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Franz König

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UN-Flüchtlingshilfswerk: Viele Syrer kehren in ihre Heimatregionen zurück

Es handelt sich vor allem um Binnenflüchtlinge – Auch viele der ins Ausland Geflüchteten wollen zurück, zögern aber noch, weil die Lage noch längst nicht stabil ist

Damaskus, 04.07.17 (poi) Trotz der unsicheren Lage und der großen Zerstörungen kehren viele Syrer in ihre Heimatregionen zurück: Das geht aus einem aktuellen Bericht des Flüchtlingshilfswerkes der Vereinten Nationen UNHCR hervor. Seit Beginn des Jahres sind demnach nahezu eine halbe Million Binnenflüchtlinge heimgekehrt. Mehr als 30.000 Flüchtlinge seien freiwillig aus den Nachbarländern nach Syrien zurückgereist.

Es habe sich meist um spontane Rückreisen gehandelt, also um „individuelle Entscheidungen“, der überwiegende Anteil der Heimkehrer seien Binnenflüchtlinge, die also keine internationalen Grenzen passiert haben, betonte UNHCR-Sprecherin Cécile Pouilly im Interview mit „Radio Vatikan“: „Die Personen, die zurückkehren, sagen uns hauptsächlich, dass sie wissen möchten, was aus ihren Angehörigen geworden ist. Sie möchten sich von ihrem Wohlergehen überzeugen. Als Grund erwähnen sie aber auch die verbesserte Sicherheitslage, sei sie real oder auch nur als solche imaginiert“. Generell ließe sich festhalten, dass die meisten Leute zunächst nach Damaskus, Aleppo oder Homs reisen, so die Sprecherin.

UNHCR rege die Menschen nicht zur Rückreise an, so Cécile Pouilly, weil die Lage an Ort und Stelle eigentlich immer noch zu unsicher sei. In Syrien, wo islamistische Milizen nach wie vor mehrere Landesteile kontrollieren und sich unterschiedliche Konfliktparteien bekriegen, fänden die Rückkehrer schwierige Lebensbedingungen vor, betonte sie: „Die humanitären Organisationen haben weiterhin Probleme, den Hilfskonvois regulären Zugang zu allen Zonen zu verschaffen, und die Menschen, die zurückkehren, stehen vor zahlreichen Herausforderungen. Sie müssen etwa Wege finden, ihren Lebensunterhalt zu sichern. Außerdem fehlt es an Essen und Trinkwasser, die Gesundheitsversorgung ist sporadisch, viele syrische Schulen sind beschädigt oder zerstört“.

Nach Angaben der UNHCR-Sprecherin wird damit gerechnet, dass viele Syrer auch in Zukunft in ihre Heimat zurückkehren wollen – allerdings eher mittelfristig: „Wir erwarten, dass es mehr Rückkehrer gibt, aber laut Umfragen unter den Flüchtlingen denkt die große Mehrheit nicht an eine Rückkehr in der näheren Zukunft, das heißt noch 2017. Ich denke, die Leute wollen sehen, wie sich die Lage entwickelt. Die meisten, mit denen wir gesprochen haben, möchten zurückkehren, aber eher mittelfristig, wenn die Situation sich wirklich stabilisiert hat“.

Angesichts der nach wie vor prekären Lage erinnerte Pouilly daran, dass für die Kriegsflüchtlinge – auch wenn viele von ihnen zurückwollen – weiterhin internationaler Schutz gewährleistet werden muss: „Es stimmt zwar, dass die Friedensverhandlungen vorangetrieben werden, sie finden statt und das ist wichtig, um eine politische Lösung für Syrien zu finden, aber in der Erwartung einer wirklich globalen Lösung und einer generellen Stabilisierung der Situation, die eine sichere Rückkehr ermöglichen würde, muss für die Flüchtlinge im Ausland ein Asylschutz beibehalten werden. Und man muss natürlich auch weiterhin die Nachbarländer unterstützen, die die überwältigende Mehrheit der syrischen Flüchtlinge aufnehmen: es geht um mehr als fünf Millionen Menschen, allein die Türkei beherbergt 2,9 Millionen Flüchtlinge, der Libanon mindestens 1,5 Millionen.

Die notwendigen Einsätze des UNHCR seien derzeit „nur zu 33 Prozent“ gewährleistet, so die Sprecherin weiter: „Daher rufen wir klar zu mehr Solidarität auf, denn wir müssen den Syrern dort helfen können, wo sie sich jetzt gerade aufhalten, und wir müssen auch im Blick haben, wie wir die Zukunft dieses Landes aufbauen können, sobald die Bedingungen günstig sind. Es wird viel Arbeit geben, vor allem im Wiederaufbau der zerstörten Infrastruktur“. (ende)