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Franz König

Pro Oriente

Kardinal Barbarin besuchte das befreite Mosul

Erzbischof von Lyon erfüllte ein im Dezember 2014 gegebenes Versprechen und brachte eine Kopie der Gnadenstatue Unserer Lieben Frau von Fourviere in eine chaldäische Kirche der Tigris-Metropole

Bagdad-Erbil, 26.07.17 (poi) Der Erzbischof von Lyon, Kardinal Philippe Barbarin, hat „im Zeichen von Versöhnung und Frieden“ Mosul besucht. Auf Einladung des chaldäisch-katholischen Patriarchen Mar Louis Raphael Sako hielt sich der Primas von Gallien drei Tage im nördlichen Irak auf, um zu sehen, wie der Wiederaufbau nach der Vertreibung der IS-Terroristen langsam in Gang kommt. In Mosul konnte der französische Kardinal nur den Ostteil der Stadt am linken Tigris-Ufer besuchen, weil in der Altstadt am rechten Ufer noch zu viele Minen und Sprengfallen vorhanden sind. In einer bewegenden Zeremonie stellte Kardinal Barbarin in der chaldäischen Heiligengeistkirche eine Kopie der Gnadenstatue Unserer Lieben Frau von Fourviere aus seiner Bischofsstadt auf. Im Dezember 2014 hatte der Kardinal in Erbil vor christlichen Flüchtlingen gelobt, dass er diese Statue nach Mosul bringen werde, sobald die Stadt aus den Händen der IS-Terroristen befreit sei. Wie Kardinal Barbarin in der Heiligengeistkirche sagte, sei dieser symbolische Akt eine Botschaft an die aus Mosul vertriebenen Christen: „Endlich ist eure Stadt befreit, in Fourviere und an so vielen anderen Orten in der Welt wird für euch gebetet. Die ganze Weltkirche ist wahrhaft eure Familie“.

Auch wenn von den früher fast 50.000 christlichen Bewohnern von Mosul erst ein Dutzend Familien zurückgekehrt seien, werde es entscheidend sein, dass die Christen die Kraft zur Vergebung finden, „denn nur die Vergebung macht das Leben und die Hoffnung wieder möglich“, so der Kardinal. Vor seiner Abreise hatte der Erzbischof von Lyon mit Papst Franziskus telefoniert und der Papst gab dem Kardinal eine Botschaft an die Christen von Mosul mit: „Sag ihnen, dass sie jeden Tag in meinen Gebeten sind. Ich bin mir der Leiden bewusst, die sie seit Jahren zu tragen hatten. Und bitte sie, dass sie auch für mich beten“.

Kardinal Barbarin hatte sich sofort nach dem Vormarsch der IS-Terroristen auf Mosul und die Ninive-Ebene für die vertriebenen Christen eingesetzt. Bei seinem Besuch im Dezember 2014 kam es zum Abschluss einer Partnerschaft zwischen den Erzdiözesen Lyon und Mosul. Bei seiner jetzigen Visite besuchte der Erzbischof von Lyon mit dem chaldäischen Patriarchen zunächst Qaraqosh (Bakhdida), die bedeutendste christliche Stadt in der Ninive-Ebene. Bei der Messfeier im zerstörten Qaraqosh wurde für die „Wiedergeburt dieser Stadt und dieses Landes“ gebetet.

In Mosul besuchte Barbarin mit seiner kleinen Delegation – der u.a. die Bischöfe von Troyes und Evry, Marc Stenger und Michel Dubost, sowie der Direktor des „Oeuvre d’Orient“, Msgr. Pascal Gollnisch, angehörten – einige der 25 Kirchen im Ostteil der Stadt, alle geplündert und schwer beschädigt. „Es waren gleichsam Kreuzwegstationen“, sagte der Kardinal danach. Die Heiligengeistkirche präsentierte sich mit nackten Mauern, weil die IS-Terroristen die Marmorplatten heruntergerissen und verkauft hatten, wie Mar Louis Raphael Sako den französischen Besuchern mitteilte. Von der assyrischen 40-Märtyrer-Kirche sind nur die Grundmauern stehen geblieben, am Eingang der Kirche Mariä Verkündigung steht noch das von den IS-Terroristen angebrachte islamische Glaubensbekenntnis, die „Shahada“, die chaldäische Paulskirche ist ein Schuttberg, an der Fassade der monumentalen syrisch-orthodoxen Kathedrale St. Efrem prangt noch immer ein Teil eines Freskos mit der berüchtigten schwarzen Fahne der Islamisten. Im Inneren hat nur ein Christusbild an der Decke das Wüten der Terroristen überstanden. „Es war ein Genozid“, stellte der chaldäische Patriarch fest: „Sie wollten nicht nur Menschen töten, sondern auch alle Spuren der christlichen Kultur auslöschen“.

Begonnen hatte Kardinal Barbarin seine Reise in Erbil, wo er und seine Delegation mit christlichen Flüchtlingen zusammentrafen. Die Delegation aus Lyon verstand ihren Besuch in Mosul als Einladung an alle vertriebenen oder geflüchteten Bewohner der Tigris-Metropole, an Christen, Muslime und Jeziden, in ihre Heimatstadt zurückzukehren, wie es in einem offiziellen Kommunique der Erzdiözese Lyon heißt. (forts)