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Franz König

Pro Oriente

Der neue syrische Parlamentspräsident ist ein Christ

Zuletzt hatte mit Fares Khoury, dem „Gründervater Syriens“, vor 70 Jahren ein Christ dieses Amt innegehabt

Damaskus, 29.09.17 (poi) Mit Hamoudeh Sabbagh ist zum ersten Mal seit Jahrzehnten wieder ein Christ Vorsitzender des syrischen Parlaments. Bei der Wahl am 28. September erhielt Sabbagh 193 von insgesamt 252 Stimmen der Parlamentarier. Der 59-jährige ist studierter Jurist und gehört der regierenden Baath-Partei an. In der Vergangenheit war er als stellvertretender Gouverneur der Provinz Hassake tätig. Sabbagh folgt im Amt des Parlamentspräsidenten Hadiyeh Khalaf Abbas nach, die im Juli einstimmig abgewählt wurde. Sie war die erste Frau im Amt des Parlamentspräsidenten.

Zuletzt hatte mit Fares Khoury ein Christ während der Zeit des französischen Mandats (1920-1946) und unmittelbar danach für zwei Amtszeiten das Amt des Präsidenten inne. Khoury (1877-1962) stammte aus einer antiochenisch-orthodoxen Familie, die später zur presbyterianischen Kirche konvertierte. Er studierte am damaligen Syrian Protestant College in Beirut und wurde 1908 Abgeordneter im osmanischen Parlament. 1916 trat Khoury dem arabischen Widerstand gegen die Hohe Pforte bei. 1918 bildete er in Damaskus eine provisorische Regierung. 1925 gründete er gemeinsam mit Abd al-Rahman Schahbandar die Volkspartei. Ab 1926 gehörte er dem syrischen Parlament an, 1943/44 und 1947/49 als Präsident. 1944/45 und dann wieder 1954/55 amtierte er als Ministerpräsident. Khoury gilt bis heute als „ Gründervater Syriens“, er prägte die Verhandlungen mit Frankreich, die zur Beendigung des Mandats führten. Er vertrat sein Land als eines der 53 Gründungsmitglieder aber auch 1945 bei der Inauguration der Vereinten Nationen. Als Kopf der syrischen Delegation in San Francisco machten Khourys süperbe Redekunst und sein Scharfsinn einen starken Eindruck auf die Politiker aus aller Welt. Nach seiner eloquenten Rede merkte ein US-Diplomat an: „Es ist unmöglich für ein Land mit Männern wie diesen, erobert zu werden!“ (ende)