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Franz König

Pro Oriente

Besuch von Papst Franziskus beim Weltkirchenrat ein „historischer Meilenstein

Höhepunkt der 70-Jahr-Feiern des Weltkirchenrats - Pfarrer Fykse Tveit: „Durch die Begegnung am 21. Juni wird eine auf dem christlichen Glauben basierende Vision geteilt, die die Kirchen fähig macht, vieles gemeinsam für die Welt zu tun“

Genf, 15.05.18 (poi/örkö) Als „historischen Meilenstein“ auf der Suche nach christlicher Einheit und „für die Zusammenarbeit der Kirchen für eine Welt in Frieden und Gerechtigkeit“ hat der Generalsekretär des Weltkirchenrates (WCC), Pfarrer Olav Fykse Tveit, am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Genf den bevorstehenden Besuch von Papst Franziskus am 21. Juni bezeichnet. Dass der Besuch des Papstes einen Höhepunkt der Feierlichkeiten zum 70-Jahr-Jubiläum des Weltkirchenrats darstelle, bedeute eine „einmalige Gelegenheit zum Austausch der Gaben des Miteinanders“, betonte der Generalsekretär: „Wir sind Papst Franziskus unendlich dankbar, dass er die Einladung zum Besuch der Genfer Zentrale des Weltkirchenrats angenommen hat“. Durch die Begegnung am 21. Juni könne eine auf dem christlichen Glauben basierende Vision geteilt werden, „die die Kirchen fähig macht, vieles gemeinsam für die Welt zu tun“. Einer der Grundsätze der ökumenischen Bewegung sei es, das gemeinsam zu tun, was man jetzt schon gemeinsam tun könne, unterstrich Pfarrer Fykse Tveit. Daher sei es leicht gewesen, ein gemeinsames Motto für den Besuch des Papstes beim Weltkirchenrat zu finden: „Miteinander gehen, miteinander beten, miteinander arbeiten“.

Das Ereignis des Besuches komme zu einem Zeitpunkt, in dem starke Kräfte versuchen, die eine menschliche Familie auseinanderzudividieren und zu polarisieren, sagte der WCC-Generalsekretär. Einige dieser provozierenden Aktionen beruhten auf Interessenkonflikten, andere würden sogar vom Anspruch auf eine religiöse Rechtfertigung genährt. Daher sei es umso notwendiger, Zeichen der Hoffnung zu setzen, die in jedem Menschen das Bild Gottes erkennen, und allen die Gewissheit geben, in Prozesse einbezogen zu sein, die Gerechtigkeit und Frieden bringen. Der Besuch von Papst Franziskus zeige, wieviel die Christen gemeinsam haben und wieviel sie gemeinsam tun können, um für eine bessere Welt zu arbeiten. Die noch verbleibenden Differenzen, die bisweilen Schwierigkeiten für die gute Zusammenarbeit der Kirchen mit sich bringen, dürften kein Hindernis dafür sein, dass die Kirchen einen gemeinsamen Dienst an der Welt leisten.

Bei der Pressekonferenz vertrat Msgr. Andrzej Choromanski vom Päpstlichen Rat für die Einheit der Christen seinen erkrankten Chef, Kardinal Kurt Koch. Er betonte, dass der „Ökumenismus des Leidens, der Ökumenismus des Blutzeugnisses für das Evangelium ein Zeichen der Zeit“ sei, das die Christen über alle Unterschiede hinweg einige. Papst Franziskus wolle sich durch die Reise nach Genf bewusst an den 70-Jahr-Feiern des Weltkirchenrats beteiligen und vor dem WCC-Zentralkomitee die Dankbarkeit für den besonderen Beitrag des Weltkirchenrats zur weltweiten ökumenischen Bewegung zum Ausdruck bringen. Die Reise nach Genf sei damit auch eine „Dankwallfahrt“ für diesen Beitrag zur Förderung der Einheit der Christen und für die gute Beziehung zwischen dem Weltkirchenrat und der katholischen Kirche seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Aus verschiedenen Gründen sei eine Mitgliedschaft der katholischen Kirche im Weltkirchenrat in der unmittelbaren Zukunft nicht möglich, aber es gebe eine umfassende Zusammenarbeit zwischen Rom und Genf. U.a. sei die katholische Kirche Vollmitglied in den Kommissionen „Faith and Order“ (Glaube und Kirchenverfassung) und „World Mission and Evangelism“ (Weltmission und Evangelisierung), es gebe eine gemischte Arbeitsgruppe zu den Fragen des Friedens und der Migration. Papst Franziskus gehe es darum, gemeinsam voranzugehen, füreinander zu beten und im Rahmen eines „Ökumenismus der Tat“ alles miteinander zu tun, was man gemeinsam tun könne. Zweifellos sei auch der theologische Dialog wichtig, aber die Kirchen könnten im Dienst der Menschheit so viel tun, „auch wenn wir nicht sichtbar vereint sind“. Was den Ökumenismus des Blutzeugnisses betrifft, müsse man sich die Frage stellen, ob die Verfolger nicht bisweilen die Einheit der Christen besser verstehen als die Gläubigen: „Die Verfolger fragen nicht nach der konfessionellen Zugehörigkeit, sondern danach, warum wir ein Kreuz tragen oder eine Bibel in der Hand haben“.

Der katholische Bischof von Lausanne-Genf-Fribourg, Charles Morerod, sagte bei der Pressekonferenz, der Besuch des Papstes sei eine Einladung, „sich nicht zu verschließen, sondern sich auf die anderen hin zu öffnen“. Genf sei die Stadt Calvins, eine internationale Stadt, einer der Sitze der Vereinten Nationen, eine Stadt, die „an den Dialog gewöhnt ist, weil wir im Verlauf unserer Geschichte die Notwendigkeit erkannt haben, miteinander zu reden“. Charakteristisch für Genf sei die Erfahrung des Zusammenlebens, der Begegnung, die im Lauf der Zeit zur Geschwisterlichkeit geworden sei.

Papst Franziskus wird am 21. Juni um 10:10 Uhr in Genf landen. Noch im Flughafen gibt es eine Begegnung mit dem Schweizer Bundespräsidenten Alain Berset. Um 11:30 Uhr ist der ökumenische Gottesdienst im „Centre Oecumenique“ des Weltkirchenrats angesetzt, dabei wird der Papst die Predigt halten. Das Mittagessen mit den leitenden Persönlichkeiten des Weltkirchenrats findet im Ökumenischen Institut in Bossey statt. Um 15:45 Uhr ist das Ökumenische Treffen, bei dem Papst Franziskus eine programmatische Rede hält, wieder im „Centre Oecumenique“ vorgesehen. Um 17:30 feiert Franziskus im Genfer Ausstellungs- und Konferenzzentrum „Palexpo“ die Heilige Messe, auch dabei wird er predigen. Die offizielle Verabschiedung ist dann um 19:45 Uhr am Flughafen angesetzt, um 20 Uhr fliegt der Papst nach Rom zurück.

Predigt von Patriarch Bartholomaios

Der Besuch von Papst Franziskus ist zugleich der Höhepunkt der Sitzung des WCC-Zentralkomitees von 15. bis 21. Juni. Das 150-köpfige Zentralkomitee tagt alle zwei Jahre; es ist verantwortlich für die Arbeit des Weltkirchenrats zwischen den Plenarversammlungen (die letzte tagte 2013 in Busan in Südkorea). Die Sitzung wird im Zeichen des 70-Jahr-Jubiläums stehen, sich aber auch den Herausforderungen der nächsten Jahre im Hinblick auf „den Ruf Gottes zur Einheit“, auf Mission, Gerechtigkeit und Frieden stellen. Eine zentrale Rolle wird das Konzept der „Pilgerschaft“ und der „lebendigen Gemeinschaft“ (Living fellowship) spielen, das in den letzten Jahren entwickelt wurde, um der Tätigkeit des Weltkirchenrats neuen Schwung zu verleihen. Am 17. Juni wird in der Genfer reformierten Kathedrale St. Pierre ein ökumenischer Gottesdienst stattfinden, bei dem der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. die Predigt hält.

Für Medienvertreter gibt es bis 31. Mai die Möglichkeit, sich für den Papstbesuch zu akkreditieren (WCC Communication Department, Tel.: 0041/22/791 67 04, E-Mail: media@wcc-coe.org; Akkreditierungsformular: https://www.oikoumene.org/en/papal-visit/media-accreditation). (ende)

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