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Franz König

Pro Oriente

Wieder Messfeiern im „Paradies“ an der libanesisch-syrischen Grenze

Nach dem Abzug der „al Nusra“-Rebellen wird im Gebiet des Wadi Barada das normale Leben wiederhergestellt

Damaskus, 25.05.17 (poi) In den von den islamistischen „al Nusra“-Rebellen geräumten Ortschaften im Wadi Barada im syrischen Grenzgebiet zum Libanon können wieder christliche Gottesdienste gefeiert werden. Die orthodoxe Website „Prawoslawie“ berichtet, dass in der Kirche der Entschlafung der Muttergottes in Al-Zabadani zum ersten Mal seit sechs Jahren wieder die Göttliche Liturgie stattgefunden hat. Auf Grund eines am 19. April in Kraft getretenen Abkommens hatten die „al Nusra“-Leute mit ihren Familienangehörigen das Gebiet des Wadi Barada in Richtung Idlib verlassen. Trotz der schweren Schäden an Wohnhäusern und Infrastruktur seien inzwischen 20.000 ursprüngliche Bewohnerinnen und Bewohner, die während der Islamisten-Herrschaft geflohen waren, in die Städte im Wadi Barada – vor allem nach Al-Zabadani und Madaya – zurückgekehrt. Die Wasser- und Stromversorgung wurde wiederhergestellt, die UNO und Russland liefern Nahrungsmittel und Medikamente. Die syrischen Grenz- und Zollbehörden haben den von den Islamisten betriebenen Rauschgiftschmuggel wieder abgedreht.

Das Wadi Barrada wird in Syrien wegen seiner Naturschönheiten und seines guten Klimas als „Paradies“ bezeichnet. Seit den 1930er Jahren waren Al-Zabadani und Madaya Brennpunkte des Tourismus, die Besucherinnen und Besucher kamen nicht nur aus allen Teilen Syriens, sondern auch aus den Fürstentümern am Persisch/Arabischen Golf und aus anderen Bereichen des Nahen Ostens. Die örtliche Legende wollte, dass Kain seinen ermordeten Bruder Abel im Wadi Barada begraben hätte.

Nach Beginn des Syrien-Krieges setzten sich Islamisten im Wadi Barada fest; zehntausende Einwohnerinnen und Einwohner – Christen und sunnitische Muslime - mussten flüchten. Die „al Nusra“-Leute errichteten in dem Tal an der libanesischen Grenze ein islamistisches Regime. Die syrische Regierungsarmee kesselte die Islamisten mit Hilfe der libanesischen „Hizbollah“-Milizen ein, worauf Al-Zabadani und Madaya im Narrativ mancher westlicher Medien zu Symbolen des Kampfes „gegen das Regime in Damaskus“ mutierten. Bereits im März begannen die Absetzbewegungen der „al Nusra“-Leute. Am 19. April entschloss sich ein Teil der „Kämpfer“, im Wadi Barada zu bleiben und das Amnestie-Angebot der syrischen Behörden anzunehmen, die anderen wurden mit Bussen in die nach wie vor von Islamisten kontrollierte Provinz Idlib verfrachtet.

Kosaken lernen aramäisch

Die südrussischen Kosaken von Stawropol haben inzwischen bekannt gegeben, dass sie Delegationen in das syrische Maaloula entsenden wollen, wo bis heute das Aramäische, die Sprache Jesu, gesprochen wird. „Nach den Abscheulichkeiten der Terroristen in Maaloula halten wir es für notwendig, nach Maaloula zu kommen und die Denkmäler der aramäischen Sprache kennenzulernen, die von den Islamisten nicht zerstört werden konnten“, sagte Dmitrij Tarasow, der stellvertretende Ataman der Kosaken von Stawropol, in einem „Iswestija“-Interview. Man werde sich bemühen, aramäisch zu lernen und einen Dialog mit den Bewohnern von Maaloula zu führen. Akademische Einrichtungen in Moskau, Stawropol und Maaloula haben sich bereit erklärt, die Initiative der Kosaken zu unterstützen.

Maaloula war 2013/14 vorübergehend in der Gewalt der islamistischen Rebellen gewesen. Kirchen und Klöster, die auf römische Zeit zurückgehen, wurden teilweise schwer beschädigt, die Nonnen des St. Thekla-Klosters waren einige Zeit im Gewahrsam der Islamisten. (ende)