PRO ORIENTE PILGERREISE INS HEILIGE LAND (04/2005) Reisebericht von Pia de Simony
Unter dem Motto „Wiederbelebung der Wallfahrten ins Heilige Land“ hat der Wiener Kardinal Schönborn, Kuratoriumsvorsitzender unserer Stiftung, mit einer 30köpfigen PRO ORIENTE-Pilgerdelegation (darunter der frühere EU-Kommissar Franz Fischler und der Abt des Stiftes Heiligenkreuz, Gregor Henckel-Donnersmarck) in der Osteroktav Israel und das Westjordanland besucht. Mitgereist sind auch 10 österreichische und deutsche Journalisten und Journalistinnen.
(Siehe auch ihre jeweiligen Berichterstattungen unter „Pressedienst“, dann „Pressestimmen“ im Service -Teil.)
Bilder zum Download siehe Ende des Berichts!
Hohe Spiritualität auf den Spuren Jesu
Ziel und Zweck der Reise war es - nach der jüngsten Entspannung im Nahost-Konflikt - die Christen in Europa zu animieren und ihnen Mut zu machen, als Pilger das Heilige Land zu besuchen. Mit dem Ausbleiben der Pilger wäre ein weiterer Exodus der einheimischen Christen vorprogrammiert, da für die meisten von ihnen diese Besucher die Lebensgrundlage schlechthin darstellen. Wir alle sind auch als Pilger hingefahren, wandelten ohne jegliche Bedrohung auf den Spuren Jesu und waren geistig ganz erfüllt. Biblische Stätten (wie etwa Emmaus) oder jene in Galiläa (Berg Tabor oder See Genesaret) strahlen nach wie vor eine hohe Spiritualität aus. So auch der Ölberg in Jerusalem mit dem kleinen Garten Getsemani und den umliegenden geschichtsträchtigen Kirchen. An der Westmauer, wo im Jahre 2000 auch Papst Johannes Paul II. um Vergebung für das Leiden der Juden gebeten hatte, beeindruckte uns die große Zahl der hier noch um Mitternacht versammelten 20- bis 30-jährigen frommen Juden und Jüdinnen. Sie waren ganz im Gebet vertieft, während die verwinkelten Bazar-Gassen der arabischen Altstadt - wo auch unser altehrwürdiges Pilgerhaus, das „Österreichische Hospiz“ liegt - schon wie ausgestorben wirkten.
Dramatischer Rückgang der Christen im Heiligen Land
Doch der äußere idyllische Schein trügt. Wer Israel besucht, kann nicht ganz die Augen vor der politischen Realität des Landes verschließen. Schon gar nicht, wenn man - trotz fühlbarer Entspannung in Jerusalem – auf dem Weg nach Betlehem auf bedrückend hohe Mauern schaut, die unentwegt weiter gebaut werden und „die Gegend hügelauf, hügelab zerschneiden“, wie es eine Pilgerin vor dem Checkpoint plastisch formulierte. Dadurch fühlen sich die getrennten Palästinenser wie Fremde im eigenen Land und wirtschaftlich isoliert. „2.700 palästinensische Christen sind schon für immer aus Betlehem emigriert, 60% der gebliebenen Männer sind arbeitslos. Viele von ihnen haben 6 bis 7 Kinder. „Wir fühlen uns hier wie in einem großen Gefängnis“ beklagte sich uns gegenüber der Bürgermeister Hanna Nasser und richtete einen verzweifelten Appell an Kardinal Schönborn, Pilgerreisen ins Heilige Land zu aktivieren, um den Einheimischen wieder ihre Würde, Lebensmut und Arbeit zurückzugeben. Schönborn sprach von einem „erschütternden Bericht“ Nassers. Ebenso beunruhigte ihn der „dramatische Rückgang der Zahl der Christen im Heiligen Land.“ Und zur feindseligen Trennmauer beteuerte er, man sollte dem Beispiel Jesu folgen. Nur Er könne diese „Trennwand des Hasses und der Angst niederreißen“. Ohne Hilfe Gottes würde es hier wohl keine dauerhafte Friedenslösung geben.
In Palästina ist die Säuglingssterblichkeit sechsmal so hoch wie in Israel
Ein Lichtblick bieten drei Krankenhäuser auf palästinensischem Boden bei Betlehem: in der tipptopp geführten Entbindungsklinik des Malteserordens finden sich werdende aber mittellose Mütter gut aufgehoben. Die Betreuung vor und nach der Geburt ihres Kindes ist hier garantiert. Das ist keine Selbstverständlichkeit in einem Land wie Palästina, wo die Geburtenrate zu den höchsten der Welt zählt und die Säuglingssterblichkeit sechsmal so hoch ist wie im benachbarten Israel . Das „Caritas Baby Hospital“ behandelt mit großer Hingabe z.T. auch etliche „Frühchen“, die durch unterernährte und gestresste Mütter hierzulande viel zu früh auf die Welt kommen. Um behinderte und traumatisierte Landsleute kümmert sich das nahe gelegene arabische Rehabilitationszentrum. Auffallend sind die verhaltensgestörten Kinder. Deren Genesung braucht Monate, manchmal Jahre geduldiger Betreuung. „Wir fühlen uns von den Christen im Ausland alleine gelassen“ beklagt sich der Direktor Edmund Shehadeh, „Hilft uns, auch finanziell! Nur so kann hier unsere Zukunft gesichert bleiben.“ Damit meint er auch die Pilger, die seit der zweiten Intifada fast zur Gänze ausgeblieben sind. Überall wo wir hinkamen, der gleiche Aufruf. Der Betlehemer Bürgermeister traf mit seiner Frage den Nagel auf den Kopf: „Zigmillionen Muslime pilgern jährlich nach Mekka, doch wo sind die Christen in Betlehem?“
Alle Bewohner im Land reagieren in punkto Religion extrem sensibel
Auch am nächsten Tag in Jerusalem, wo wir in herzlicher Atmosphäre vom armenischen Patriarchen, Torkom II. empfangen wurden, hören wir dasselbe Leitmotiv beim Abschied: „Sagt euren Freunden in Europa, sie sollen auch das Heilige Land besuchen. Wir wollen das Land vor der Zerstörung bewahren und weiterhin konstruktiv denken!“ Aus dieser Aussage spürt man heraus wie prekär und sensibel die Lage in Israel ist. Daher verwundert es nicht, wenn sogar der von Kardinal Schönborn gehaltene Vortrag: „Was bedeutet Erez Israel für uns?“ an der Hebräischen Universität in Jerusalem von manchen Zuhörern falsch interpretiert wurde. Schönborn wollte in seiner Rede lediglich über die biblische Landverheißung nachdenken, nicht aber diese mit dem Staat Israel gleichsetzen. Die jüdische Tageszeitung Jerusalem Post deutete seine Aussagen aus ihrer Sicht aber anders: „Der Kardinal sagte, Christen sollten sich darüber freuen, dass der Zionismus die Erfüllung der biblischen Prophezeiung sei“. Dass die Resonanz auf so eine Fehlinterpretation bei den christlichen Palästinensern einen Wirbel verursachen würde, war naheliegend. „Wenn man länger in diesem Land lebt, weiß man, dass so eine pro-jüdische Rede hier allzu leicht missverstanden wird“ räsoniert der katholische Weihbischof von Nazareth Giacinto-Boulos Marcuzzo. Er ist einer der Vikare des Lateinischen Patriarchen von Jerusalem, Michel Sabbah, der für die Katholiken des lateinischen Ritus in Palästina, in Jordanien und auf Zypern verantwortlich ist, und weiß, wovon er spricht. Obwohl alle Bewohner im Land in punkto Religion extrem sensibel reagieren, funktioniere der christlich-jüdische Dialog noch am besten wegen der gemeinsamen Wurzeln. Schwierig sei der Dialog mit den Muslimen, vor allem auf theologischer Ebene: „Hier akzeptieren sie keinerlei Auseinandersetzung, da diese ja ihren Koran in Frage stellen würde“.
Wichtige Probleme sind noch ungelöst
Wie ist Frieden in Israel überhaupt möglich? Ist eine Lösung, langfristig gesehen, in Sicht? Diese Fragen stellten wir im Österreichischen Hospiz von Jerusalem dem Vertreter des Vatikans im Land, Erzbischof Pietro Sambi. Für ihn gibt es dringende Probleme, die es bald zu lösen gilt: Die genaue Festlegung der Grenzen zwischen Israel und Palästina (die jetzigen seien eher „Kriegsgrenzen“); die Lösung für drei Millionen palästinensische Flüchtlinge, die sich eine Rückkehr wünschen und eine gerechte Wasserversorgung für Israel, Palästina und Jordanien. Ein großes Problem stellen die jüdischen Siedlungen auf palästinensischem Boden dar und die Hamas, die extremen Palästinenser. „Besonders heikel ist auch die Frage nach dem Status von Jerusalem: vereint oder geteilt?“ so der Nuntius weiter. „Falls geteilt, dann müsste der Sicherheitsrat der UNO den internationalen Charakter dieser Stadt garantieren und jeder Gläubige einen freien Zugang zu seinen jeweiligen heiligen Stätten haben. Ohne die Klärung dieser Hauptprobleme kann es keinen Frieden geben. Papst Johannes Paul II. wünschte sich sehnlichst ein Ende des Dauerkonflikts und hat sich unzählige Male für uns eingesetzt!“
Kardinal Schönborn erfuhr während der Pilgerreise vom Tod des Papstes
Unsere Pilgerfahrt fand in der letzten Lebenswoche des Papstes statt. In seiner Predigt am Altar der Magna Mater Austriae in der Jerusalemer Kirche der Entschlafung Mariens, rief Kardinal Schönborn uns auf, für den Papst zu beten, dass für ihn „die Zeit des Aufatmens“ kommen möge. Am Tag seines Todes flog der Kardinal nach Wien zurück, unsere PRO ORIENTE-Gruppe setzte ihre Pilgerreise nach Galiläa fort. Hier, in einem unscheinbaren Dorf namens Ibillin, trafen wir mit einem melkitischen Priester zusammen, Abuna Elias Chacour, der in dieser gottverlassenen Gegend wahrlich Berge versetzt hat. Eine imposante, charismatische Persönlichkeit. Beeindruckend war seine Erzählung, wie es ihm in nur fünfzehn Jahren unter schwierigsten Umständen gelungen ist, aus dem Nichts ein Bildungszentrum zu errichten – vom Kindergarten bis zur Hochschule. Heute lernen hier 4.800 Schüler – Christen, Juden und Moslems - nicht nur für eine aussichtsreichere Zukunft, sondern auch das friedliche Miteinander im Alltag. Chacours Erfolgsprojekt ist ein leuchtendes Beispiel für die verwirklichte harmonische Koexistenz verschiedener Religionen auf gemeinsamem Boden. Erfüllt von dieser Erfahrung erreichen wir am Abend das Pilgerhaus von Tabgha – eine blühende Oase am See Genesaret. Hier am Ufer, neben der Brotvermehrungskirche, ist alles ganz still – wie unberührt. Die Landschaft ist lieblich, kein Haus in Sichtweite. Fast wie vor 2000 Jahren, als Jesus an dieser Stelle sein Mahl mit den Fischern teilte.
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Ein besonderes Danke gilt unserem Reiseveranstalter BIBLISCHE REISEN http://www.biblische-reisen.at von Klosterneuburg, der uns hervorragend zu den biblischen Stätten geführt hat - mit Rücksicht auf den besonderen Charakter unserer Reise.
Unsere Unterkunft in Jerusalem: Österreichisches Hospiz an der Via Dolorosa im Herzen der Altstadt http://www.austrianhospice.com; in Galiläa: Pilgerhaus Tabgha am See Genesaret http://www.heilig-land-verein.de
Programm der Pilgerfahrt von PRO ORIENTE ins Heilige Land
http://www.pro-oriente.at/dokumente/presse/Programm_HeiligesLand2005.doc
85k, word.doc
Bildergalerie:
Die Pilgergruppe
http://www.pro-oriente.at/dokumente/presse/IMG_0470a.jpg
Pilgergruppe auf dem Dach des Österreichischen Hospizes
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In den Straßen von Jerusalem: Kardinal Schönborn, Diakon Franz Eckert und EU-Kommissar i.R. Franz Fischler
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Vortrag von Kardinal Schönborn an der Hebrew University
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Bethlehem: Mauer
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Kardinal Schönborn in Yad Vashem
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Begegnung mit dem Armenischen Patriarchen Torkom II. Mannoogian
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P. Elias Chacour in seinem Schulzentrum in Ibillin
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Das Pilgerhaus in Tabgha
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Auf dem See Genesaret
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Präsident Marte vor dem Denkmal zur Begegnung von Patriarch Athenagoras I. und Papst Paul VI.
http://www.pro-oriente.at/dokumente/presse/IMG_588a.jpg |
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| PRO ORIENTE-Pilgerfahrt ins Heilige Land |
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| Auf dem Dach des Österreichischen Hospizes |
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| Begegnung mit dem Armenischen Patriarchen Torkom II. |
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| Präsident Marte vor dem Denkmal zur Begegnung von Papst Paul VI. und Patriarch Athenagoras |
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| Hebrew University: Vortrag von Kardinal Schönborn |
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| Vor dem Abflug nach Tel Aviv |
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