Pro Oriente Logo

Die Ökumene muss
weitergehen!

Franz König

Pro Oriente

„Erster Weltgipfel zur Verteidigung der verfolgten Christen“ in Washington

US-Vizepräsident Pence sichert Einsatz der US-Regierung für den Schutz gläubiger Menschen zu – Leiter des Außenamts des Moskauer Patriarchats, Metropolit Hilarion, ruft zur Bildung einer „russisch-amerikanischen Koalititon gegen den Terrorismus“ auf

Washington, 13.05.17 (poi) Der US-amerikanische Vizepräsident Mike Pence hat beim „Ersten Weltgipfel zur Verteidigung der verfolgten Christen“ – der von der „Billy Graham Evangelistic Association“ nach Washington einberufen wurde – im Namen von Präsident Donald Trump versichert, dass die USA nicht ruhen werden, bis die IS-Terroristen vernichtet sind. Der Einsatz für den Schutz gläubiger Menschen werde mit der Eliminierung der IS-Terroristen nicht beendet werden, so Pence. Die USA würden vielmehr weiterhin jegliche Religionsverfolgung „wo auch immer und wann auch immer sie sich ereignet“ verurteilen, ganz gleich, ob die Verfolgung Christen, Jeziden, Drusen, schiitischen Muslimen usw. gelte: „Wir werden mit unseren Idealen und all unserer Macht dagegen auftreten“. Präsident Trump habe vor kurzem gesagt, niemand sei im Nahen Osten schlimmer behandelt worden als die Christen, unterstrich Pence: „Aber er hat auch deutlich gemacht, dass Amerika den Christen in dieser Stunde der Not beistehen wird“.

An dem Weltgipfel nahmen u.a. der Leiter des Außenamts des Moskauer Patriarchats, Metropolit Hilarion (Alfejew), der syrisch-orthodoxe Patriarch Mar Ignatius Aphrem II. und der katholische Erzbischof von Washington, Kardinal Donald Wuerl, teil. Außerdem waren zahlreiche Geistliche und Laien anwesend, die selbst Opfer der Verfolgung waren, unter ihnen der heute in Neuseeland tätige chaldäisch-katholische Priester Douglas al-Bazi. Metropolit Hilarion berichtete vor Journalisten, dass er Vizepräsident Pence eindringlich dargelegt habe, wie notwendig heute eine „russisch-amerikanische Koalition gegen den Terrorismus“ sei. Es sei seine Hoffnung, so der Metropolit, dass die Vereinigten Staaten und die Russische Föderation „Seite an Seite“ bei der Niederringung des Terrorismus zusammenarbeiten und „politische Auseinandersetzungen beiseite lassen“.

Besucher aus Syrien – „christliche wie auch islamische religiöse Führungspersönlichkeiten“ – hätten im Moskauer Patriarchat immer wieder berichtet, dass das russische militärische Eingreifen in Syrien für sie überlebenswichtig war, sagte der Metropolit. Zugleich sei der Wunsch nach Sicherung des Weiterbestehens der für Syrien seit Jahrhunderten charakteristischen „interreligiösen Balance“ geäußert worden. Mit seiner Teilnahme an dem Weltgipfel in Washington gehe es ihm auch darum, auf die Tragödie der Christen im Nahen Osten aufmerksam zu machen, die „von vielen westlichen Medien und Politikern vertuscht wird“.

Vizepräsident Pence zählte seinerseits bei dem Weltgipfel Fakten der Christenverfolgung auf, Präsident Trump sehe „diese Verbrechen als das, was sie sind: Schändliche Verfolgungsakte, die vom Hass auf das Evangelium Christi gespeist werden“. Extremistische Gruppierungen wie „al-Qaeda“ und „al-Shabaab“, „Boko Haram“ und die Taliban trachteten danach, alle anderen Religionen – aber auch islamische Strömungen, die sie ablehnen – auszurotten. Pence sprach von 215 Millionen Christen, die „Einschüchterung, Gefangennahme, Zwangskonversion, Angriffe oder Schlimmeres“ ertragen müssen, „weil sie dem Evangelium die Treue halten“. Das gelte für allem für die Ursprungsländer des Christentums. Dort, wo das Evangelium zuerst gepredigt wurde, seien die christlichen Gemeinschaften heute oft das Ziel „unbeschreiblicher Grausamkeiten“.

Das sei nicht immer so gewesen, betonte der US-Vizepräsident und schilderte ein persönliches Erlebnis aus dem Jahr 2004. Als er nach dem US-Einmarsch nach Basra gekommen sei, habe er mitangesehen, wie der Hauptimam der Stadt und der Erzbischof (offensichtlich der später zur Emigration gezwungene chaldäisch-katholische Erzbischof Djibrail Kassab) einander herzlich begrüßten und umarmten. Der Dolmetscher habe dann mitgeteilt, dass Imam und Erzbischof Kondolenzbezeugungen ausgetauscht hätten. Hier sei eine „Gemeinschaft des Miteinanders“ sichtbar geworden; diese Gemeinschaft könne und müsse wiederhergestellt werden, so Pence. (ende)