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Franz König

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Kardinal Rai: Hariri ist bereit, seinen Rücktritt zurückzunehmen

Maronitischer Patriarch betont im Gespräch mit „Radio Vatikan“ seine positiven Eindrücke von der Begegnung mit dem saudiarabischen Monarchen und dem Thronfolger: Eine „offene Tür“ zum Dialog über Religionsfreiheit und die Trennung von Staat und Religion

Beirut-Vatikanstadt, 21.11.17 (poi) Der libanesische Ministerpräsident Saad Hariri sei bereit, seinen Rücktritt zurückzunehmen, wenn er in Beirut ein positives Klima vorfinde: Dies berichtete der maronitische Patriarch, Kardinal Bechara Boutros Rai, am Dienstag im Gespräch mit „Radio Vatikan“. Andernfalls werde Hariri offiziell in Beirut verfassungskonform seinen Rücktritt bekanntgeben. Wichtig sei jetzt, dass Hariri seine Rückkehr nach Beirut nicht aufschiebe. Der Ministerpräsident habe ihm versichert, dass er zu einer neuerlichen Regierungsbildung bereit sei, wenn es die Hoffnung auf eine „neue Vision des politischen Lebens“ gebe, sagte der Kardinal-Patriarch. Das habe er als „sehr positiv“ empfunden, so Rai, der am Donnerstag Papst Franziskus im Detail über seine Erfahrungen in Saudiarabien berichten wird.

Der Ministerpräsident habe ihm erklärt, dass er durch die Rücktrittserklärung einen „positiven Schock“ hervorrufen habe wollen, sagte der Kardinal, „aber er hat sich zugleich bereit erklärt, in voller Übereinstimmung mit Präsident Michel Aoun seine Tätigkeit wiederaufzunehmen“. Als Motiv für seine Rücktrittserklärung habe Hariri Probleme mit den „Einmischungen“ des Iran mit Hilfe der „Hezbollah“ benannt. Die Erfahrungen der ersten zehn Monate der Regierungstätigkeit hätten gezeigt, dass man „so nicht weitermachen kann“, mit den Problemen in Syrien, im Irak, im Jemen, mit der Auseinandersetzung zwischen Saudiarabien und Iran.

Im Hinblick auf seine Gespräche mit dem saudischen König Salman und mit Kronprinz Mohammed bin Salman („MBS“) unterstrich der Kardinal-Patriarch seinen Eindruck, dass Riad auf eine „Politik der Öffnung“ setze, „der Öffnung zu den anderen Religionen, zu den Kulturen“. Sein Besuch in Riad – der erste Besuch eines Kardinals in Saudiarabien – stelle eine „offene Tür“ dar, um im Gespräch über die Religionsfreiheit, den Dialog, den gegenseitigen Respekt, die Trennung von Staat und Religion weiterzukommen. Die Atmosphäre sei „ausgezeichnet“, es gehe darum, das gute Klima beizubehalten. (forts mgl)