Pro Oriente Logo

Die Ökumene muss
weitergehen!

Franz König

Pro Oriente

Erzbischof: Neue Spannungen im Nordosten Syriens

YPG-Milizen nützen ihre durch logistische und militärische Unterstützung aus dem Westen gestärkte Position, um andere Gruppierungen zurückzudrängen

Damaskus, 13.05.17 (poi) In der syrischen Djazira (dem Gebiet zwischen Euphrat und Tigris) steigt nach Angaben des syrisch-katholischen Erzbischofs Jacques Behnan Hindo die Spannung. Im Gespräch mit der katholischen Nachrichtenagentur „Fides“ verwies der Erzbischof von Hassake (und Nusaybin) darauf, dass im Nordosten Syriens zwar der Druck der Dschihadisten von „al Nusra“ und „Daesh“ (IS) nachgelassen hat, aber zugleich die Schwierigkeiten mit den kurdischen YPG-Milizen zunehmen, die von westlichen Mächten mit Waffen versorgt werden. Wörtlich sagte Behnan Hindo: „In Hassake haben die kurdischen YPG-Milizen überall in der Stadt ihre Check-points aufgebaut, auch vor der bischöflichen Residenz. Es sind klare Signale einer neuen Spannung mit der syrischen Armee zu spüren, die ja in einigen Bezirken von Hassake nach wie vor präsent ist“. Vor kurzem habe er erfahren, dass YPG-Milizionäre in den Schulen waren, um mitzuteilen, dass nach Ende des Unterrichts alle Schulgebäude in den von ihnen kontrollierten Stadtvierteln beschlagnahm werden sollen, womit die Abschlussprüfungen (auch für die kurdischen Schüler) unmöglich wären.
Der Erzbischof schätzt, dass nur rund zehn Prozent der kurdischen Bevölkerung im nordöstlichen Syrien hinter der Kurdischen Demokratischen Union (PYD) und den mit ihr assoziierten YPG-Milizen stehen. Es gelinge PYD und YPG aber Einfluss zu nehmen, weil sie internationale logistische und militärische Unterstützung erhalten. Dadurch gestärkt seien diese Milizen im Konflikt mit anderen kurdischen Gruppierungen, die z.T. von der Regierung der autonomen kurdischen Region des Irak unterstützt werden. Im vergangenen Vorjahr habe die PYD in der Stadt Kamischlie den Präsidenten des syrisch-kurdischen Nationalrats (ENKS), Ibrahim Biro, festnehmen lassen und ihn zum Verlassen des Landes gezwungen. PYD und YPG würden heute aus den USA, Frankreich und Italien mit Waffen versorgt, sagte Erzbischof Behnan Hindo. Daher könnten sie auch die anderen kurdischen Gruppierungen unterdrücken. Die YPG habe aber nicht genug Soldaten, um die „Check-points“ zu besetzen, wo deshalb Söldner oder Beduinen stationiert würden. Vor allem auf dem Land würden sich viele frühere dschihadistische Kämpfer den YPG-Milizen anschließen, „weil sie dort sein wollen, wo besser bezahlt wird“.

Wütend ist der syrisch-katholische Erzbischof auch über Berichte, wonach die YPG-Milizen nichtkurdische Flüchtlinge aus dem von den „Daesh“-Terroristen kontrollierten Territorium daran hindern, in die ursprünglichen Heimatorte in der Djazira zurückzukehren, es sei denn, „sie bezahlen beträchtliche Summen“. Behnan Hindo würde sich wünschen, dass internationale Organisationen eingreifen, um solche Vorgänge zu unterbinden. (ende)