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Franz König

Pro Oriente

Patriarch von Antiochien hoffnungsvoll im Hinblick auf entführte Metropoliten

Youhanna X. berichtete in Moskau, dass in Syrien seit 2011 mehr als 120 Kirchen zerstört wurden – Antiochenischer Patriarch traf mit Patriarch Kyrill, Präsident Putin und Außenminister Lawrow zusammen – „Christen und Muslime werden in Syrien die Zukunft gemeinsam gestalten“

Moskau, 07.12.117 (poi) Im Hinblick auf die Situation der beiden vor vier Jahren entführten Metropoliten von Aleppo, Boulos Yazigi (griechisch-orthodox) und Mar Gregorios Youhanna Ibrahim (syrisch-orthodox), sagte der griechisch-orthodoxe Patriarch Youhanna X. von Antiochien am Donnerstag vor Journalisten in Moskau, er hoffe auf eine „optimistische Lösung“. Boulos Yazigi ist der leibliche Bruder des Patriarchen, die beiden Metropoliten waren am 22. April 2013 gemeinsam von der türkisch-syrischen Grenze zu einem Treffen mit Rebellen unterwegs gewesen, um die Freilassung von zwei entführten Priestern zu erreichen. An einem Kontrollpunkt wurde ihr Wagen angehalten, der Fahrer, ein Diakon, wurde erschossen, von den beiden Metropoliten fehlt bis heute jede Spur. Patriarch Youhanna X., der zur Teilnahme an den Hundertjahr-Feiern der Wiederrichtung des Moskauer Patriarchats nach Russland gekommen war, teilte bei dem Journalistengespräch auch mit, dass in Syrien seit Beginn des Krieges im Jahr 2011 mehr als 120 Kirchen zerstört wurden. Trotz allem, was sich seit 2011 ereignete, seien die Christen in Syrien jedoch nach wie vor zum Zusammenleben und zur Zusammenarbeit „mit unseren muslimischen Brüdern“ bereit, betonte der Patriarch: „Wir werden die Zukunft gemeinsam gestalten“. Syrien sei eigentlich kein Land der Extremisten, es sei vielmehr ein Land von Kultur und Wissenschaft: „Wir hatten immer brüderliche Beziehungen zwischen Christen und Muslimen und haben sie auch heute noch“. Ausdrücklich dankte der Patriarch laut „Interfax-Religion“ Präsident Putin „und dem ganzen russischen Volk“ für das Eingreifen in Syrien.

Tags zuvor hatte Youhanna X. bei einem Treffen mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow hervorgehoben, dass in den beiden letzten Jahren „mit Hilfe der russischen Armee“ der Terrorismus zerstört werden konnte, dem Extremismus und dem Morden sei ein Ende gesetzt worden. Er sei dankbar für die weiterhin andauernde Unterstützung Russlands, betonte der Patriarch im Gespräch mit Lawrow. Syrien befinde sich jetzt in einem Prozess der Suche nach einer friedlichen politischen Lösung. Auch dabei sei Russland involviert, erinnerte Youhanna X. und verwies auf die Verhandlungen in Astana und Genf sowie den in Vorbereitung befindlichen „nationalen Dialog“ in Sotschi.

Am 5. Dezember war der Patriarch von Antiochien im Moskauer Danielskloster mit dem Moskauer Patriarchen Kyrill I. zusammengetroffen, bei diesem Treffen war u.a. auch der Leiter des Außenamts des Moskauer Patriarchats, Metropolit Ilarion (Alfejew), anwesend. Patriarch Kyrill betonte dabei, dass die Beziehungen zwischen Moskau und Antiochien durch die Ereignisse der letzten Jahre noch enger geworden seien. Ziel der Zusammenarbeit sei es heute, die Wunden zu heilen, die „dem frommen orthodoxen Volk Syriens“ von den Terroristen zugefügt worden seien. Die Hundertjahr-Feier, zu der Patriarch Youhanna gekommen sei, beziehe sich auf ein „Wunder“, das im wahrscheinlich düstersten Augenblick der russischen Geschichte geschah: Die Wiedererrichtung des Moskauer Patriarchats. Die Verfolgungen, die die russische Kirche dann erleiden musste, hätten sie sensibel gemacht „für die Leiden unserer Brüder und Schwestern, wo auch immer sie leben mögen“. Patriarch Kyrill sprach seinem antiochenischen Amtskollegen das Beileid für die vielen Opfer aus, die „um des Namens Christi willen getötet oder vertrieben wurden“.

Der Moskauer Patriarch erinnerte daran, dass die im Juli 2013 zur 1.025-Jahr-Feier der „Taufe der Rus“ in Moskau versammelten Oberhäupter der orthodoxen Kirchen an Präsident Putin appelliert hatten, die Christen im Nahen Osten zu verteidigen. Russland habe auf Ersuchen der legalen Regierung in Damaskus in den überaus gefährlichen Konflikt in Syrien eingegriffen, der den ganzen Nahen Osten bedroht habe. Aber Präsident Putin habe sich auch immer auf den einmütigen Hilfsappell der Oberhäupter der orthodoxen Kirchen bezogen. Heute sei nahezu das ganze Territorium Syriens befreit, „wir hoffen zu Gott, dass der Krieg bald aufhört und die Menschen in ihre Heimstätten zurückkehren können“. Die russisch-orthodoxe Kirche bemühe sich um konkrete Hilfe für die von den bewaffneten Konflikten betroffene Bevölkerung in Syrien. Mehrere große Hilfsaktionen – u.a. für arme Familien in Latakia und Maaloula und für das Patriarchale Al Hosn-Krankenhaus in Homs - seien bereits durchgeführt worden. Das Moskauer Patriarchat arbeite bei diesen Hilfsaktionen mit anderen Konfessionen und russischen Regierungsstellen zusammen.

Am 4. Dezember hatte Patriarch Youhanna X. bei der Göttlichen Liturgie in der Moskauer Erlöser-Kathedrale zum 100. Jahrestag des Amtsantritts des heilig gesprochenen Patriarchen Tichon I. nicht konzelebriert, weil auch der Jerusalemer Patriarch Theophilos III. am Altar stand. Der Konflikt zwischen Antiochien und Jerusalem über die kirchliche Zuständigkeit für das Golf-Fürstentum Katar mit seiner großen orthodoxen Gemeinde ist nach wie vor nicht bereinigt; Antiochien betrachtet Katar als zu seinem kanonischen Territorium gehörig, Jerusalem hat trotzdem einen Metropoliten dorthin entsandt.

Youhanna X. nahm aber am Abend des 4. Dezember an der Begegnung der orthodoxen Kirchenoberhäupter mit Präsident Putin in dessen Residenz in Nowo Ogarjowo bei Moskau teil. Nach dieser Begegnung lud Putin den Patriarchen von Antiochien noch zu einem direkten Gespräch ein, um mit ihm „über die Situation der Christen in Syrien zu diskutieren“ und darüber zu sprechen, was von russischer Seite für die Christen getan werden könne. (ende)