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Franz König

Pro Oriente

Treffen zwischen dem neuen melkitischen Patriarchen Yousef I. und Präsident Assad

Nach Angaben des Erzbischofs von Aleppo, Jean-Clement Jeanbart, wurden die Bemühungen der christlichen Kirchen um die nationale Versöhnung besonders gewürdigt

Damaskus, 06.07.17 (poi) Der neue griechisch-katholische melkitische Patriarch Yousef I. Absi ist mit einer Delegation seiner Kirche mit dem syrischen Präsidenten Bashar al-Assad zusammengetroffen. Bei der Begegnung am 4. Juli im Präsidentenpalast in Damaskus würdigte der Präsident die „wichtige Rolle“ des melkitischen Patriarchats und der anderen christlichen Kirchen in Syrien. Während des Konflikts hätten sie sich stets bemüht, das Bewusstsein der Einheit und nationalen Zugehörigkeit angesichts der Versuche zur Verbreitung „extremistischer Ideen“ zu bewahren. Laut syrischer Nachrichtenagentur SANA wurde bei der Begegnung an den Geist des syrischen Volkes und dessen Fähigkeit erinnert, „gemeinsam dem terroristischen Krieg zu widerstehen“. Dieser Widerstand werde den Ausgang eines Konflikts bestimmen, „dessen Auswirkungen das Schicksal aller Völker in der Region prägen wird“.

Es sei eine „herzliche und sehr positive“ Begegnung gewesen, bei der Assad besonders die Bemühungen der christlichen Kirchen um die nationale Versöhnung hervorgehoben habe, sagte der melkitische Erzbischof von Aleppo, Jean-Clement Jeanbart, im Gespräch mit der italienischen katholischen Nachrichtenagentur SIR. Assad habe seine Entschlossenheit betont, Präsenz und Freiheit der minoritären Religionsgemeinschaften in Syrien zu garantieren.

Der 71jährige Youssef Absi wurde am vergangenen 21. Juni zum neuen griechisch-katholischen melkitischen Patriarchen von Antiochien, Jerusalem, Alexandrien und dem ganzen Osten gewählt. Der aus Damaskus stammende Absei war vor seiner Wahl zum Oberhaupt der melkitischen Kirche Patriarchalvikar in Damaskus und Titularerzbischof von Tarsus (wo es bis 1923 eine große melkitische Gemeinde gab, vor wenigen Jahren wurde dort wieder eine melkitische Kirche eröffnet).

Noch am Tag der Wahl besuchte der syrisch-orthodoxe Patriarch Ignatius Aphrem II. mit einer großen Delegation seiner Kirche Yousef I. Absi in der melkitischen Patriarchalresidenz Ain Traz im Libanon, um zu gratulieren. Ignatius Aphrem II. schloss in seine Glück- und Segenswünsche auch den anwesenden emeritierten melkitischen Patriarchen Gregorios III. Laham und alle Mitglieder des Heiligen Synods der griechisch-katholischen Kirche ein.

Gratulationen aus Moskau und Wien

Zu den ersten Gratulanten des neugewählten melkitischen Patriarchen zählte auch der Leiter des Außenamts des Moskauer Patriarchats, Metropolit Hilarion (Alfejew). Wörtlich hieß es im Glückwunschschreiben aus Moskau: „Ein gewalttätiger Konflikt sucht nach wie vor das gesegnete Land Syrien heim, diesem Konflikt sind auch tausende Christen, unter ihnen nicht wenige Gläubige der melkitischen Kirche, zum Opfer gefallen“. Als bisheriger Patriarchalvikar von Damaskus habe Yousef I. im Epizentrum der tragischen Ereignisse gelebt und wisse genau, welche Leiden das syrische Volk zu ertragen hatte. In einer Zeit, in der die Existenz des Christentums in den Gebieten, wo es seinen Ausgang genommen habe, auf dem Spiel stehe, seien alle zur aktiven Kooperation für die Wiederherstellung des Friedens und zur Verkündigung von Liebe, Barmherzigkeit und Gerechtigkeit berufen.

Abschließend erinnerte Metropolit Hilarion an seine Begegnungen mit Yousef Absi im November 2011 im Libanon und in Moskau im Oktober 2013. Diese Begegnungen hätten einen unauslöschlichen Eindruck hinterlassen.

Unter den ersten Gratulanten war auch „Pro Oriente“-Präsident Johann Marte, der dem neugewählten Patriarchen „Kraft und Segen“ wünschte, um der Kirche „in diesen so schwierigen Zeiten“ dienen zu können. Marte erinnerte daran, dass „Pro Oriente“ seit seiner Gründung immer sehr herzliche Beziehungen zur melkitischen Kirche unterhalten hat. Kardinal Franz König, der Gründer von „Pro Oriente“, habe die Rolle des damaligen melkitischen Patriarchen Maximos IV. Saigh beim Zweiten Vatikanischen Konzil besonders geschätzt. (ende)