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Die Ökumene muss
weitergehen!

Franz König

Pro Oriente

Grazer "Pro Oriente"-Delegation in Äthiopien

Die äthiopisch-orthodoxe Kirche hat viele altchristliche Traditionen bewahrt, die sonst nirgends erhalten sind

Eine große Delegation der Grazer Sektion der Stiftung Pro Oriente unternimmt unter Führung von em. Prof. Philipp Harnoncourt von 5. bis 14. Februar eine Studienreise nach Äthiopien, um liturgisches und spirituelles Leben der äthiopisch orthodoxen Kirche kennen zu lernen und Kontakte mit dieser Kirche und anderen christlichen Gemeinden herzustellen.

Diese 7. ökumenische Exkursion der Grazer Pro Oriente-Sektion steht unter der fachlichen Leitung von Alexander Kraljic, dem Generalsekretär und theologischen Assistenten der "Arbeitsgemeinschaft der afroasiatischen Gemeinden" der Erzdiözese Wien. An dieser Reise nehmen neben Mitarbeitern von Pro Oriente auch P. Petrus Bsteh (Wien) sowie der Grazer Dompropst und frühere Generalvikar Prälat Leopold Städtler und der frühere Grazer Stadtpfarrpropst Prälat Karl Hofer teil, die beide seit vielen Jahren mit der ökumenischen Arbeit von Pro Oriente verbunden sind. Prof. Harnoncourt hat 1986 - zur Zeit der kommunistischen Diktatur des Präsidenten Mengistu - als Gastprofessor am katholischen St. Francis-Seminary in Addis Abeba Liturgiewissenschaft und ökumenische Theologie vorgetragen.

Das Christentum wurde spätestens im 4. Jahrhundert durch syrische Mönche nach Äthiopien gebracht und hat dort eine stark in der jüdischen Tradition wurzelnde eigentümliche Prägung erfahren. An Stelle der im hellenistischen Raum üblichen theologischen Reflexion wird hier eine durchgehend narrative Weise der spirituellen Durchdringung der Heiligen Schrift gepflegt,
die starke Ähnlichkeiten zur rabbinischen Praxis zeigt. Auch der Kirchenbau orientiert sich an Regeln aus der jüdischen Tradition. Wegen fehlender Kontakte zu deren Kirchen - Äthiopien ist seit fast 1.000 Jahren von islamisierten Ländern umgeben - hat diese Kirche viele Traditionen bewahrt, die es sonst nirgends gibt. Seit Kaiser Haile Selassie I. ist die äthiopisch-orthodoxe Kirche autokephal (selbständig) und in 14 Diözesen gegliedert, deren Bischöfe den Patriarchen wählen. Mit mehr als 30 Millionen Gläubigen gehört sie zu den größten Kirchen des Ostens. Derzeit ist Abuna Paulos Patriarch, der viele Jahre Bischof der Exil-Äthiopier in den USA war. Er steht seit vielen Jahren mit Pro Oriente in Kontakt und war vor sechs Jahren Gast bei Kardinal Christoph Schönborn in Wien.

Die äthiopisch-orthodoxe Kirche gehört zur Familie jener altorientalischen Kirchen, die sich nach dem Konzil von Chalcedon im Jahr 451 von der allgemeinen Kirche getrennt haben. Durch die Initiative von Pro Oriente wurde in der sogenannten "Lainzer Formel" eine Übereinkunft gefunden, die eine 1.500 Jahre alte Kirchenspaltung überwindet.