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Franz König

Pro Oriente

Kardinal Schönborn und drei Patriarchen in Washington

Begegnungen mit US-Vizepräsident Pence, Parlamentariern und Beamten, um die Probleme der christlichen Präsenz in der nahöstlichen Region darzulegen – Christen haben ein Recht, als gleichberechtigte Bürger in ihrer Urheimat zu bleiben

Washington-Wien, 26.05.17 (poi) Die drei nahöstlichen Patriarchen Mar Louis Raphael Sako (chaldäisch-katholischer Patriarch von Babylon), Mar Ignatius Yousef III. Younan (syrisch-katholischer Patriarch von Antiochien) und Mar Ignatius Aphrem II. (syrisch-orthodoxer Patriarch von Antiochien) sind am Wochenbeginn auf Vermittlung und in Anwesenheit von Kardinal Christoph Schönborn im Weißen Haus in Washington mit dem US-Vizepräsidenten Michael Pence zusammengetroffen, wie der Pressedienst des syrisch-orthodoxen Patriarchats mitteilt. Organisiert wurde die Begegnung vom Präsidenten des 2010 begründeten „International Catholic Legislators Network“/ICLN, Christiaan Alting von Geusau (er ist auch Präsident des „International Theological Institute“ in Trumau).

Die Patriarchen legten dem US-Vizepräsidenten ihren Eindruck der allgemeinen Situation im Nahen Osten, die Probleme der christlichen Präsenz in der Region und die Leiden der Christen auf Grund der kriegerischen Auseinandersetzungen und Konflikte dar. Insbesondere verwiesen sie auf die Verfolgungen und Vertreibungen der Christen aus deren ursprünglicher Heimat. Zugleich verwiesen der Kardinal und die drei Patriarchen auf die „außerordentliche Bedeutung“ der Aufrechterhaltung der Präsenz der Christen als gleichberechtigte Bürger im Nahen Osten, der Urheimat des Christentums.

Der US-Vizepräsident unterstrich seine Sympathie für die Sache der Christen im Nahen Osten und sagte zu, dass er sich für Frieden und Dialog in der Region einsetzen werde. Nach der Begegnung veröffentlichte Pence einen Tweet, in dem er betonte, dass es im Gespräch mit den Patriarchen um Ideen gegangen sei, wie man das Leiden der Christen im Nahen Osten angehen könne. Zugleich verwies der Vizepräsident in seinem Tweet auf die Haltung von Präsident Trump, der die „Verfolgung jeglicher Religionsgemeinschaft verurteilt“.

Kardinal Schönborn und die Patriarchen trafen auch mit Beamten des State Department, amerikanischen Parlamentariern und Vertretern von NGOs zusammen, die über die Situation der Christen im Nahen Osten besorgt sind. Im Gespräch mit den Vertretern des State Departments wurde um Schritte im Hinblick auf die beiden vor vier Jahren entführten Metropoliten von Aleppo, Mar Gregorius Youhanna Ibrahim und Boulos Yazigi, ersucht. In Washington waren der Kardinal und die Patriarchen Gäste des Apostolischen Nuntius in den USA, Erzbischof Christophe Pierre.

Bei der Gründung des ICLN standen Christiaan Alting von Geusau im Jahr 2010 Kardinal Schönborn und Lord David Alton, Mitglied des britischen Oberhauses und seit Jahrzehnten an vorderster Linie für die verfolgten Christen engagiert, zur Seite. Alljährlich findet in Frascati Ende August eine ICLN-Konferenz statt, an der katholische Parlamentarier aus aller Welt teilnehmen. Bei der 7. ICLN-Konferenz im Vorjahr legte der syrisch-orthodoxe Patriarch dar, welche Maßnahmen notwendig sind, um „Frieden und Sicherheit“ in den Nahost-Staaten wiederherzustellen.

Für die ICLN-Konferenzen gilt die Chatham-Regel – keine Kommuniques, keine veröffentlichten Reden, aber selbstverständlich können die rund 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die sich alljährlich in Frascati zusammenfinden, von den bei diesem globalen Treffen empfangenen Informationen Gebrauch machen, ohne sich auf ICLN zu beziehen. Bei jeder ICLN-Konferenz gibt es auch eine Begegnung mit dem Papst. (ende)