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Franz König

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Irak: Chaldäisches Patriarchat distanziert sich von Forderungen nach Schutzzone für Christen

Drei Bischöfe von Mosul und Umgebung versprechen sich von einer autonomen Zone unter dem Protektorat der Vereinten Nationen bessere Bedingungen für die Christen

Bagdad-Erbil, 15.05.17 (poi) Das Ringen um die politische Zukunft der Ninive-Ebene hat zu Spannungen zwischen den christlichen Bischöfen geführt. Am 12. Mai haben der syrisch-katholische Erzbischof von Mosul, Youhanna Boutros Mouche, der syrisch-orthodoxe Erzbischof der Tigris-Metropole, Mar Nikodemos Daud Sharaf, und der syrisch-orthodoxe Erzbischof von Mar Matta, Mar Timotheos Moussa Shamani, in einer gemeinsamen Erklärung eine Schutzzone für Christen in der Ninive-Ebene unter Schirmherrschaft der internationalen Staatengemeinschaft gefordert. Das chaldäische Patriarchat hat sich am 13. Mai von dieser Position distanziert, wie die katholische Nachrichtenagentur „Fides“ meldet. In einer von Bischof Shleimon Warduni unterzeichneten Erklärung wurde an die vor rund einer Woche veröffentlichte Stellungnahme von Mar Louis Raphael Sako erinnert, in der der chaldäische Patriarch die Christen aufgefordert hatte, „weise Entscheidungen“ zu treffen und keine Forderungen zu stellen, die nicht verwirklicht werden können.

Die von den drei Bischöfen wieder ins Spiel gebrachte „Schutzzone für Christen“ in der Ninive-Ebene greift die Idee einer weitgehend autonomen Provinz für die Christen auf. Diese Idee wird vor allem in der Emigration seit vielen Jahren diskutiert. Andere christliche Verantwortungsträger sind dagegen, weil ein solcher halb unabhängiger Kleinstaat sich nicht verteidigen könne und darüberhinaus die Gefahr einer „Ghettoisierung“ der Christen bestehe.
Die von Christen bewohnten Kleinstädte und Dörfer in der Ninive-Ebene waren 2014 von den IS-Terroristen überrannt worden. Weit mehr als 150.000 Menschen mussten in die autonome kurdische Region des Irak flüchten. Mit ihrer Forderung nach einer „Schutzzone für Christen“ haben sich die drei Bischöfe an politische Institutionen der kurdischen Region, der irakischen Zentralregierung und der internationalen Gemeinschaft gewandt. Von der „Schutzzone“ unter dem Protektorat der Vereinten Nationen versprechen sich die drei Bischöfe den Schutz der Rechte der Christen in ihrer angestammten Heimat und die Vermeidung von Konflikten.

Mar Louis Raphael Sako hatte in seiner Erklärung davor gewarnt, sich auf das politische Spiel um Einflussbereiche usw. einzulassen. Derzeit gehe es vor allem um die Rückkehr der Christen in ihre Heimatorte, die sie nach dem Vormarsch der IS-Terroristen im Jahr 2014 verlassen mussten. Dies setze vor allem den Wiederaufbau der zerstörten Infrastrukturen voraus, wobei die irakische Regierung und die internationale Gemeinschaft um Unterstützung gebeten werden sollten. Der Patriarch hatte es auch als angemessen bezeichnet, Vertreter der einheimischen christlichen Bevölkerung in die Verwaltung einzubeziehen. Doch erst, wenn die Situation wieder stabil sei, werde man die Forderung nach Schaffung autonomer Verwaltungseinheiten in Betracht ziehen können. (ende)