CHRISTEN IN SüDINDIEN (06/2005) 14. Juni 2005, 19.00 Uhr, Diplomatische Akademie
Seine Eminenz Dr. Kuriakose Theophilose
Malankara syrisch-orthodoxer Metropolit der Diözese der Arabischen Emirate und der Diözese Europa, Metropolit von Mulanthurutty, Ernakulam (Kerala / Südindien)
Vortrag in deutscher Sprache
"Christen in Südindien - gelebte Spiritualität in bunter Vielfalt"
Metropolit Kuriakose schildert in seinem Vortrag die ökumenische Situation der Christen in Kerala, sowie ihr Verhältnis zu den anderen Religionen. Als Bischof ist er für die Gemeinden seiner Kirche in Europa und den Arabischen Emiraten zuständig und kann daher aus erster Hand über die Situation der indischen Christen in der Diaspora berichten.
Sowohl der Kolonialismus als auch die Globalisierung haben dazu geführt, dass Inder heute in aller Welt zu finden sind – eine indische Diaspora existiert in über 120 Ländern. Sie bemüht sich um die Bewahrung ihrer Identität. Während das Gemeindeleben in den Arabischen Emiraten „ghettohaften“ Charakter hat, können die indischen Christen in Europa ihren Glauben frei ausüben.
Kerala ist eine kleine Provinz im Südwesten Indiens. Es ist ein Mikrokosmos der religiösen Vielfalt Indiens. Seine Bevölkerung besteht aus 25% Christen, 25% Muslimen und 50% Hindus. Die Christen Keralas gehören der ältesten christlichen Gemeinschaft der Welt außerhalb Palästinas an! Bereits seit dem 6. Jahrhundert ist das Christentum in Kerala historisch belegt. Es gibt eine Überlieferung, die besagt, dass der Apostel Thomas das Christentum bereits im 1. Jh. nach Kerala gebracht habe – wahrscheinlich ist, dass es im 3. Jh. durch christliche Kaufleute aus Syrien eingeführt wurde.
Die sogenannten Thomas-Christen sind zwar in diverse Denominationen gespalten, die ökumenische Situation ist aber als besonders gut zu bezeichnen. Die Christen sind fest in das hindustische Kasten-System integriert und bilden sogar eine der obersten Kasten in Kerala! Sie stellen eine geachtete Minderheit dar, die eine große soziale Rolle in den Bereichen der Bildung, Gesundheit und Armutsbekämpfung spielt. Dank ihrer vielfältigen Verbindungen nach Europa und Amerika leisten sie einen bedeutenden gesellschaftlichen Beitrag.
Diese gemeinnützigen Aktivitäten werden von Hindu-Fundamentalisten mit Argwohn und dem Verdacht beobachtet, dass mit diesen Programmen eine indirekte Bekehrungskampagne unter der Hindu-Bevölkerung betrieben wird. Lange hat es in Kerala keine religiös motivierten Konflikte gegeben. Umso alarmierender sind Nachrichten in letzter Zeit, dass nun auch dort Übergriffe auf Christen provoziert werden. Die indische Zentralregierung hat diese Anfeindungen verurteilt und zu religiöser Toleranz aufgerufen.
Im Oktober 2004 fand die 7. Syrer-Konsultation von PRO ORIENTE in Kerala, der Heimat von vier der neun Kirchen der sogenannten „syrischen Tradition“, statt. Die Delegation aus Österreich war berührt und beeindruckt von der bunten Vielfalt und der tiefen und lebendigen Spiritualität der indischen Christen. In einer Power-Point-Präsentation wollen wir an diesem Abend die Eindrücke unserer Reise „bildhaft“ vermitteln.
Ebenso präsentiert PRO ORIENTE an diesem Abend auf Wunsch seiner Zuhörer visuell die Highlights seiner Aktivitäten im Jahr 2004/2005, darunter insbesondere die Pilgerfahrt mit Kardinal Schönborn ins Heilige Land in der Osteroktav 2005.
Zum Referenten:
Geb. 1.2.1966 in Kerala, 1986-1989 Malankara Syrisch-Orthodoxen Theoligisches Seminar in Malailcruz, 1989-1993 Theological College in Bangalore, seit 1993 Mitglied der Kommission für den Dialog der Katholischen Kirche mit der Malankara Syrisch-Orthodoxen Kirche (diese untersteht der Oberhoheit des syrisch-orthodoxen Patriarchats von Antiochien), 1994-2002 Regensburg (u.a. Studium am Ostkirchlichen Institut), 1994 Aschaffenburg, 1995 Dr. theol. in Regensburg, Priesterweihe 2002, seit 2002 Dozent am Seminar von Vettickal, 2003 Bischofsweihe, seit 2004 Metropolit von Europa und den Vereinigten Arabischen Emiraten und Leiter des Ökumene-Referats seiner Kirche. Im Anschluss an einen Pastoralbesuch im November 2004 in Wien ernannte das Oberhaupt der Malankara Syrisch-Orthodoxen Kirche, Katholikos Baselios Thomas I., Metropolit Kuriakose zum Ansprechpartner für PRO ORIENTE in allen ökumenischen Belangen.
Fotos zum kostenlosen Download:
Credit und Copyright: Pro Oriente
Portrait von Metropolit Kuriakose
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Kirche in Kerala
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Kirche in Kerala
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Altar einer syro-malabarischen Kirche in Kerala
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Katholikos Baselios Thomas I. zelebriert die hl. Liturgie in Wien (2004)
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LKW eines Christen in Kerala mit der Aufschrift "Jesus"
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Devotionalien-Shop in Changanassery (Kerala)
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Hintergrundinformationen
Christen in Kerala
Kerala ist eine kleine Provinz im Südwesten Indiens, die der Überlieferung nach vom heiligen Apostel Thomas den christlichen Glauben empfing. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass das Christentum durch christliche Kaufleute aus Syrien im dritten Jahrhundert nach Kerala gebracht wurde. Die Christen von Kerala gehören der ältesten christlichen Gemeinschaft der Welt außerhalb Palästinas an. Diese sogenannten Thomas-Christen, die in diverse Denominationen gespalten sind, sind fest in das hinduistische Kasten-System integriert und bilden sogar eine der obersten Kasten in Kerala. Dagegen sind die Angehörigen der protestantischen Missionskirchen zumeist Konvertiten aus niedrigen Kasten oder Kastenlose, von denen sich die Thomas-Christen, also die Mitglieder der alten Denominationen, abkapseln.
Kerala ist ein Mikrokosmos jeder im Lande bekannten Religion. Während im übrigen Indien nur etwa 2% der Bevölkerung Christen sind, ist der Anteil in Kerala etwa 25% (50 % Hindus, 25% Muslime). Der allergrößte Teil davon gehört der katholischen Kirche an.
Immer wieder kam es in den letzten Jahren zu Übergriffen von Hindu-Extremisten gegen Christen. Mehr als 200 Fälle von Gewalt gegen die christliche Minderheit haben kirchliche Stellen und Nichtregierungsorganisationen allein in den ersten drei Monaten dieses Jahres landesweit registriert. In Kerala hat es lange keine religiös motivierten Konflikte gegeben. In letzter Zeit jedoch häufen sich die Berichte, dass nun auch dort Übergriffe auf Christen provoziert werden. So hat es bei einem Überfall fundamentalistischer Hindus auf eine Christenversammlung am Karsamstag in Kerala einen Schwerverletzten und viele Leichtverletzte gegeben. Die Gläubigen hatten sich in der Kanai-Kirche, der ältesten Kirche Keralas, den Film „Die Passion Christi“ von Mel Gibson angesehen, als 25 militante Hindus die Versammlung stürmten.
Links:
Jürgen Stein. Das Christentum in Kerala (Journal of Religious Culture Nr. 31)
http://web.uni-frankfurt.de/irenik/relkultur31.html
Botschafter Hans-Georg Wieck, (ehem. Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Moskau und Delhi und ehem. Präsident des BND in Pullach)
Christen in Indien. Die Rolle der christlichen Kirchen in Indien (Vortrag in Berlin, August 2004)
http://www.pro-oriente.at/dokumente/presse/WieckChristenIndien2004.doc
Indische Christen in den Arabischen Emiraten
In einem Interview Ende März 2005 in der „Furche“ mit dem neu ernannten Apostolischen Vikar in Abu Dhabi, Bischof Hinder, konstatierte dieser auch eine durch den Fundamentalismus bedingte Verschlechterung der Situation der mindestens 1,5 Millionen Christen auf der arabischen Halbinsel – vor allem zahlreiche Gastarbeiter aus den Philippinen und Indien.„Es ist alles komplizierter geworden. Vor allem die beiden Irak-Kriege hatten für die Kirchen einen raueren Wind zur Folge. Die Einheimischen setzten „Christen“ mit „Amerika“ gleich – und die negativen Reaktionen bleibe nicht aus“, sagte er. Die Lage der Religionsfreiheit ist unterschiedlich. Auf Grund der hohen Gastarbeiterrate aus Indien, Korea und den Philippinen liegt der Prozentsatz der Christen in einigen Gegenden wie etwa den Vereinigten Emiraten bei bis zu 30 Prozent. In den Emiraten gehe es den Katholiken „relativ gut“; der im November verstorbene Staatsgründer Scheich Zayid habe erlaubt, dass Kirchen gebaut werden, erinnerte Bischof Hinder in dem Interview: „Innerhalb unserer Liegenschaften können wir unsere Riten pflegen. Die Kultusfreiheit ist damit territorial beschränkt. Religionsfreiheit in unserem Sinn gibt es nicht. Konversionen sind nur einseitig möglich“.
Dennoch seien die Christen in den Emiraten keine „Verfolgten“. Die Kontakte und Beziehungen zu den offiziellen Stellen seien „korrekt“. Hinder: „Wir erfreuen uns im Rahmen der hier geltenden Regeln einer relativen Freiheit“. Mission unter Muslimen sei prinzipiell untersagt, betonte Bischof Hinder, und die Kirche halte sich strikt daran. Christen seien in islamischen Ländern Bürger zweiter Klasse; Immigranten hätten auf der arabischen Halbinsel nicht die gleichen Rechte und wirtschaftlichen Vorteile wie die Einheimischen – es sei denn, sie konvertierten zum Islam.
Indische Christen in Wien
(Information aus der PRO ORIENTE-Publikation: „Die Ostkirchen in Wien“ (Christian Gastgeber / Franz Gschwandnter, Styria-Verlag, Wien 2004)
Die beiden in Wien vertretenen Gruppen der orientalisch-orthodoxen Kirchen Indiens sind die Malankara-syrisch-orthodoxe Gemeinde, die dem syrisch-orthodoxen Patriarchen Zakka I. Iwas von Antiochia untersteht und seit dem 4. Jahrhundert mit der syrisch-orthodoxen Kirche vereinigt ist, sowie die Malankara-orthodox-syrische Gemeinde, die in Mar Thoma Mathews II. ein eigenes Oberhaupt (Katholikos) hat.
Im November 1989 kam Joseph Zacharias als Stipendiat der syrisch-orthodoxen Kirche nach Wien, um sich durch ein Doktoratsstudium auf eine Professur an der Universität Hyderabad in seiner Heimat vorzubereiten. Er versammelte die etwa 150 Gemeindemitglieder, um mit ihnen in der armenischen Kirche im 3. Bezirk zweimal im Monat Gottesdienst zu feiern. Im Sommer 1996 hat er Österreich wieder verlassen. 1997 folgte ihm als Vikar der jetzige Pfarrer Biji Chirathilattu nach, dem es gelang, die Gemeinde weiter zu festigen und einen Pfarrgemeinderat aufzubauen. Die Gottesdienste werden mittlerweile alle zwei Wochen in der alten Lainzer Pfarrkirche abgehalten, die von der Erzdiözese Wien der syrisch-orthodoxen Gemeinde und ihrem Pfarrer Chorepiskopos Emanuel Aydin übergeben wurde.
Die zweite Gruppe ist die Malankara-orthodox-syrische Gemeinde. Deren Mutterkirche ist erst im 20. Jahrhundert aufgrund jurisdiktioneller Auseinandersetzungen innerhalb der syrisch-orthodoxen Kirche Indiens entstanden. Sie hatte sich 1912 erstmals abgespalten, 1958 wieder mit der Malankara-syrisch-orthodoxen Kirche versöhnt, und 1965, als es unter den einzelnen Familien, aus denen traditionell die Bischöfe gewählt werden, zu Unstimmigkeiten über die Wahl des neuen Katholikos kam, wieder getrennt, weshalb beide Gruppen ihren eigenen Katholikos wählten und seither eigene Wege gehen. Im Frühjahr 2004 kam Pfarrer Joykutty Varghese nach Wien, um die Gemeinde neu zu ordnen. Sie feiert in der katholischen Kirche in der Taborstraße ihre Gottesdienste.
Innerhalb der Vielfalt der christlichen Kirchen Indiens sind in Wien im Rahmen der ARGE-AAG (Arbeitsgemeinschaft afroasiatischer Gemeinden, gegründet 1980) drei katholische Gruppen zu einer Gemeinde zusammengewachsen: die römisch-katholischen Gläubigen und die beiden unierten Gruppen der Malankara- und der Syro-Malabar-Kirche, deren Mitglieder zum Großteil aus dem Süden Indiens kommen. Die römisch-katholischen Mitglieder der Gemeinde stammen aus Familien, die vorwiegend seit dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert in Indien von den Missionsorden zum Christentum bekehrt wurden. Aus der christlich-indischen Tradition, die sich auf die Mission durch den Apostel Thomas beruft, setzen sich die anderen beiden Gruppen der Wiener Gemeinde zusammen.
Das ist zum einen die Kirche der alten Tradition von Malankara, die sich als Gegenreaktion zur forcierten Latinisierung durch die Portugiesen seit 1653/1665 dem syrisch-orthodoxen Patriarchen von Antiochia angeschlossen hatte. Sie ist auf Grund der Entscheidung ihres Bischofs Mar Ivanios, der die ersten Mönchsgemeinschaften seiner Kirche gründete, seit 1930 mit der katholischen Kirche unter Beibehaltung des westsyrischen Ritus uniert, also in ihrer heutigen Gestalt durch die Trennung von der syrisch-orthodoxen Kirche Indiens entstanden.
Das ist zum anderen die Syro-Malabar-Kirche, die unter den – 1498 an der Malabar-Küste (dem heutigen Bundesstaat Kerala) gelandeten – Portugiesen im 16./17. Jahrhundert entstanden ist und bis zur Synode von Diamper 1599 einem dauernden Latinisierungsprozess ausgesetzt war, durch den sie der orthodoxen assyrischen Tradition entfremdet wurde. Sie versucht neuerdings wieder verstärkt, ihren ostsyrischen Ritus zu pflegen. Alle drei Gruppen feiern ihre Gottesdienste in Wien gemeinsam unter Verwendung ihrer drei Riten, des ostsyrischen der Malabaren, des westsyrischen der Malankaren und des lateinischen der römischen Katholiken. Pfarrer ist Dr. Thomas Thandappilly CST in der Pfarrkirche Maria Lourdes im 12. Wiener Gemeindebezirk. Die gesamte Gemeinde sieht sich in der Indian Catholic Community repräsentiert.
Links zu den indischen Gemeinden in Wien:
St. Mary’s Malankara Syrian Orthodox Congregation in Vienna
http://www.stmarysvienna.org/
Indian Catholic Community in Vienna
http://www.iccvienna.org/ |
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