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Franz König

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Heiliges Land: Schuldspruch und Freispruch für Anschlag auf Tabgha

P. Nikodemus Schnabel betont die Bedeutung der Solidaritätswelle für die Jerusalemer Dormitio-Abtei und das Priorat Tabgha

Jerusalem, 04.07.17 (poi) Ein Schuldspruch und ein Freispruch: Damit endete der Prozess gegen zwei junge Israeli jüdischen Bekenntnisses, die nach dem Brandanschlag auf die Brotvermehrungskirche der Benediktiner in Tabgha im Juni 2015 festgenommen worden waren. Tabgha gehört zur Jerusalemer Dormitio-Abtei. Der Sprecher der Abtei, P. Nikodemus Schnabel, sagte im Gespräch mit „Radio Vatikan“: „Vor über zwei Jahren war der furchtbare Brandanschlag, das Atrium ein Flammenmeer, ein Mitbruder und eine Volontärin mit Rauchvergiftung im Krankenhaus, wie durch ein Wunder ist niemand umgekommen und die Kirche ist nicht komplett niedergebrannt, sondern nur das Atrium der Kirche. Das war ein schockierender Abend und Morgen. Aber in den Hass, der uns da entgegengeschlagen ist, hat sich sofort die Solidarität gemischt: Viele Israelis, Palästinenser, Juden, Christen, Muslime, Atheisten, die uns beigestanden sind in dieser schweren Zeit. Und jetzt ist das wieder so, viele zeigen sich solidarisch und sagen, hast du gehört, was für ein Skandal: ein Freispruch. Verhaftet wurden ja mehrere, angeklagt nur zwei, und davon jetzt einer freigesprochen und einer schuldig“.

Der 22-jährige Yinon Reuveni ist den Erkenntnissen der Richter zufolge in allen Anklagepunkten schuldig, darunter Brandstiftung aus feindlichen Motiven. Auf die Kirchenmauern von Tabgha am See Genezareth hatten die Attentäter auch christenfeindliche Parolen in Hebräisch geschmiert. Den Gerichtsprozess erlebten die Benediktiner als unangenehm, schildert P. Nikodemus: „Die Brüder, die daran teilgenommen haben, wurden gedemütigt und beleidigt, das war unschön. Es kommen viele Gefühle hoch. Einerseits die Wunden durch den Brandanschlag, der Schock darüber, dass man so gehasst werden kann, aber auch die Dankbarkeit für die Welle der Solidarität, die sich heute erneuert hat. Es tut gut zu wissen, dass vielen Menschen Tabgha und die Benediktiner nicht egal sind, und dass sie Frieden säen wollen. Wir werden weiter hier bleiben im Heiligen Land, in Jerusalem und Tabgha, werden weiterhin jeden empfangen, der zu uns kommen will, und wir werden weiter für den Frieden beten“.

Erst im Februar war das benediktinische Kloster in Tabgha nach den nötigen Renovierungen feierlich wiedereröffnet worden. Israels Präsident Reuven Rivlin dankte damals in seiner Ansprache allen am Wiederaufbau Beteiligten und sagte, Hass könne nicht gewinnen. (ende)