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Franz König

Pro Oriente

Skepsis der Christen gegen die kurdischen Autonomiepläne in der syrischen Djazira

Stellungnahme des syrisch-katholischen Erzbischofs von Hassake – Trauer über die Ermordung eines führenden christlichen Agronomen

Damaskus-Hassake, 24.07.17 (poi) Der syrisch-katholische Erzbischof von Hassake (und Nusaybin), Jacques Behnan Hindo, hat in einem Gespräch mit der katholischen Nachrichtenagentur „Fides“ die Skepsis der Christen in der Djazira (der syrischen Provinz zwischen Euphrat und Tigris) im Hinblick auf die Autonomiepläne der kurdischen Bewegung zum Ausdruck gebracht. Der syrische Zweig der kurdischen PKK, der mit seinen Milizen die Djazira weitgehend kontrolliert, hat damit begonnen, in dem auf kurdisch Rojava genannten Gebiet ein lokales Steuersystem aufzubauen. Das System verpflichtet alle Bewohner, die monatliche Einnahmen ab 100.000 syrischen Lire (rund 200 Euro) haben, zur Zahlung von Steuern. Mit dieser Regelung werden rund 75 Prozent der Lokalbevölkerung erfasst.

Nach Angaben von Erzbischof Behnan Hindo findet auch ein Umbau des Schulsystems statt. Viele Schulgebäude seien für Zwecke der Milizen beschlagnahmt worden, in anderen Schulen werde ein neues Programm in kurdischer Sprache durchgeführt. Ein ebenfalls von Beschlagnahmung betroffenes kirchliches Gebäude sei aber sofort zurückgegeben worden, nachdem sich der Erzbischof an den Apostolischen Nuntius in Damaskus und an führende Persönlichkeiten der kurdischen Bewegung gewendet hatte.

Erzbischof Behnan Hindo unterstrich im Gespräch mit „Fides“ seine Einschätzung, dass sich die kurdische Bewegung stark fühle, weil sie die USA auf ihrer Seite glaube. Er habe seine kurdischen Gesprächspartner aber mehrfach darauf hingewiesen, dass nach einem absehbaren Rückzug der Amerikaner neue Konflikte aufbrechen werden, weil „weder die Regierung in Damaskus noch die muslimischen Araber und die in der Djazira stark vertretenen aramäischen Christen mit den Autonomieplänen einverstanden sein werden“.

Großes Aufsehen hat bei den Christen in der Djazira die Ermordung des Agronomen Basil Isaac ausgelöst. Seine Leiche wurde am 21. Juli in einem Dorf acht Kilometer östlich von Hassake aufgefunden. Prof. Isaac, früherer Dekan des Landwirtschaftskollegs in Hassake und stellvertretender Dekan der Pädagogischen Fakultät der Euphrat-Universität, war in der Djazira wegen seiner Lehr-und Forschungsarbeit sehr bekannt. Der Agronom war am 18. Juli aus Hassake verschwunden; zunächst hatten die Angehörigen eine Entführung zwecks Lösegeldeerpressung vermutet, es wurden aber keine Forderungen gestellt. Er stammte aus Tel Shamiram, einem der 35 assyrischen Dörfer am Ufer des Khabur-Flusses, die in der französischen Mandatszeit entstanden waren.

Die Dörfer wurden 2015 von IS-Terroristen überfallen, 253 christliche Männer, Frauen und Kinder wurden als Geiseln genommen. Erst ein Jahr später konnten sie nach schwierigen Verhandlungen wieder die Freiheit erlangen. Die Islamisten sind mittlerweile aus den Dörfern am Khabur wieder verschwunden, nachdem sie schwere Zerstörungen angerichtet hatten. (ende)