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Franz König

Pro Oriente

Trauer um den verstorbenen emeritierten Kiewer Großerzbischof, Kardinal Lubomyr Husar

Kardinal Schönborn und „Pro Oriente“-Präsident Marte zum Ableben des Kardinals, der die Renaissance der griechisch-katholischen Kirche in der Ukraine fortgesetzt und vertieft hatte – Beisetzung in Kiew am Montag

Kiew-Wien, 03.06.17 (poi) Papst Franziskus hat den verstorbenen emeritierten griechisch-katholischen Großerzbischof von Kiew-Halytsch, Kardinal Lubomyr Husar, in eindrucksvollen Worten gewürdigt. Husar sei allen Entbehrungen und Verfolgungen zum Trotz stets treu im Glauben gewesen und habe sich für die "Wiedergeburt der griechisch-katholischen Kirche in der Ukraine" eingesetzt, heißt es in dem Schreiben des Papstes an den heutigen Kiewer Großerzbischof Swjatoslaw Schewtschuk. Ausdrücklich wird der Einsatz des Kardinals für „neue Wege des Dialogs und der Zusammenarbeit mit den orthodoxen Kirchen" betont.

„Mit Kardinal Husar ist einer der großen Bischöfe und Hirten unserer Zeit von uns gegangen", stellte Kardinal Christoph Schönborn im Gespräch mit der katholischen Nachrichtenagentur "Kathpress" fest. Husar habe das "Drama der Verfolgung und Unterdrückung" der griechisch-katholischen Kirche am eigenen Leib erfahren. Trotzdem habe er nie seine ökumenische Offenheit und Weite verloren, stellte Schönborn fest. Der emeritierte Großerzbischof habe sich "unschätzbare Verdienste" für die Erneuerung der griechisch-katholischen Kirche in der Zeit ihres "Wiederauferstehens aus den Katakomben" erworben: "Seine Weisheit und Güte waren auch für die Gegner der griechisch-katholischen Kirche in seiner Heimat ein berührendes Zeugnis des gelebten Evangeliums". In großer Dankbarkeit erinnere er sich als Ordinarius für die griechisch-katholischen Katholiken in Österreich an die vielen Begegnungen "mit diesem großen Glaubenszeugen", so Schönborn. Auch „Pro Oriente“-Präsident Johann Marte brachte in einem Schreiben an Großerzbischof Schewtschuk die „tiefe und aufrichtige Anteilnahme“ der Stiftung am Heimgang von Kardinal Husar zum Ausdruck. Husar sei „Pro Oriente“ immer sehr gewogen gewesen, u.a. habe er das wissenschaftliche Großprojekt der Stiftung zur „Union von Brest“ unterstützt.

Für Kardinal Husar seien die Würde der menschlichen Person und die Menschenrechte grundlegende Werte gewesen, die er auf jeder Ebene zu verteidigen suchte, so Yuriy Kolasa, Generalvikar für die griechisch-katholischen Gläubigen in Österreich, im Gespräch mit "Kathpress". Kolasa nimmt in Vertretung von Kardinal Schönborn an den Trauerfeiern für Husar in der Ukraine teil. Husars tiefe Gottesbeziehung habe es ihm ermöglicht, "den Menschen in sehr einfacher und greifbarer Weise die Botschaft des Evangeliums zu kommunizieren", so Kolasa. Der Kardinal sei zudem auch ein Mann mit Visionen gewesen: "Oft war es nicht so leicht, seine Beschlüsse und verschiedenen Initiativen zu verstehen. Erst als wir nach Jahren eine große Verwandlung im Leben der Kirche und in der Gesellschaft wahrnahmen, fragten wir uns, wie er das alles vorhersehen konnte". Ein großes Anliegen sei Husar stets die Förderung der Einheit der Kirche gewesen, wie der Generalvikar sagte. Kolasa war als Wirtschaftsstudent in Lemberg von Husar persönlich zum geistlichen Amt ermutigt und schließlich auch zum Priester geweiht worden.

Husar, der von 2001 bis 2011 die griechisch-katholische Kirche der Ukraine geleitet hatte, war am Mittwochabend, 31. Mai, nach schwerer Krankheit im Alter von 84 Jahren gestorben. Seine sterbliche Hülle wurde zunächst ins westukrainische Lwiw (Lemberg) überführt, dort aufgebahrt und am Sonntag zurück nach Kiew gebracht. Dort erfolgt am Montag in der Krypta der neuen griechisch-katholischen Auferstehungskathedrale – deren Errichtung auf Husar zurückgeht - die Beisetzung. Husar hatte – als Nachfolger von Kardinal Myroslav Lubatschiwskyj , der am 30. März 1991 nach Lwiw zurückgekehrt war – die Renaissance der griechisch-katholischen Kirche in der Ukraine fortgesetzt und vertieft. In Husars Zeit wurde der Primatialsitz der griechisch-katholischen Kirche 2005 nach Kiew verlegt.

Das Leben Husars spiegelte das bewegte Geschick seiner Kirche im 20. Jahrhundert. 1944 war er mit seinen Eltern aus der Ukraine nach Österreich geflohen, wo er kurzzeitig auch die Schule besuchte. Seine theologischen Studien absolvierte er in den USA, wo er 1958 zum Priester geweiht wurde. Als junger Priester war er in der Priesterausbildung und in der Pfarrseelsorge tätig. Nachdem er in Rom zum Doktor der Theologie promoviert worden war, trat er in das griechisch-katholische Studitenkloster in Grottaferrata bei Rom ein, zu dessen Oberen er im Mai 1974 gewählt wurde. Am 2. April 1977 wurde er von Kardinal Josyf Slipyj, der die ukrainische griechisch-katholische Kirche im Exil leitete, geheim zum Bischof geweiht. 1993 kehrte er in die Ukraine zurück. Am 22. Februar 1996 wurde seine Bischofsweihe von Rom anerkannt, er fungierte zunächst als griechisch-katholischer Exarch von Kiew. 2001 folgte er Kardinal Lubatschiwskyj nach, der im Dezember 2000 verstarb; die Wahl durch den Heiligen Synod der unierten Kirche erfolgte am 25. Jänner 2001. Schon einen Monat später – am 21. Februar 2001 - erhob Papst Johannes Paul II. Husar zum Kardinal. (ende)