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Franz König

Pro Oriente

In Aleppo wird der Alltag wieder einigermaßen „normal“

Ordensleute aus der nordsyrischen Metropole berichten über die Initiative „Aleppo wieder schön machen“, die von der katholischen Gemeinschaft der Stadt gestartet wurde

Damaskus, 10.07.17 (poi) Die lang umkämpfte nordsyrische Metropole Aleppo blüht allmählich wieder auf. Der Alltag werde wieder einigermaßen „normal“, sagte der Jesuitenpater Ziad Hilal im Gespräch mit „Radio Vatikan“. Er lebt seit Jahren in Aleppo. Die katholische Gemeinschaft der Stadt habe kürzlich eine neue Initiative gestartet, unter dem Motto „Aleppo wieder schön machen“, berichtete P. Hilal. Es gehe darum, Jugendliche für eine gemeinsame Reinigung der Straßen zu gewinnen. Das soll auch dazu beitragen, die „Wunden des Krieges“ zu überwinden, so der Jesuitenpater: „Die Idee ist, mit Hilfe zum Beispiel der Pfadfinder das Zusammenleben von Christen und Muslimen zu fördern. Da geht es nicht nur darum, die Zeichen des Krieges zu beseitigen, sondern auch einen neuen Anfang zu ermöglichen. Die Menschen sollen wieder sagen: Wir sind ein Volk, das Hand in Hand zusammenarbeitet“.

Trotz aller Probleme ist P. Hilal vorsichtig optimistisch: „Es ist eindeutig ruhiger geworden. Die Menschen hier können jetzt wieder problemlos auf die Straße gehen. Die Erwachsenen können wieder zur Arbeit fahren, die Kinder wieder die Schule besuchen und die Jugendlichen wieder zur Universität gehen. Das heißt jetzt aber nicht, dass alles vorüber ist. Vor wenigen Tagen gab es zwei Attentate mit Toten und Verletzten. Man kann also noch nicht sagen, dass der Frieden die Oberhand gewonnen hat“. Man müsse also noch Geduld haben und abwarten, ob die allmähliche Normalisierung des Alltags wirklich in einen definitiven Frieden mündet, so P. Hilal. Was er bedaure: Immer mehr Menschen wandern trotzdem aus.

Die Initiative „Aleppo wieder schön machen“ sei von der römisch-katholischen Kommunität der Stadt in Zusammenarbeit mit der Regierungsbehörde ausgegangen. Zum Auftakt gab es eine feierliche Zeremonie mit dem Franziskanerpater Ibrahim Alsabagh auf dem Vorplatz der katholischen Pfarrkirche des lateinischen Ritus. An der Zeremonie nahmen auch Regierungsvertreter und Repräsentanten der islamischen Gemeinde teil. Der erste Akt der Initiative war es, die Bordsteine der Gehsteige weiß zu lackieren, wie es im Orient üblich ist.

Insgesamt bringe die Initiative „Aleppo wieder schön machen“ eine „Sorge“ und eine „Herausforderung“ zum Ausdruck, die „Christen und Muslime vereint“, so P. Alsabagh. Denn der Glaube sei in der syrischen Tradition eine „Quelle des Friedens, der Wiederauferstehung, des harmonischen Miteinanders“. Im Einsatz für die Reinigung und den Wiederaufbau der Stadt könnten die Bewohner wieder „eine Nation, eine einzige Familie“ werden, unabhängig von der religiösen oder politischen Einstellung. Die Initiative sei eine gute Gelegenheit, „um jenes großartige Mosaik zu erneuern, das unsere Gesellschaft immer war“.

„Wir setzen uns mit Liebe für unsere Märtyrer-Stadt ein“, so der Franziskaner: „Wir möchten die Versöhnung in einer Situation fördern, die immer noch von tiefen Verletzungen gekennzeichnet ist“. In der lateinischen Pfarre sei man davon ausgegangen, dass „das Gute ansteckend wirken kann“. Daher habe man zunächst auch alle anderen christlichen Gemeinschaften zum Mitmachen eingeladen, dann die christlichen Pfadfinder, die christlichen Bewegungen und schließlich auch die Muslime und alle Bewohner der nordsyrischen Metropole. Schon in den ersten Tagen hätten sich mehr als 200 Personen, „bewaffnet“ mit Besen, Eimern, Pinseln und Farbe, daran gemacht, der Stadt Aleppo wieder ein freundlicheres Aussehen zu verleihen. Mittlerweile werden die Hilfswilligen in Gruppen zu je zehn Personen eingeteilt, jeder Gruppe wird ein bestimmter Sektor der Stadt zugeteilt.

Die von P. Alsabagh geleitete lateinische Pfarrgemeinde hat aber auch eine weitere bemerkenswerte Initiative gestartet: Ein Sommerzentrum für an die 1.000 Kinder, in dem sie sich unter dem Motto „Mit Jesus Farbe ins Leben bringen“ dem Sport, dem Tanz, der Musik usw. widmen können. Mit all diesen Aktionen gehe es darum, die so schwer verletzte Stadt und die menschliche Gemeinschaft in ihr wieder herzustellen, so P. Alsabagh: „Wir möchten das große Potenzial der Kirche mit all unseren Brüdern und Schwestern teilen, mit denen wir in unserer Stadt und in unserem Land leben“. (ende)