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Franz König

Pro Oriente

Ökumenischer Patriarch weihte berühmte Friedhofskirche in Istanbul neu

Der Sisli-Friedhof ist der größte griechisch-orthodoxen Friedhof außerhalb Griechenlands – Der Friedhof ist auch letzte Ruhestätte der orthodoxen Elite im Osmanischen Reich vor der pantürkisch-islamistischen Machtergreifung

Istanbul, 29.10.17 (poi) Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. hat eine der bedeutendsten orthodoxen Kirchen der Gründerzeit in Konstantinopel nach umfassender Restaurierung neu geweiht: Es handelt sich um die Verklärung-Kirche-Christi („Metamorphosis“) auf dem Sisli-Friedhof. Der 1859 angelegte Sisli-Friedhof ist der größte griechisch-orthodoxe Friedhof außerhalb Griechenlands. Mehr als 85.000 griechisch-orthodoxe Christen haben hier ihre letzte Ruhestätte gefunden. Auf dem Friedhof befinden sich die Grabstätten zahlreicher bedeutender orthodoxer Politiker, Wissenschaftler, Industrieller, die in den letzten Jahrzehnten des Osmanischen Reiches vor der Machtergreifung der pantürkisch-islamistischen Kreise eine große Rolle gespielt haben. Unter ihnen ist auch Georgios Zariphis (1810-1884), ein bedeutender Bankier und Wohltäter, der nicht nur Finanzberater des jungen Sultans Abdulhamid II. war, sondern auch – mit anderen griechischstämmigen Bankiers – das Osmanische Reich vor dem Absturz in der Schuldenkrise rettete und zur Einrichtung des „Düyun-u-Umumiye“ (des Amtes für die Auslandsschulden) im Jahr 1881 beitrug. Zariphis war einer jener großzügigen Wohltäter, die im späten 19. Jahrhundert in allen Teilen des Osmanischen Reiches orthodoxe Einrichtungen begründeten und förderten. Eines der Gebäude des griechischen Balikli-Krankenhauses in Istanbul heißt noch heute „Zariphion“.

Die Friedhofskirche in Sisli wurde 1888 errichtet, gestiftet wurde das Gotteshaus von der Familie Schilizzi-Stefanovic. Mit der Restaurierung wurde vor vier Jahren begonnen. An den Arbeiten waren Spezialisten aus der Türkei und aus Griechenland beteiligt.

Patriarch Bartholomaios I. sagte bei der Göttlichen Liturgie – die er in Konzelebration mit 15 Bischöfen feierte -, dass sich die Seelen der in Sisli begrabenen Verstorbenen „in Erwartung der Auferstehung“ freuen. Der Friedhof in Sisli wurde ab der Machtergreifung des jungtürkischen „Komitees für Einheit und Fortschritt“ (Ittihad ve Terakki) in den Jahren 1908 bzw. 1913 immer wieder Ziel von Angriffen und Schändungen. Besonders dramatisch waren die Verwüstungen im September 1955 während des antigriechischen Pogroms, das unter den Augen der Istanbuler Polizei stattfand: Kreuze und Statuen wurden zu Boden gerissen, Gräber und Grüfte wurden geöffnet und die sterblichen Hüllen der dort Begrabenen verstreut.

Der Status des Friedhofs war bis vor kurzem „unklar“ – wie bei vielen anderen christlichen Einrichtungen in der bis 1914 zu mehr als 50 Prozent christlichen Bosporus-Metropole. Bis heute finden aber auf dem Friedhof Beerdigungen von christlichen Einwohnern Istanbuls statt, nicht nur griechischer, sondern auch bulgarischer, russischer, serbischer und syrischer Herkunft. (ende)