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Die Ökumene muss
weitergehen!

Franz König

Pro Oriente

Ein Brückenbauer zwischen Ost und West

Michael Prohazka seit zehn Jahren Abt von Stift Geras

St. Pölten, 24.09.17 (poi) Archimandrit Michael K. Prohazka, ein bewährter Brückenbauer zwischen Ost- und Westkirche (u.a. auch Vorstandsmitglied der Stiftung „Pro Oriente“), ist seit zehn Jahren Abt des Prämonstratenserstiftes Geras. Aus diesem Anlass gab es am Sonntagabend einen Dankgottesdienst in der Stiftskirche. Der Abt, der sowohl in der griechisch-orthodoxen Dreifaltigkeitskathedrale in Wien als auch in vielen orthodoxen Kathedralen in Griechenland ein gern gesehener Gast ist, hat in Geras auch eine byzantinische Kapelle eingerichtet (Prohazka ist Priester des lateinischen wie des byzantinischen Ritus). Vor kurzem wurde er auch zum Rektor dieser Kapelle ernannt. Der Generalvikar für die Katholiken des byzantinischen Ritus in Österreich, Yuriy Kolasa, dankte dem Abt bei der Überreichung des Dekrets für den Einsatz zu Gunsten der kirchlichen Einheit. Es gehe darum, dem Westen die Wahrheit über den Osten darzulegen, und umgekehrt dem Osten die Wahrheit über den Westen, damit sie am Ende „in Liebe eins seien in der Wahrheit, die Christus selbst ist“. Zu seinem Abt-Jubiläum sagte der Archimandrit: „Hier in Geras ist eine Stätte der Begegnung von Ost und West. Denn was uns verbindet, ist mehr als das, was uns trennt.“ Die byzantinische Kapelle solle ein Zeichen sein, dass die katholische Kirche „mit beiden Lungenflügeln atmet“. Das Stift möchte auch auf diese Weise seine Brückenfunktion zwischen Ost und West wahrnehmen.

Für Abt Prohazka ist die Solidarität mit den orthodoxen Kirchen eine Selbstverständlichkeit. So veröffentlichte er eine Solidaritätserklärung für das in St. Andrä am Zicksee geplante orthodoxe Maria-Schutz-Kloster, gegen das in Teilen der Ortsöffentlichkeit polemisiert worden war. Wörtlich stellte der Abt damals in der Burgenland-Ausgabe der „Niederösterreichischen Nachrichten“ (NÖN) fest: „Wenn wir hier nicht ökumenische Solidarität zeigen, dann sind unser ganzes Reden und unsere Zusammenkünfte nur ‚tönendes Erz und klingende Schelle‘! Als Abt eines niederösterreichischen Grenzlandklosters, das selbst den byzantinischen Ritus pflegt (wie etwa auch das bayrische Benediktinerkloster Niederaltaich oder das belgische Kloster Chevetogne) möchte ich eine Lanze für diesen Klosterbau brechen und meine orthodoxen Brüder in ihrem so notwendigen Anliegen unterstützen“.

Michael Prohazka wurde 1956 in Wien geboren. Er studierte Philosophie und Theologie in Wien, Freiburg und Rom. 1979 trat er in das Prämonstratenser-Chorherrenstift Geras ein, erhielt dort den Ordensnamen Karl und wurde 1983 zum Priester geweiht. Nach Tätigkeiten in Pfarren des Stiftes, als Dechant des Dekanates Geras und als Novizenmeister übernahm Prohazka 2004 die Aufgaben eines Vizerektors am „Collegium Orientale“ in Eichstätt, einem ökumenisch ausgerichteten Priesterseminar für Studenten aus mit Rom unierten orientalischen Kirchen. 2005 wurde er nach Geras zurückgerufen und von Administrator Abt Martin Felhofer (Stift Schlägl) zum Prior ernannt. Am 24. September 2007 wurde Prohazka zum 57. Abt des Stiftes Geras gewählt und am 2. Dezember 2007 von Bischof Klaus Küng von St. Pölten benediziert. Am 7. Juli 2012 erhob ihn (der inzwischen emeritierte) melkitische griechisch-katholische Patriarch Gregorios III. Laham zum Archimandriten. Die Verbesserung der Lage der orientalischen Christen ist dem Abt von Geras ein besonderes Anliegen.

Das Stift Geras wurde 1153 gegründet und betreut derzeit 26 Pfarren seelsorglich. 21 davon befinden sich direkt im Dekanat. 14 Pfarren sind dem Stift Geras inkorporiert. (ende)