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Die Ökumene muss
weitergehen!

Franz König

Pro Oriente

„Der Ökumenismus widerspricht nicht der orthodoxen Lehre“

Entwurf des „Katechismus der russisch-orthodoxen Kirche“ zitiert im Abschnitt 6 („Grundlagen der Haltung der russisch-orthodoxen Kirche zur nichtorthodoxen Christenheit“) entscheidende Feststellungen des Panorthodoxen Treffens von Thessaloniki von 1998

Paris-Moskau, 14.08.17 (poi) „Der Ökumenismus widerspricht nicht der orthodoxen Lehre“: Auf diesen Satz im Abschnitt 6 des Entwurfs für den „Katechismus der russischen orthodoxen Kirche“ hat der Chefredakteur der französischen Website „orthodoxie.com“, P. Jivko Panev, in einem Interview mit „La Croix“ aufmerksam gemacht. Panev, der aus Mazedonien stammt, lehrt am orthodoxen Institut Saint-Serge in Paris Kirchenrecht und Kirchengeschichte. Der von der Biblisch-Theologischen Kommission des Heiligen Synods des Moskauer Patriarchats unter dem Vorsitz von Metropolit Hilarion (Alfejew) erarbeitete Entwurf des Abschnitts 6 („Grundlagen der Haltung der russisch-orthodoxen Kirche zur nichtorthodoxen Christenheit“) zitiere, so Panev, das Panorthodoxe Treffen von Thessaloniki von 1998, bei dem festgestellt wurde, dass die orthodoxen Repräsentanten in der ökumenischen Bewegung immer „den verschiedenen Autoritäten“ der orthodoxen Kirche „treu und gehorsam“ waren und „in Übereinstimmung mit den kanonischen Bestimmungen, mit der Lehre der Ökumenischen Konzilien, den Kirchenvätern und der heiligen Tradition der orthodoxen Kirche“ gehandelt hätten.

Die ökumenische Öffnung bei der Erarbeitung des neuen Katechismus – übrigens des ersten modernen Katechismus einer orthodoxen Kirche – geschehe „unter dem Hirtenstab von Patriarch Kyrill“, der dem Dialog mit den Katholiken sehr positiv gegenüberstehe, betonte der „orthodoxie.com“-Chefredakteur. Er erinnerte an die Nähe des heutigen Patriarchen zum einstigen St. Petersburger Metropoliten Nikodim (Rotow), der 1978 im Vatikan bei seinem Antrittsbesuch bei Johannes Paul I. in den Armen des Papstes verstarb.

Patriarch Kyrill gehe es, so P. Panev, um eine Öffnung zu den Problemen des modernen Menschen und zugleich um eine Wiederentdeckung der Wurzeln der russischen Orthodoxie nach den 70 Jahren des Staatsatheismus. Auf ähnliche Weise, wie die katholische Kirche in den letzten Jahrzehnten ihre Soziallehre und ihren Weltkatechismus entwickelt habe, sei es Kyrill (zunächst noch in seiner Funktion als Leiter des Außenamtes des Moskauer Patriarchats) um die Publikation der Grundlagen der Soziallehre der russisch-orthodoxen Kirche und jetzt um die Ausarbeitung eines die Menschen von heute ansprechenden Katechismus gegangen.

Auf die positive Haltung zur Ökumene im Entwurf des russisch-orthodoxen Katechismus hatten vor kurzem auch vatikanische Medien aufmerksam gemacht. Dabei wurde auf ein weiteres Zitat aus der Erklärung des Panorthodoxen Treffens von Thessaloniki von 1998 verwiesen: „Die Kirche verurteilt jene, die unter Verwendung falscher Informationen mit voller Absicht die Arbeit der orthodoxen Kirche in ihrem Zeugnis gegenüber der nichtorthodoxen Welt verzerren“. Saboteuren der Ökumene und „extremistischen Gruppen“, die die Kirche spalten wollen, würden kanonische Strafen angedroht.

Der Entwurf des „Katechismus der russischen orthodoxen Kirche“ wurde im Internet veröffentlicht und zur Diskussion gestellt. Dabei wurde aber darauf aufmerksam gemacht, dass Abschnitt 6 – ebenso wie die Abschnitte 4 („Grundlagen des Sozialkonzepts der russisch-orthodoxen Kirche“) und 5 („Grundlagen der Lehre der russisch-orthodoxen Kirche über Würde, Freiheit und Rechte des Menschen“) – wortgleich auf kirchlichen Dokumenten beruhen, die bereits früheren Gelegenheiten vom Bischofskonzil des Moskauer Patriarchats angenommen worden sind. Daher könnten sie nicht neuerlich diskutiert werden. (ende)