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Die Ökumene muss
weitergehen!

Franz König

Pro Oriente

Ein Fest für eine ökumenische und weltoffene „Stimme der Orthodoxie“

Festakt zum 75. Geburtstag des aus Kreta stammenden Grazer Theologieprofessors Grigorios Larentzakis – Metropolit Arsenios überreichte dem Theologen das Goldene Verdienstkreuz der Metropolis von Austria

Graz, 30.10.17 (poi) Als „Brückenbauer“ und „Stimme der Orthodoxie“, vor allem aber auch als „Gesicht einer ökumenisch offenen, der ganzen Christenheit und der Welt zugewandten Orthodoxie“ hat der geschäftsführende „Pro Oriente“-Präsident Johann Marte den Grazer orthodoxen Theologen em. Prof. Grigorios Larentzakis bei einem Festakt aus Anlass von dessen 75. Geburtstag im Palais Meran in der steirischen Landeshauptstadt gewürdigt. Marte unterstrich, dass Larentzakis – „geprägt von der einst berühmten Theologischen Hochschule auf Chalki“ – den derzeitigen Zustand der Ökumene keineswegs unkritisch sehe, vor allem wenn er ihn mit dem „ökumenischen Enthusiasmus“ der unmittelbaren Vergangenheit ab dem Zweiten Vatikanischen Konzil vergleiche. Und Marte zitierte abschließend den berühmten Aufruf des Ökumenischen Patriarchen Athenagoras I. aus dem Jahr 1967: „Die Zeit für den Mut der Christenheit ist gekommen. Wir lieben einander, wir teilen denselben Glauben. Lasst uns vorwärts schreiten zur Herrlichkeit des einen Altars“.

Bei dem Festakt überreichte der Wiener Metropolit Arsenios (Kardamakis) an Prof. Larentzakis das Goldene Verdienstkreuz der Metropolis von Austria und überbrachte ihm die Segensgrüße des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. Der Metropolit würdigte den aus Kreta stammenden Grazer Theologen als „Brückenbauer zwischen den Menschen, Kulturen und Religionen“. Wer an die „lebendige Ökumene in Österreich“ denke, dem falle umgehend der Name des Theologen ein, der im lokalen, regionalen und weltweiten ökumenischen Dialog unermüdlich „im Zeichen von Liebe und Einheit“ tätig sei. Ein besonderer Meilenstein der Tätigkeit des Theologen seien seine zahlreichen theologischen Publikationen in verschiedenen Sprachen, „mit denen er die Orthodoxie einem breiten Leserpublikum europa- und weltweit näherbringt“. Seit Jahrzehnten sei Larentzakis „mit ganzem Herzen und ganzer Seele“ in der Vermittlung der orthodoxen Glaubensinhalte und der orthodoxen Theologie tätig. Auch persönlich habe er – ebenso wie seine Amtsvorgänger, die Metropoliten Chrysostomos Tsiter und Michael Staikos – Prof. Larentzakis als „aufrichtigen Wegbegleiter“ schätzen gelernt, betonte Metropolit Arsenios.

Der Grazer Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl - der ebenso wie sein Amtsvorgänger Egon Kapellari – beim Festakt anwesend war, zitierte einen Larentzakis-Satz, der ihm von seinem Studium bei dem orthodoxen Theologen unauslöschlich im Gedächtnis blieb: „Zum ökumenischen Dialog gibt es keine Alternative“. Er sei noch heute Bischof Johann Weber sehr dankbar, dass dieser 1970 es möglich machte, dass mit Grigorios Larentzakis ein orthodoxer Laie an der Katholisch-Theologischen Fakultät beginnen konnte, den Studierenden den geistlichen Reichtum der Ostkirche näherzubringen, sagte Krautwaschl. Aus der regen ökumenischen Wirksamkeit von Prof. Larentzakis ergebe sich ein wichtiger Dauerauftrag für die römisch-katholische Kirche wie für die orthodoxe Kirche, denen als „gemeinsamer kostbarer Schatz“ das Evangelium anvertraut sei. Wörtlich fügte der Grazer Bischof hinzu: „Als Kirchen sind wir in Zukunft – mehr noch denn je – gefordert, Europa in West und Ost mitzugestalten und Zeugnis davon zu geben, was es bedeutet, einander in Einheit und dennoch in Verschiedenheit zu begegnen“.

Der steirische evangelisch-lutherische Superintendent (und Vorsitzende des Ökumenischen Forums christlicher Kirchen in der Steiermark) Hermann Miklas erinnerte u.a. daran, dass dank dem Netzwerk guter internationaler Kontakte von Prof. Larentzakis die Zweite Europäische Ökumenische Versammlung (EÖV2) im Jahr 1997 in Graz stattfinden konnte. Diese Versammlung sei für die Kirchen überaus bedeutsam gewesen, stellte sie doch die erste breite Begegnung zwischen Ost und West nach dem Fall des Eisernen Vorhangs dar. Aus ihr sei schließlich die „Charta Oecumenica“ erwachsen, die heute „weltweit Maßstäbe für den ökumenischen Umgang der Kirchen untereinander“ setzt.

Die EÖV2 sei auch bedeutsam für das ökumenische Klima in der Steiermark, betonte der Superintendent. Das Ökumenische Forum bemühe sich, das gute Miteinander der Kirchen im Geist von Larentzakis fortzusetzen. Erst vor wenigen Wochen sei mit der Verlegung des „Steins der Versöhnung“ im Grazer Landhaushof ein weiterer Meilenstein gesetzt worden. Der „Stein der Versöhnung“ trägt die Inschrift: 1517 -2017. 500 Jahre Reformation – gegeneinander, nebeneinander, miteinander“. Er sei unlängst von einer Journalistin gefragt worden,ob die intensive Ökumene nicht zu einer „Verwaschenheit“ der konfessionellen Profile bis hin zur Unkenntlichkeit führen würde, sagte Miklas. Diese Gefahr bestehe natürlich, aber Prof. Larentzakis sei das beste Gegenbeispiel. Er sei stets mit Leib und Seele orthodoxer Theologe geblieben, über dessen konfessionelle Identität es nie den geringsten Zweifel gab.

Weitere Grußworte formulierten der Vorsitzende der Grazer „Pro Oriente“-Sektion, Peter Piffl-Percevic, der Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät, Prof. Christoph Heil, der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl, der Vorsitzende des „Grazer Prozesses“ für die Kooperation der Theologischen Fakultäten, Prof. Hans-Ferdinand Angel, der Präsident der Österreichisch-griechischen Gesellschaft in Graz, Kostas Risovalis, sowie die griechische Botschafterin Chryssoula Aliferi.

Im Rahmen der musikalischen Gestaltung wurden u.a. von der Grazer Choralschola unter Franz Karl Prassl griechisch-byzantinische Hymnen in gregorianischer Musik gesungen – sowohl griechisch als auch lateinisch. Solche Hymnen erklangen bis zum 13. Jahrhundert auch in westlichen Liturgien. Prof. Larentzakis sieht die damalige Praxis als bedeutungsvoll für die Beziehungen der Kirchen des Ostens und des Westens und für die Ökumene von heute. (ende)