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Franz König

Pro Oriente

„Papst ist zu Irak-Besuch bereit, aber derzeit ist die Situation nicht günstig“

Chaldäisch-katholischer Patriarch Mar Louis Raphael Sako betont nach Ad-limina-Besuch vor Journalisten in Rom, dass bereits 7.000 von 20.000 aus der Ninive-Ebene und aus Mosul vertriebenen christlichen Familien in ihre Wohnstätten zurückgekehrt sind – Es geht nicht nur um materielle, sondern auch um moralische und spirituelle Unterstützung

Rom, 07.02.18 (poi) „Der Papst kennt die Situation im Irak sehr gut, er ist bestens informiert. Er ist bereit zu einem Besuch im Irak, aber die Situation ist derzeit nicht günstig“: Dies betonte der chaldäisch-katholische Patriarch Mar Louis Raphael Sako, der am Montag mit den Bischöfen seines Patriarchats zum Ad-limina-Besuch bei Papst Franziskus war, im Gespräch mit Journalisten in Rom. Er habe dem Papst einen Vorschlag für einen eintägigen Besuch im Irak vorgelegt, berichtete der Patriarch: ökumenischer Wortgottesdienst in Erinnerung an den Heiligen Abraham, Begegnung mit den politischen und religiösen Autoritäten in Bagdad, festliche Messfeier in Erbil. Aber wegen der Auseinandersetzung zwischen kurdischer Regionalregierung in Erbil und arabischer Zentralregierung in Bagdad sei dieses Kurzprogramm im Hinblick auf die Sicherheit und die politischen Spannungen derzeit nicht zu verwirklichen, sagte Mar Louis Raphael Sako.

Auf jeden Fall gehe es aber darum, für die Christen im nördlichen Irak, „die soviel gelitten haben“, ein „Licht der Hoffnung“ anzuzünden, so der Patriarch. Die IS (Daesh)-Terroristen seien besiegt, die Vertriebenen hätten den Wunsch, in ihre Heimatorte zurückzukehren. Die Sicherheitssituation habe sich verbessert, es gebe positive Entwicklungen im Hinblick auf Versöhnung und Stabilität. Von den 20.000 aus der Ninive-Ebene und aus Mosul vertriebenen christlichen Familien seien 7.000 bereits in ihre Wohnstätten zurückgekehrt, berichtete Mar Louis Raphael Sako. Die Kirche ermutige diese Christen, die sonst kaum unterstützt würden: „Die Regierung in Bagdad privilegiert leider nur die sunnitischen und schiitischen Muslime“. Die chaldäische Kirche habe mit Hilfe der katholischen Diözesen in Europa und Nordamerika ein „Wunder“ vollbracht. Die kirchliche Unterstützung aus Europa, Nord- und Südamerika habe auf die Menschen im Irak großen Eindruck gemacht. Die Kirche im Irak brauche nicht nur materielle, sondern auch moralische und spirituelle Unterstützung. Zugleich müssten sich die Christen im Westen angesichts des Heroismus der orientalischen Christen ernsthaft Fragen stellen: „Sind wir bereit, für den Glauben an Christus unser Leben aufs Spiel zu setzen? Es sei notwendig, die internationale öffentliche Meinung für die Situation der Christen des Nahen Ostens zu sensibilisieren, unterstrich der chaldäisch-katholische Patriarch: „Es geht darum, jenen, die keine Stimme haben, eine Stimme zu geben“.

Mar Louis Raphael Sako betonte in Rom seine Hoffnung, dass sich auch im Nahen Osten das Konzept der Religionsfreiheit durchsetzen wird. Das werde Zeit brauchen, aber es werde nicht aufzuhalten sein: „Niemand kann eine Religion anderen aufdrängen, niemand kann einen Menschen zwingen, Muslim oder Christ zu werden“.

An der Ad limina-Audienz bei Papst Franziskus am 5. Februar nahmen insgesamt 19 chaldäisch-katholische Bischöfe teil, sowohl aus dem Nahen Osten als auch aus der Diaspora. Unter den Teilnehmern war auch der chaldäisch-katholische Erzbischof von Teheran, Ramzi Garmou. Im Gespräch mit Journalisten sagte Garmou im Hinblick auf die Demonstrationen im Iran, die Menschen kämpften für ihre Rechte und ein besseres Leben, dies gebe es in anderen Staaten auch. Eine Ursache sei etwa die hohe Arbeitslosigkeit. Er betonte, dass die Mehrheit der Demonstranten friedlich sei.
Dem Papst wolle er berichten, wie es den Christen als Minderheit in einem Staat gehe, in dem "die Religionsfreiheit nicht für alle garantiert ist", so Garmou. Im Islam gebe es nicht die Freiheit, Religion oder Konfession zu wechseln. Viele Muslime im Iran würden sich aber entweder bereits zum Christentum bekennen oder hätten vor, dies zu tun. Die Betroffenen seien jedoch ernsthaften Bedrohungen ausgesetzt. Im Iran gebe es zwar Gottesdienstfreiheit, die Christen könnten Kirchen bauen und Gottesdienst feiern, die Verkündigung des Evangeliums an Nichtchristen sei aber untersagt. Die Kraft einer Kirche hänge jedoch nicht von der Zahl der Gläubigen ab, sondern davon, wie der Glaube bezeugt werde, betonte Garmou. (forts)

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