Pro Oriente Logo

Die Ökumene muss
weitergehen!

Franz König

Pro Oriente

Orthodoxe und katholische Theologen diskutierten über Primat und Synodalität

14. Jahrestagung des „Gemeinsamen orthodox-katholischen Arbeitskreises St. Irenäus“ fand auf Einladung der rumänisch-orthodoxen Kirche im Kloster Caraiman statt – Als Ort der nächsten Tagung im Oktober 2018 ist Graz vorgesehen – Die Rolle der fünf alten Patriarchate

Bukarest, 13.10.17 (poi) Auf Einladung der rumänisch-orthodoxen Kirche hat der „Gemeinsame orthodox-katholische Arbeitskreis St. Irenäus“ von 4. bis 8. Oktober seine 14. Jahrestagung im Kloster Caraiman bei Sinaia abgehalten. Die Tagung stand unter der Leitung des katholischen Ko-Präsidenten, Bischof Gerhard Feige von Magdeburg. Die Gruppe sprach ihrem bisherigen orthodoxen Ko-Präsidenten, Erzbischof Job (Getcha), der sich aus der Gruppe zurückziehen musste, ihren herzlichen Dank aus; Erzbischof Job ist jetzt Ko-Präsident der internationalen Kommission für den offiziellen theologischen Dialog zwischen katholischer und orthodoxer Kirche. Das diesjährige Treffen konzentrierte sich auf einige Aspekte des Verhältnisses von Primat und Synodalität mit dem Ziel, die zu diesem Thema erarbeitete gemeinsame Studie zum Abschluss zu bringen. Die Vorträge befassten sich mit der Bedeutung der östlichen Patriarchate im ersten Jahrtausend, der Rolle des Apostels Petrus in der kirchlichen Tradition in Ost und West und mit dem Appellationsrecht („ekkliton“) im Osten und im Westen.

Vor der Eröffnungssitzung wurde die Gruppe von Bischof Ieronim (Cretu) von Sinaia im Namen von Patriarch Daniel begrüßt. Die Mitglieder des Arbeitskreises besuchten das Antim-Kloster, die Patriarchalkathedrale und den Patriarchalpalast in Bukarest. Am Donnerstagmorgen hieß der Abt des Klosters Caraiman, Archimandrit David Petrovici, die Gruppe willkommen. Während des Treffens nahmen die Mitglieder an den täglichen Gebeten der Klostergemeinschaft teil. Am Sonntag besuchten sie die Göttliche Liturgie in der Weißen Kirche in Bukarest, der Bischof Varlaam (Merticariu) von Ploieşti, Vikarbischof des Patriarchen, vorstand. Am Ende ihrer Tagung sprachen die Mitglieder des Irenäus-Arbeitskreises Patriarch Daniel, der rumänisch-orthodoxen Kirche und der monastischen Gemeinschaft des Klosters Caraiman ihren herzlichen Dank für die Gastfreundschaft und die spirituelle Atmosphäre aus. Die nächste Tagung des Arbeitskreises wird im Oktober 2018 in Graz stattfinden.

Folgende Thesen über die Bedeutung der östlichen Patriarchate im ersten Jahrtausend wurden erarbeitet:

1. Das bekannte Modell der Pentarchie (Vorrangstellung der fünf alten Patriarchate von Rom, Konstantinopel, Alexandrien, Antiochien und Jerusalem) hat nur selten funktioniert. Römische Vorbehalte, das chalcedonensische Schisma und vor allem die islamische Eroberung schränkten seine praktische Anwendung stark ein.

2. Das Modell der Patriarchate wurde als Form der Kirchenleitung analog zum System der politischen Metropolen eingeführt (d.h. dem System der Kirchenleitung, das sich an den Provinzhauptstädten orientierte). Das Patriarchatsmodell basierte auf einer komplexen Mischung von Faktoren, die eine apostolische Gründung, das Brauchtum, die Geographie, Macht und Politik einschlossen. Es zeugt von beträchtlicher Konkurrenz und Antagonismus zwischen den Kirchen.

3. Die Geschichte der fünf alten Patriarchate ist auch eine Geschichte der Suche nach kirchlicher Einheit und der Sorge um den rechten Glauben. Diese fünf Patriarchate dienten im Laufe der Geschichte als sichtbare Manifestationen der Einheit der Kirche, vor allem im Kontext der Ökumenischen Konzile.

4. Die Trennung zwischen Ost und West und gewiss auch eine Reihe von anhaltenden Spannungen innerhalb der Orthodoxen Kirche (z.B. im Blick auf Primat und Synodalität) sind in gewissem Maße das Vermächtnis des Patriarchatssystems.

Zur Rolle des Apostels Petrus in der kirchlichen Tradition in Ost und West wurde festgestellt:

5. Die Sonderstellung des Petrus innerhalb des Apostelkollegiums, die in der Heiligen Schrift bezeugt ist, spiegelt sich auch in der gottesdienstlichen Tradition wider. Sowohl im lateinischen als auch im byzantinischen Ritus wird das Gedächtnis des Apostels Petrus zusammen mit dem des Apostels Paulus am 29. Juni begangen. Im römischen Ritus ist es ein Hochfest; in der späteren byzantinischen Tradition geht dem Apostelfest eine besondere Fastenzeit voraus, die die Sonderstellung dieser beiden Apostel betont.

6. Bereits im 2. Jahrhundert wurde die Kirche von Rom mit Petrus in Verbindung gebracht, der in Rom Zeugnis für Christus abgelegt und das Martyrium erlitten hat. Sein Grab wurde schon bald verehrt. Die Verehrung der Gräber von Petrus (und Paulus) bildete, zusammen mit der Bedeutung Roms als Reichshauptstadt, die Grundlage für die Sonderstellung, die dem Bischof von Rom ab dem 3. Jahrhundert zuerkannt wurde.

Zum Appellationsrecht („ekkliton“) im Osten und im Westen hieß es:

7. Das kanonische Recht der Appellation (ekkliton) geht auf das erste Jahrtausend zurück. Das Konzil Quinisextum (691-92), dem ökumenische Bedeutung zuerkannt wird, überprüfte die früheren Kanones und erwähnte in Kanon 2 diejenigen, die noch gültig sind. Darunter findet sich das Recht eines Bischofs, der von einer lokalen Synode verurteilt worden ist, an den Bischof von Rom zu appellieren, gemäß den Kanones der Synode von Sardica (343). Diese Verfügung stellt eine wichtige Grundlage für jede zukünftige Vereinbarung über den Primat zwischen Orthodoxen und Katholiken dar.

Dem „Gemeinsamen orthodox-katholischen Arbeitskreis St. Irenäus“ gehören 26 Theologen an, 13 Orthodoxe und 13 Katholiken aus mehreren europäischen Ländern, dem Nahen Osten sowie Nord- und Südamerika (aus Österreich gehört der Wiener Ostkirchenfachmann – und „Pro Oriente“-Vizepräsident – Prof. Rudolf Prokschi dem Arbeitskreis an). Der Arbeitskreis wurde 2004 in Paderborn gegründet und hat sich seither in Athen, Chevetogne (Belgien), Belgrad, Wien, Kiew, Magdeburg, Sankt Petersburg, Bose (Italien), Thessaloniki, Rabat (Malta), Chalki bei Istanbul und Taizé (Frankreich) getroffen. In Caraiman wurde beschlossen, die nächste Tagung des Irenäus-Arbeitskreises im Oktober 2018 in Graz abzuhalten. (ende)

Druckversion