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Franz König

Pro Oriente

Papst Franziskus betont Verbundenheit mit Russland

Neue Signale der Annäherung zwischen dem kirchlichen Rom und dem kirchlichen Moskau – Große Bedeutung der “Pilgerfahrt” von Reliquien des Heiligen Nikolaus aus Bari nach Moskau und St. Petersburg

Moskau-Vatikanstadt, 17.05.17 (poi) Papst Franziskus hat auf seiner Pilgerreise nach Fatima – wie erst jetzt bekannt wird – seine besondere Verbundenheit mit Russland bekundet. Auf dem Flug nach Lissabon zu den 100-Jahr-Feiern der Marienerscheinungen in Fatima hatte er im Gespräch mit dem TASS-Korrespondenten Aleksij Bukalow erklärt: “Ich glaube an Russland. Diese Pilgerfahrt habe ich mit dem Gedanken an Russland angetreten – und nicht nur deshalb, weil Ihr Land einen besonderen Platz in den Fatima-Prophezeiungen der Jungfrau Maria einnimmt. Ich messe der Entwicklung der Beziehungen zwischen der römisch-katholischen und der russisch-orthodoxen Kirche große Bedeutung zu – und ich danke dem Moskauer Patriarchat für seine Anstrengungen in dieser Hinsicht”. In diesem Zusammenhang nannte Papst Franziskus ausdrücklich auch die “Pilgerfahrt” von Reliquien des Heiligen Nikolaus von Bari nach Moskau und St. Petersburg.

In den “Botschaften” von Fatima (die am 13. Mai 1917 begannen, als Portugal eine streng bürgerlich-laizistische Regierung hatte und auf Seiten der Entente am Ersten Weltkrieg teilnahm) wird auf die damals noch bevorstehende atheistische Revolution in Russland (“Oktober-Revolution”) und auf die Umkehr des Landes zum christlichen Glauben nach einigen Jahrzehnten Bezug genommen.

Am 10. Mai hatte Papst Franziskus bei der Generalaudienz in außergewöhnlich herzlicher Form eine Gruppe von jungen russisch-orthodoxen Priestern begrüßt, die im Rahmen eines Austauschprogramms nach Rom gekommen waren. Wörtlich sagte der Papst: “Möge der allmächtige Gott auf Fürbitte Mariens euer Land und den Einsatz der russisch-orthodoxen Kirche für den Dialog zwischen den Religionen und für das Gemeinwohl segnen”.

Das Austauschprogramm wird von der von Robert Moynihan begründeten Stiftung „Urbi et Orbi“ mitfinanziert, die Brücken zwischen orthodoxer und katholischer Kirche bauen und damit zur Überwindung des „Großen Schismas“ von 1054 beitragen will. „Urbi et Orbi“ veranstaltet alljährlich im Juli Pilgerfahrten für die „Benefactors“ nach Russland, in die Ukraine und nach Anatolien. Moynihan geht es nicht nur um die Spendenbereitschaft, sondern auch darum, Katholiken vor allem aus dem nordamerikanischen Raum zu einem tieferen Verständnis des orthodoxen Christentums zu führen.

Der Moskauer Patriarch Kyrill I. hat am Wochenende dem Generaloberen der Jesuiten, P. Artura Sosa, zum Ableben des Jesuitenpaters Ludwig Pichler kondoliert, der 63 Jahre hindurch den Chor des Päpstlichen Kollegs “Russicum” geleitet hatte. Wörtlich schrieb der Patriarch: “Mit großer Betrübnis habe ich vom Tod von P. Ludwig Pichler erfahren. Ich habe den Verstorbenen viele Jahre als Erforscher der geistlichen Musik, als Kenner der östlichen liturgischen Tradition und als aufrichtigen Christen gekannt”. Die Kondolenz-Botschaft des Patriarchen wurden beim Trauergottesdienst für P. Pichler verlesen, der von Erzbischof Cyril Vasil, dem Sekretär der vatikanischen Ostkirchenkongregation, gehalten wurde. Dank der Tätigkeit von P. Pichler hatten Generationen von orthodoxen Gläubigen Gelegenheit, am Radio die Göttliche Liturgie im byzantinischen Ritus mitzufeiern. Jahrzehnte hindurch wurden die von P. Pichler und seinem Chor mitgestalteten Liturgien alle zwei Wochen von der russischsprachigen Abteilung von “Radio Vatikan” ausgestrahlt.

“Ereignis von historischer Bedeutung”

Die russische “Pilgerfahrt” von Reliquien des Heiligen Nikolaus wurde am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Moskau von kirchlichen und kommunalen Verantwortungsträgern als “Ereignis von historischer Bedeutung” bezeichnet. Der Leiter des Pressedienstes des Moskauer Patriarchats, der Priester Alexander Wolkow, erinnerte daran, dass der Heilige Nikolaus von Myra überall in Russland verehrt wird. Umso bedeutsamer sei es, dass erstmals seit 930 Jahren einiger seiner Reliquien die apulische Hauptstadt Bari verlassen, um in russischen Städten verehrt zu werden. Eine hochrangige Delegation – mit dem Leiter des Außenamtes des Moskauer Patriarchats, Metropolit Hilarion (Alfejew), und dem Verantwortlichen für die russisch-orthodoxen Institutionen im Ausland, Bischof Antonij (Sewrjuk), an der Spitze – wird am 20. Mai nach Bari reisen. Am Morgen des 21. Mai wird das Reliquiar mit Gebeinen des Heiligen Nikolaus mit einem Sonderflugzeug nach Moskau gebracht. Ab 18 Uhr Moskauer Zeit werden alle Kirchenglocken in der russischen Hauptstadt zur “Begrüßung” der Reliquien läuten. Den Abendgottesdienst in der Christus-Erlöser-Kathedrale, wo die Reliquien während ihres Moskauer Aufenthalts aufbewahrt werden, feiert Patriarch Kyrill I.

Alexander Wolkow sagte bei der Pressekonferenz, dass zahlreiche Pilger aus allen Teilen des “kanonischen Territoriums des Moskauer Patriarchats” erwartet werden. Bis zum 12. Juli werden die Gläubigen die Reliquien des Heiligen täglich von 8 bis 21 Uhr verehren können. Von Moskau aus werden die Reliquien nach St. Petersburg weiterpilgern, wo sie in der Dreifaltigkeitskathedrale der Newskji-Lawra verehrt werden sollen.

Der Erzbischof von Bari, Francesco Cacucci, hatte den Heiligen Nikolaus am 9. Mai (an diesem Tag wird der Krypta des Heiligen jeweils das “Manna des Heiligen” entnommen) als “Zeichen der Einheit zwischen West und Ost” bezeichnet. Der 9. Mai habe heuer eine “ganz ökumenische Bedeutung”; zugleich erinnerte Cacucci daran, dass auch das Fest des Heiligen am 6. Dezember des Vorjahrs wegen der Präsenz des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. ein ökumenisches Signal gewesen sei. Gerade in jenen Tagen habe Papst Franziskus die Verantwortlichen der Kirche von Bari ersucht, der Bitte des Moskauer Patriarchen zu entsprechen, dass ein Teil der Reliquien des Heiligen Nikolaus nach Russland gebracht werden kann. Erzbischof Cacucci sagte in diesem Zusammenhang: “Wie könnte unser Weg als Christen ohne den Wunsch nach tiefer Gemeinschaft mit allen, die sich als Christen bekennen, ein Zeichen der Nächstenliebe im Namen des Heiligen Nikolaus sein? …Wir leben in einem Augenblick, in dem die Versuche des Sichverschließens und eines übertriebenen Individualismus überhand nehmen. Erweitern wir daher die Grenzen unseres Geistes und rufen wir den Heiligen Nikolaus an, damit die Liebe niemals Grenzen findet”. (ende)