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Franz König

Pro Oriente

Vollversammlung des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen tagt in Minsk

Weißrussischer Präsident Lukaschenko trifft mit den Vorsitzenden der Bischofskonferenzen zusammen – Hommage an Minsk aus Anlass der ersten Erwähnung der Stadt vor 950 Jahren und des 500-Jahr-Gedenkens der ersten weißrussischen Bibelausgabe

Minsk, 16.09.17 (poi) Zum ersten Mal findet die Vollversammlung des Rates der Europäischen (katholischen) Bischofskonferenzen (CCEE) in Weißrussland statt: Von 27. September bis 1. Oktober tagen die Vorsitzenden der Bischofskonferenzen in der weißrussischen Hauptstadt Minsk. Die Themen „Jugend“ (im Hinblick auf die bevorstehende Weltbischofssynode) und „Europa“ stehen im Mittelpunkt der Tagung. Welche Hoffnungen und Ängste treiben die junge Generation um? Welche Rolle können die Kirchen bei der europäischen Einigung spielen und wie können sie das Evangelium Christi verkünden? Solche Fragen wollen die Vorsitzenden der Bischofskonferenzen aus 45 europäischen Ländern bei dem Treffen erörtern. Bei der Eröffnung wird auch das Oberhaupt der weißrussischen orthodoxen Kirche (die zum Moskauer Patriarchat gehört), Metropolit Pawel (Ponomarjow) von Minsk, anwesend sein, ebenso Vizeministerpräsident Wasilij I. Scharko und der Bürgermeister der Hauptstadt, Andrej Schorets. Am 28. September wird der weißrussische Präsident Aleksandr Lukaschenko mit den Vorsitzenden der europäischen Bischofskonferenzen, an ihrer Spitze CCEE-Präsident Kardinal Angelo Bagnasco, zusammentreffen.

Die Einladung nach Minsk hatte der katholische Erzbischof von Minsk (und Vorsitzende der weißrussischen Bischofskonferenz), Tadeusz Kondrusiewicz, im Hinblick auf zwei Jubiläen ausgesprochen: Die erste Erwähnung der Stadt Minsk in der Nestor-Chronik vor 950 Jahren und das 500-Jahr-Gedenken des ostslawischen Buchdrucks und der ersten weißrussischen Bibelausgabe (die erste Druckerei befand sich im weißrussischen Polotsk).

Zum Abschluss des CCEE-Treffens werden die Vorsitzenden der Bischofskonferenzen am 1. Oktober in verschiedenen Pfarrgemeinden von Minsk und Umgebung an den Pfarrgottesdiensten teilnehmen, um mit den weißrussischen Katholiken ins Gespräch zu kommen.

Festakt zum Erscheinen der neuen Übersetzung des Neuen Testaments

Im Hinblick auf das 500-Jahr-Jubiläum des ostslawischen Buchdrucks hatte vor wenigen Tagen in Polotsk (Polazk), der ältesten Stadt Weißrusslands, ein Festakt stattgefunden, bei dem zugleich die in 25-jähriger Arbeit erstellte Neuübersetzung des Neuen Testaments in die weißrussische Sprache präsentiert wurde. Metropolit Pawel unterstrich dabei, dass die neue Übersetzung nicht nur „ein historisches Ereignis für die weißrussische orthodoxe Kirche darstellt“, sondern für die ganze Republik von Belarus. Mit der neuen Übersetzung werde die segensreiche Tätigkeit der Slawenapostel Kyrill und Method und von Francysk Skoryna, des „ersten Druckers Weißrusslands“, für die Gegenwart fortgesetzt. Skoryna (1486-1541) ließ als erster Bücher in einer Sprachform drucken, die zwar deutliche Beeinflussungen durch das Kirchenslawische aufweist, jedoch auch unverkennbar Merkmale der damaligen Volkssprache der Region, der ursprünglichen Form des Weißrussischen, zeigt. Durch seine Bibelübersetzungen in diese regionale Variante des Slawischen leistete er einen entscheidenden Beitrag zur Entwicklung des ostslawischen volkssprachlichen Schrifttums im Allgemeinen und der weißrussischen Sprache im Besonderen.

Skoryna trug einen katholischen Vornamen und heiratete eine Katholikin, gab seine Bücher jedoch für Orthodoxe heraus. Dies könnte daran liegen, dass seine Familie orthodox war, er selbst aber seine Bildung im katholischen Westen erhielt. Er studierte in Krakau und Padua. Später übersiedelte er nach Prag, wo er zwischen 1517 und 1519 Übersetzungen mehrerer Bücher der Bibel anfertigte und herausgab. Diese Ausgaben sind zudem von hohem künstlerischem Wert. Anschließend ging er wieder in die Heimat, wo er Bücher „für die einfachen Leute“ herausgab. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er als Leibarzt des böhmischen Königs (und späteren Römischen Kaisers) Ferdinand I. in Prag.

Bei der Feier in Polotsk brachte Metropolit Pawel seine tiefe Dankbarkeit für die Arbeit der Übersetzer des Neuen Testaments zum Ausdruck, unter ihnen herausragende Theologen und Philologen. Übersetzt wurde aus dem griechischen Text unter ständigen Vergleichen mit den russischen, ukrainischen, serbischen, bulgarischen, polnischen, tschechischen, rumänischen, französischen und englischen Übersetzungen. Bei der Herausgabe des Neuen Testaments in weißrussischer Sprache arbeiteten die weißrussische orthodoxe Kirche und die nationale Bibelgesellschaft eng zusammen. Bei dem Festakt in Polotsk waren u.a. auch der orthodoxe Erzbischof der Stadt, Feodosij (Biltschenko), und der Generaldirektor der Nationalbibliothek von Belarus, Roman S. Motulskij, anwesend. (ende)