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Forschungsvorhaben zur Union im Galizien der Rzeczpospolita Polska
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FORSCHUNGSVORHABEN ZUR UNION IM GALIZIEN DER RZECZPOSPOLITA POLSKA

1. KURZBESCHREIBUNG
Seit 2002 betreibt die Stiftung PRO ORIENTE ein Forschungsprojekt, das sich mit bis heute umstrittenen Fragen des Entstehens der Union der griechisch-orthodoxen und der katholischen Kirche im Galizien der Rzeczpospolita Polska (= Union von Brest) und den Widerständen dagegen beschäftigt.

2. AUSGANGSSITUATION
Nach der Wiederzulassung und Erstarkung der griechisch-katholischen Kirche in der Ukraine nach der Wende 1989 kam es zu Spannungen zwischen der orthodoxen und griechisch-katholischen Kirche der Ukraine. Grund für die konfessionellen Streitigkeiten war vielfach die Kirchengeschichte der Rzeczpospolita Polska, insbesondere das für beide Seiten schmerzhafte Kapitel der Kirchenunion von Brest an der Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert.

Die offizielle katholisch-orthodoxe Dialogkommission befasst sich derzeit mit Problemen, die verbunden sind mit dem Entstehen und der Geschichte der mit Rom unierten östlichen Kirchen. Dies ist eine sehr weitläufige Thematik, die die Kommission schon lange beschäftigt. Es war gerade die gegensätzliche Beurteilung historischer Fakten an der die bisher letzte Sitzung der offiziellen katholisch-orthodoxen Dialogkommission im Jahr 2000 in Baltimore (USA) gescheitert ist.

Der Vorstand der Stiftung PRO ORIENTE ist überzeugt, dass es hilfreich ist für eine ekklesiologische Beurteilung der Unionen, die in der gegenwärtigen Situation des offiziellen theologischen Dialogs erfolgen muss, wenn jetzt eine nach wissenschaftlichen Methoden erarbeitete gemeinsame Sicht von den historischen Vorgängen gesucht wird. PRO ORIENTE ist überzeugt, dass es sich bei dem Forschungsvorhaben um ein Projekt handelt, das den offiziellen Dialog zwischen der katholischen und orthodoxen Kirche fördern könnte.

3. ZIELE
Die kirchlichen Verhältnisse in der Zeit, auf die sich das Forschungsvorhaben der Stiftung PRO ORIENTE bezieht, sind in der konfessionellen Kirchengeschichtsschreibung sehr umstritten. Die Forschergruppe bemüht sich, eine ausgewogene und von allen beteiligten Kirchen anerkannte Geschichtsschreibung der Periode zu erstellen. Es geht um das Zusammentragen von Fakten, die es für eine gemeinsame Beurteilung der geschichtlichen Vorgänge braucht. Diese Fakten (zumindest die allermeisten von ihnen) sind schon seit langem bekannt und werden in oftmals recht einseitiger Auswahl in den Geschichtsbüchern einzelner Konfessionen verzeichnet, in den Darstellungen der anderen hingegen zum Teil übergangen. Gerade dies hat zur Folge, dass sich die Geschichtsdarstellungen der verschiedenen Konfessionen unterscheiden und nicht selten sogar widersprechen.

Durch Zusammenarbeit von rund fünfzehn Historikern und Theologen aus der Polnischen und der Russischen Orthodoxen Kirche, aus der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche, aus der lateinischen Kirche Polens und aus Österreich soll eine von den beteiligten Konfessionen gemeinsam anerkannte Beschreibung der Anfänge, der Ausbreitung und der Durchsetzung der Union der Rzeczpospolita Polska und auch der Widerstände gegen den Unionsabschluss, die es dort gab, erarbeitet werden.

Eine solchermaßen gemeinsame Sicht von den Ereignissen wird angestrebt, damit die Gespräche zwischen den Konfessionen künftig durch keine einseitigen Aussagen, pseudo-historischen Vorwürfe und Geschichtsmythen zur Unionsgeschichte mehr belastet werden und konfessionelle Feindseligkeiten überwunden werden können.

Die Periode, die von den Forschern historisch-kritisch untersucht wird, erstreckt sich von den 90er Jahren des 16. Jahrhunderts bis zum Beitritt der beiden galizischen Diözesen zur Union gut 100 Jahre später.

Das Arbeitsprogramm für die Forschergruppe sieht drei Forschungstreffen in zweijährigem Rhythmus vor. Die Finanzierung und Administration des Vorhabens wird durch die Stiftung PRO ORIENTE gewährleistet, während das Wiener Institut für Theologie und Geschichte des christlichen Ostens und sein ehemaliger Vorstand, Prof. Ernst Christoph Suttner – ein international anerkannter Ostkirchenkundler – die wissenschaftliche Verantwortung für das Projekt tragen. Bei allen drei Treffen kommen dieselben Mitarbeiter zusammen. Dies ist für die Kontinuität der Arbeit und die Bearbeitung der Ergebnisse der einzelnen Treffen unerlässlich.

Die für den obengenannten offiziellen Dialog erbetene Hilfe erfolgt bei PRO ORIENTE durch inoffizielles Arbeiten. Bei den sogenannten „inoffiziellen Gesprächen“ arbeiten die Teilnehmer nicht als Delegierte der Kirchenleitungen mit, sondern aufgrund ihres Fachwissens als Wissenschaftler.

Ziel des Forschungsvorhabens ist, ein von allen mitarbeitenden Forschern gemeinsam verantwortetes Buch über die Ereignisse seit der Wiederaufnahme regelmäßiger synodaler Tätigkeit in der Kiever Metropolie (1590) bis zum Aufstand unter Chmalnitskij (1648-54) zu verfassen.

Ein paralleles Forschungsunternehmen mit ebenfalls drei Treffen in zweijährigem Rhythmus (alternierend mit den Treffen zum Forschungsvorhaben zur Union von Brest) rumänischer orthodoxer, griechisch-katholischer, evangelischer, kalvinischer und römisch-katholischer Historiker und Theologen zur Siebenbürgener Union wurde 2001 gestartet.

Die Beiträge der einzelnen Tagungen werden jeweils in der Reihe „Das östliche Christentum“ des Augustinus-Verlag Würzburg in deutscher Sprache (mit russischen Zusammenfassungen) veröffentlicht. Die Beiträge der ersten Tagung sind bereits 2004 erschienen. Die Beiträge der zweiten Tagung befinden sich in Druck.

4. VORLÄUFIGES ERGEBNIS UND BEWERTUNG
Sowohl bei der ersten Tagung (2002) als auch bei der zweiten Tagung (2004) verliefen die Gespräche auf sachlichem und konstruktivem Niveau. Kontroverse Standpunkte wurden nicht ausgeklammert. Alle Beteiligten haben sich für eine Fortsetzung des Forschungsvorhabens 2006 ausgesprochen.

Als Ergebnis der ersten Tagung 2002 wurde zusammenfassend festgehalten, dass in Polen-Litauen kurze Zeit vor dem Beginn der Unionsvorbereitungen (insbesondere durch die Jesuiten, aber nicht durch sie allein) neue ekklesiologische Gedanken verbreitet worden waren, die auch in Rom Anhänger gefunden hatten. Es bestand Übereinstimmung, dass in Polen-Litauen und in Rom verschiedene Auffassungen von dem bestanden, was das Schisma bedeutet und was bei einer Union zu geschehen habe. Außerdem wurde aufgezeigt, dass ursprünglich weder in Polen-Litauen, noch in Rom geplant war, nur einen Teil der Kiever Kirche mit Rom zu vereinigen und die Metropolie in einen unierten und nichtunierten Teil zu spalten.

Bei der zweiten Tagung 2004 machte die Forschergruppe deutlich, dass sich die Bischöfe der Kiever Metropolie bewusst gewesen seien, Missstände in ihrer Kirche beseitigen zu müssen. Benannt wurden als spezifische Probleme in Polen-Litauen die seit alter Zeit erfolgten Einmischungen von Lateinern in das kirchliche Leben der Ruthenen sowie das Patronat der Adeligen. über die Kirchengemeinden. Ferner wurde auf gesamteuropäische Probleme verwiesen, wie sie in der Tridentiner Reform in der westlichen Kirche ebenso bekämpft werden mussten. Für die Ablehnung der Union wurde auf ein psychologisches Moment hingewiesen: In der Wahrnehmung der Orthodoxen sei damals und heute die lateinische Kirche noch immer als aggressiv erschienen.

5. MITGLIEDER DER FORSCHUNGSGRUPPE
•   Dacko, Msgr. Iwan (Beauftragter für Auswärtige Beziehungen der Ukrainisch Griechisch-Katholischen Kirche), ukrainisch griechisch-katholisch
•   Glaeser, Zygfryd (Universität Opole), römisch-katholisch
•   Gudziak, Borys (Rektor der Ukrainische Katholische Universität Lemberg), ukrainisch griechisch-katholisch
•   Harnoncourt, Philipp (Fachtheologe von PRO ORIENTE), römisch-katholisch
•   Lapidus, John (Abt. für christliche Beziehungen des Außenamtes des Moskauer Patriarchats), russisch-orthodox
•   Erzbischof Jeremiasz (Erzbischof von Wroclaw und Szczeczin), polnisch-orthodox
•   Prokschi, Rudolf (Vorstand des Instituts für Theologie und Geschichte des christlichen Ostens, Wien), römisch-katholisch
•   Turij, Oleh (Institut für Kirchengeschichte, Ukrainische Katholische Universität Lemberg), griechisch-katholisch
•   Wissenschaftlicher Leiter: Suttner, Ernst Christoph (ehem. Vorstand des Instituts für Theologie und Geschichte des christlichen Ostens, Wien), römisch-katholisch

Veranstaltungen
Kirchliche Union von Brest 2008
Forschungsvorhaben

Hintergrund:
Die staatsrechtliche Vereinigung Polens und Litauens im Jahre 1569 (Union von Lublin) umfasste auch Fürstentümer im Westen und Süden der Kiewer Rus’ (das heutige Weißrussland und die Westukraine mit Kiew), die Mehrheit der Bevölkerung dieses Gebiets war russisch-orthodox. Aus politischen Gründen (Gleichstellung mit Bürgern der Union - wegen der Eroberung von Konstantinopel durch die Osmanen 1453 – dadurch Verlust der ...


3. Tagung zur "Union von Brest" 2006
Ziel des Forschungsvorhabens ist es in getreuer Quellenforschung eine sachliche Sicht von den Ereignissen der kirchlichen Union von Brest zu gewinnen, die die polemischen und konfessionalistischen Darstellungen ablösen kann, die nach wie vor das zwischenkirchliche Klima vergiften. Bereits auf ihrem 2. Treffen (2.-8. Juli 2004, Cieplice / Polen) wurde beschlossen, mit der gemeinsamen Erarbeitung eines Buches über das Unionsgeschehen zu beginnen. Die Arbeitsgemeinschaft hofft, beim ...


2. Treffen der Interkonfessionellen Arbeitsgruppe 2004
Bei der Tagung 2002 wurde beschlossen, eine dreiköpfige interkonfessionelle Arbeitsgruppe einzusetzen, die die bisherigen Ergebnisse festhalten und zusammenfassen und die dritte Tagung (Lemberg, 2006) vorbereiten sollte. Die Arbeitsgruppe, bestehend aus Erzbischof Jeremiasz, Prof. Turij und Prof. Suttner, legte am 7. Oktober 2004 ihren zweiten Bericht vor.


2. Tagung zur "Union von Brest" 2004
Themen der Diskussionen waren unter anderem die Unterschiede im Verständnis von Schisma und Union der Katholiken und Orthodoxen im 16. / 17. Jahrhundert in Polen-Litauen und Rom; die Reise der ukrainischen Bischöfe Ipatij Potij und Kirill Terleckij nach Rom, die dort im Auftrag der Synode der Kiever Metropolie eine Union mit der römisch-katholischen Kirche abschließen sollten. Ebenfalls in den Blick genommen wurden die Gründe für die Ablehnung der Union, die ...


2. Privatissimum des Instituts für Theologie und Geschichte des christlichen Ostens
Beim 2. Privatissimum wurden Dokumente zur Brester Union wie das Glaubensbekenntnis des Bischofs Hypathius, der Konzilstext von Florenz, die Brester Ratifikationsurkunde und die Dokumente 228-357 und die Briefe des Metropoliten Rutski von 1636 im Hinblick auf Gründe für die Ablehnung der Union, die von den Unionsgegnern vorgebracht wurden, analysiert.


1. Privatissimum des Instituts für Theologie und Geschichte des christlichen Ostens
Bei der 1. Begegnung der Teilnehmer zum Forschungsvorhaben zur Brester Union im Juli 2002 in Wien wurden Fragen aufgeworfen, die einer weiteren eingehenden wissenschaftlichen Beschäftigung mit den vorliegenden Dokumenten bedurften. Bei dem 1. Privatissimum wurden die Unterschiede zwischen den im Vorfeld ausgearbeiteten „33 Punkten der Ruthenen“ und dem tatsächlichen Ergebnis, den beiden Unionsbullen „Magnus Dominus“ und „Decet Romanum Pontificem“ in ekklesiologischer Hinsicht ...


Treffen der Interkonfessionellen Arbeitsgruppe 2002
Bei der Tagung 2002 wurde beschlossen, eine dreiköpfige interkonfessionelle Arbeitsgruppe einzusetzen, die die bisherigen Ergebnisse festhalten und zusammenfassen und die zweite Tagung (Polen, 2004) vorbereiten sollte. Die Arbeitsgruppe, bestehend aus Erzbischof Jeremiasz, Prof. Turij und Prof. Suttner, legte am 16. Oktober 2002 ihren Bericht vor.


1. Tagung "Union von Brest" 2002
Bei der ersten Tagung fand eine Aufzählung aller Persönlichkeiten und Institutionen statt, die zum Entstehen und zur Durchsetzung der Union oder zum Widerstand gegen sie beigetragen haben. Dabei wurde auch nach den Handlungsmotiven aller Beteiligten gefragt. Besonders wurde untersucht, worin die damals beteiligten Persönlichkeiten die Ursache dafür sahen, dass ein Schisma bestand, und was sie für notwendig hielten, damit es zu einer Union kommen könne. Die ...


Arbeitssitzung der Forschergruppe zur Union von Brest

 

Mehr Informationen
Weitere Publikationen

 

Forschergruppe zur Union von Brest 2004 in Cieplice


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