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Franz König

Pro Oriente

Maronitischer Patriarch beruft wegen Jerusalem-Krise christlich-islamischen Gipfel ein

Scharfe Kritik Kardinal Rais an der Ankündigung von Präsident Trump, die US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem verlegen zu wollen

Beirut-Amman, 14.12.17 (poi) Der maronitische Patriarch, Kardinal Bechara Boutros Rai, hat für Donnerstag ein „Gipfeltreffen“ der christlichen und islamischen religiösen Führungspersönlichkeiten des Libanons zur Erarbeitung einer gemeinsamen Strategie im Hinblick auf die von Präsident Trump angekündigte Verlegung der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem einberufen. Dies berichtet die katholische Nachrichtenagentur „Fides“. Am Sonntag hatte der Kardinal-Patriarch bei der Liturgie an seinem Amtssitz Bkerke scharfe Worte für die Ankündigung Trumps gefunden: „Das ist eine Ohrfeige für die Palästinenser, für die orientalischen Christen, für die Muslime und die Araber“. Trump habe die Anstrengungen für einen Friedensschluss zwischen Israel und den Palästinensern torpediert, das Feuer einer neuen Intifada entzündte und Jerusalem, die Stadt des Friedens, in eine Stadt des Krieges verwandelt.

Am Sonntag hatte auch der orthodoxe Patriarch von Antiochien, Youhanna X., an seinem libanesischen Sitz die amerikanische Entscheidung kritisiert und von einer Verletzung des internationalen Rechts gesprochen. Die Ankündigung Trumps stelle ein schweres Unrecht gegen die Palästinenser dar, sie schüre den Konflikt und sabotiere die Versuche, im Heiligen Land und in der ganzen Region Frieden zu stiften.

In der jordanischen Hauptstadt Amman fand am Mittwochabend ein Schweigemarsch gegen die Ankündigung Trumps statt, zu dem die Bischöfe des Landes eingeladen hatten. Der Marsch begann vor der griechisch-orthodoxen Kathedrale und führte zur katholischen Maria von Nazareth-Kirche. Während des Marsches läuteten alle Kirchenglocken in Jordanien. Zuvor hatten die Bischöfe bereits einen gemeinsamen Protestbrief geschrieben. Die Ankündigung Trumps habe die „Parteilichkeit“ der USA unter Beweis gestellt, Washington sei nicht in der Lage, ein „ehrlicher Makler des Friedensprozesses im Nahen Osten“ zu sein. (forts mgl)