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Franz König

Pro Oriente

„Der Papst hat in Ägypten Wunden geheilt“

Katholische Priester und Ordensleute in Kairo sehen positive Auswirkungen sowohl im ökumenischen Miteinander mit den orthodoxen Kopten als auch im Hinblick auf das Verhältnis zu den Muslimen

Kairo, 03.05.17 (poi) Der in Kairo wirkende irakische Dominikanerpater Amir Jaje hat die Ägypten-Reise von Papst Franziskus als großen Erfolg bezeichnet. „Er wollte die alten Wunden heilen und das gelang ihm. Man kann sagen, dass die Muslime in gewissem Sinn mit dem Christentum als Institution versöhnt wurden“, betonte der Dominikanerpater, der auch Mitglied des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog ist, im Gespräch mit der französischen Tageszeitung „La Croix“. Papst Franziskus habe verdeutlicht, dass es keinen Krieg zwischen den Religionen gebe. Er verstehe es zugleich, über heikle Sachverhalte so zu sprechen, dass es seine Zuhörer nicht verletze.

Freilich gehe es der „alten Garde“ des ägyptischen Islam nicht um Wandel. Vielmehr sei diesen Muslimen daran gelegen, dass die ganze Welt den Islam als überlegen anerkenne. Ihrer Erwartung, dass Franziskus den Islam insgesamt vom Terrorismus freispreche, sei der Papst nicht nachgekommen. Vielmehr habe er zu gegenseitigem Respekt aufgerufen. Es gebe eine junge Generation von Islamgelehrten, die sich weitreichende Reformen wünschten. Pater Jaje hofft, dass der Papst diese Jüngeren zum Nachdenken angeregt hat.

Viele Ägypter hätten mit dem Papstbesuch auch die Erwartung verbunden, dass die Touristen zurückkommen. Präsident Abd-el-Fattah al-Sisi habe zudem auf eine Bestätigung seiner Politik gehofft. Die Situation der Christen sei in Kairo besser als auf dem Land, wo der Druck der Islamisten stärker sei, betonte P. Jaje. Es habe Stimmen gegeben, die sich noch deutlichere und strengere Worte des Papstes zum Islam gewünscht hätten. „Aber ich denke, dass die meisten darauf setzten, dass der Papst eine wirkliche Botschaft des Friedens bringt, wenn er zu den Muslimen sagt: ‚Wir sind nicht eure Feinde, sondern eure Brüder‘“, sagte der Dominikanerpater.

Der Papstbesuch habe den Ägyptern moralischen Auftrieb gegeben, vor allem nach den Anschlägen vom Palmsonntag, sagte der Sprecher der katholischen Bischöfe Ägyptens, P. Rafic Greiche, der US-amerikanischen katholischen Nachrichtenagentur CNS. Deswegen sei es wichtig gewesen, dass der Papst allen Menschen in Ägypten ein Zeichen von Liebe, Frieden und Hoffnung gegeben habe, erklärte Greiche.

Vor allem für das Zusammenleben von Kopten und Katholiken in Ägypten habe der Besuch positive Auswirkungen, so die Einschätzung des Nahost-Fachmannes und Islam-Kenners P. Samir Khalil Samir SJ. „Ein großer Schritt“ war für ihn, dass Papst Franziskus und der koptisch-orthodoxe Papst-Patriarch Tawadros II. eine Erklärung zur Taufanerkennung unterzeichnet hatten. Beide Kirchen erkennen jetzt ihre Taufen gegenseitig an. Für konfessionsverschiedene koptisch-katholische Ehepaare, von denen es laut dem Jesuiten viele in Ägypten gibt, sei das ein gutes Zeichen. Auch nach dem Papstbesuch gebe es freilich die ständige Gefahr des islamistischen Terrorismus, bedauerte P. Samir. In den letzten fünf bis sechs Jahren habe sich der radikale Islam militarisiert. Leider würden Saudiarabien und Katar – zwei Länder, aus denen radikalislamistische Bewegungen finanziert werden - nach wie vor vom Westen mit Waffen beliefert.

Die Christen insgesamt haben vom Papst ein Zeichen der Hoffnung mitgenommen. Der Agentur CNS sagte der Leiter des koptisch-katholischen Seminars in Kairo, Shenouda Andraos: „Er hat uns ermutigt, allen Hoffnung zu geben, um die wir uns kümmern: Den Behinderten, den Armen und den Benachteiligten“. (ende)