aufgeschlossenheit und Integrationsbereitschaft einer Gemeinde umso höher ist, je mehr Frauen, Kinder und Jugendliche beteiligt und wertgeschätzt werden.

Als hemmende Faktoren in Bezug auf die Integration wurden Armut, Fehlen der Zukunftsperspektiven aus Mangel an Selbstbewusstsein oder an Optionen, Ablehnung durch die Gesellschaft (öffentliche Stimmung, Mangel an individueller wie struktureller Anerkennung, Diskriminierung von Kindern in Kindergarten und Schule infolge ihrer ethnischen Herkunft) aufgelistet. Je schwächer die strukturelle Anerkennung in der neuen Heimat sei, umso mehr wachse die Gefahr, in ein Abhängigkeitsverhältnis zum Herkunftsland zu geraten oder in einem solchen zu verbleiben. Als überaus problematisch wurde der von der Mehrheitsgesellschaft ausgehende Zwang zur „Mono-Identität“ identifiziert. Menschen hätten Mehrfachzugehörigkeiten, der Zwang zur „Mono-Identität“ zwinge sie in Loyalitätskonflikte oder mache Entscheidungen erforderlich, die nicht notwendig wären. Umso wichtiger sei die Akzeptanz von „Multi-Identität“, Menschen seien in der Lage, ihre pluralen Identitäten zu vereinbaren und plurale Zugehörigkeiten gemeinsam zu leben. Als hinderlich für die Integration wurden aber auch Gemeinden bezeichnet, die ihre sozialen Netzwerke ausschließlich innerhalb der eigenen Gemeinschaft haben und sich aus Angst oder Ablehnung der Werte der Umgebung von der Aufnahmegesellschaft isolieren. (ende)