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Franz König

Pro Oriente

Patriarch Bartholomaios kann auch heuer Maria Himmelfahrt nicht in Sumela feiern

Offiziell werden die noch andauernden Renovierungsarbeiten in dem berühmten Kloster im Pontus als Grund für die Verweigerung angegeben

Ankara, 08.07.17 (poi) Auch heuer wird der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. am 15. August (Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel) im berühmten Kloster Sumela in der Schwarzmeerregion (Pontus) nicht den Festgottesdienst zelebrieren können. Wie im Vorjahr werden auch in diesem Jahr von den türkischen Behörden die laufenden Renovierungsarbeiten als Ursache für die Nichterteilung der Erlaubnis angegeben. Von 2010 bis 2015 hatte Bartholomaios I. alljährlich in Sumela die Göttliche Liturgie feiern können. Orthodoxe Gläubige aus allen Anrainerstaaten des Schwarzen Meeres waren aus diesem Anlass jeweils nach Sumela gekommen.

In einem Kommunique des Ökumenischen Patriarchats wird mitgeteilt, dass die Renovierungsarbeiten in Sumela erst bis zum Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel im kommenden Jahr beendet sein werden. Heuer werde Bartholomaios I. den Festgottesdienst im verlassenen Kloster der Theotokos Faneromeni bei Erdek (griechisch: Artaki), einem beliebten Ferienort am asiatischen Ufer des Marmara-Meers, zelebrieren, allerdings erst am Ende der Festwoche der Aufnahme Mariens in den Himmel. Ertek war eine ganz überwiegend christliche Kleinstadt gewesen. Wie in Sumela mussten auch in Artaki alle Christen 1923 die Stadt verlassen.

Das Kloster Sumela wurde im Jahr 386 gegründet und war viele Jahrhunderte hindurch der bedeutendste Wallfahrtsort am Schwarzen Meer, vor allem wegen der in Sumela verehrten Marienikone, die dem Evangelisten Lukas zugeschrieben wurde. Es gibt verschiedene Versionen, wie die Ikone nach Sumela gelangt ist. Heute befindet sie sich in Griechenland.
Nach dem Ende der kurzlebigen Pontischen Republik mussten 1923 alle griechischen und armenischen Christen des Pontus das Land verlassen, auch die Mönche von Sumela. Jahrzehnte hindurch war das Kloster eine Ruine, bis es 1972 von der Regierung in Ankara zum Nationaldenkmal erklärt wurde. 2010 wurde erstmals dem Ersuchen von Patriarch Bartholomaios I. stattgegeben, am 15. August die Göttliche Liturgie in Sumela feiern zu dürfen. Bei dem Gottesdienst sagte der Ökumenische Patriarch vor tausenden Gläubigen damals wörtlich: „Nach 88 Jahren weint die Jungfrau Maria nicht mehr“. 88 Jahre zuvor, am 15. August 1922, war zum letzten Mal das Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel in Sumela feierlich begangen worden.

Die ältesten erhaltenen Gebäude des Klosters in dem romantischen Gebirgstal südlich von Trapezunt stammen aus der Zeit der Komnenen, die ab 1204 als Kaiser von Trapezunt herrschten. Mehrere Kaiserkrönungen fanden in Sumela statt. Auch nach der Eroberung durch die Osmanen im Jahr 1461 blieb das Kloster ein spirituelles und kulturelles Zentrum, das auch von den Sultanen durch große Schenkungen gefördert wurde. Im 19. Jahrhundert erfolgte noch einmal ein großer Ausbau des Klosters, das sowohl christliche als auch muslimische Pilger aus dem ganzen kleinasiatischen Raum, aber auch aus Russland und Kaukasien anzog.

Für die pontischen Griechen, die ein besonders klassisches Griechisch sprachen, war die Marienikone von Sumela von außerordentlicher Bedeutung. Auch in den schweren Jahren von 1914 bis 1923, als zehntausende orthodoxe Pontus-Bewohner von den ittihadistischen bzw. kemalistischen Machthabern ermordet wurden, blieb das Bild der Gottesmutter von Sumela immer das große „Zeichen der Hoffnung“. (ende)