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Die Ökumene muss
weitergehen!

Franz König

Pro Oriente

Kardinal Koch: In Kairo neuer ökumenischer Schwung

Chaldäischer Patriarch Mar Louis Raphael Sako betont, dass Christen und Muslime im Nahen Osten jetzt den prophetischen Reden des Papstes entsprechen müssen

Vatikanstadt-Bagdad, 05.05.17 (poi) Die ökumenische Beziehung zwischen der katholischen und der koptischen Kirche hat durch das Treffen von Papst Franziskus und Papst-Patriarch Tawadros II. in Kairo einen neuen positiven Schwung bekommen. Dies betonte der Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, Kardinal Kurt Koch, der in Kairo selbst mit dabei war, im Gespräch mit „Radio Vatikan“. Der theologische Dialog werde nicht bilateral zwischen dem Päpstlichen Rat für die Einheit der Christen und der koptisch-orthodoxen Kirche geführt, sagte Koch. Es gebe aber eine große internationale gemischte Kommission zwischen der römisch-katholischen Kirche und allen orientalisch-orthodoxen Kirchen, in der auch die koptisch-orthodoxe Kirche dabei ist. Dort würden die offenen theologischen Fragen intensiv diskutiert. Eine solche wichtige offene Frage habe bisher die wechselseitige Anerkennung der Taufe zwischen katholischer und koptischer Kirche betroffen. Dies sei mit der Unterzeichnung eines Dokuments über die Anerkennung der Taufe jetzt in Kairo geklärt worden.

Koch: „Bisher hat die koptisch-orthodoxe Kirche die katholische Taufe nicht anerkannt. Das führte zu Problemen bei Übertritten in die andere Kirche, etwa im Zusammenhang mit Eheschließungen. Das war – wenn ich das richtig verstehe – eine historische Reaktion auf ein zuvor von katholischer Seite nicht anerkanntes koptisches Taufverständnis. Aber das wurde schon vor längerer Zeit von katholischer Seite rückgängig gemacht. Die gegenseitige Anerkennung der Taufe ist das Fundament der Ökumene“.
Ein weiteres Element der Ökumene betreffe die koptischen Märtyrer. Papst Franziskus hatte Kardinal Koch sofort nach Bekanntwerden der beiden Anschläge auf koptische Kirchen am Palmsonntag nach Ägypten geschickt, um seine Anteilnahme zu bekunden. Die „Ökumene des Blutes“ sei einer der zentralen Aspekte der Papstreise nach Kairo gewesen, so Kardinal Koch.

„Papst hat viele Türen geöffnet“

„Papst Franziskus hat mit seinen Gesten und Ansprachen in Ägypten viele Türen geöffnet: zum Islam, zu den politisch Verantwortlichen und unter den Christen. Es bleibt zu hoffen, dass auch die Muslime diese Gelegenheit nutzen und die von der Kirche angebotene Unterstützung annehmen“, so der chaldäisch-katholische Patriarch Mar Louis Raphael Sako im Gespräch mit „Fides“ zu den möglichen Konsequenzen der Kairo-Reise des Papstes. Mar Louis Raphael Sako war als Gast der von der Al-Azhar-Universität organisierten Friedenskonferenz in Kairo. „Ich bin auch an den folgenden Tagen in Ägypten“, so der chaldäische Patriarch, „und ich konnte sehen, welch großen Eindruck der Besuch des Papstes im ganzen Land hinterlassen hat. Alle waren überrascht und waren sich bewusst, dass etwas Neues geschehen ist. Die Christen waren zufrieden und gewiss, dass der Papstbesuch Trost für alle Christen im Nahen Osten bedeutet. Auch die Muslime waren zufrieden, denn der Papst hat mit seinen Schritten und Gesten alle Erwartungen übertroffen, als er zum Beispiel den Großimam Ahmed al Tayyeb lange umarmte und ihn als ‚Bruder’ bezeichnete“.

„Nun sind die Türen geöffnet“, betonte der chaldäische Patriarch: „Wir sind alle berufen, dafür zu sorgen, dass sie sich nicht wieder schließen. Der Papst hat prophetische Reden gehalten, ohne irgendjemanden zu beschuldigen oder zu verurteilen. Er hat allen den Weg aufgezeigt, der vor uns liegt und den wir gemeinsam beschreiten sollen. Auch die Kirchen im Nahen Osten und vor allem ihre Hirten dürfen sich nicht in ihre Routine verschließen und müssen als prophetische Präsenz auftreten, sich in den Dienst der Aussöhnung, der Reformen und des Einsatzes für die gemeinsamen Rechte stellen, in unseren Ländern, die von Gewalt und sektiererischen Strömungen zerrissen sind. Der Papst hat getan, was er konnte. Nun sind wir an der Reihe, Christen und Muslime im Nahen Osten“. (ende)