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Wiederaufnahme des offiziellen katholisch-orthodoxen Dialogs (07/2005)
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WIEDERAUFNAHME DES OFFIZIELLEN KATHOLISCH-ORTHODOXEN DIALOGS (07/2005)
Presseerklärung von PRO ORIENTE

Die letzte Konferenz der gemischten katholisch-orthodoxen Dialogkommission fand im Jahre 2000 in Baltimore / USA statt. Die Verschlechterung der Beziehungen vor allem zwischen Rom und dem Moskauer Patriarchat standen bisher einer Fortsetzung dieses Dialogs im Wege. Die kürzlich erfolgte offizielle Ankündigung einer Delegation des Ökumenischen Patriarchats anlässlich ihres ersten Besuches bei Papst Benedikt XVI. in Rom, dass der Dialog mit allen orthodoxen Kirchen wieder aufgenommen werden kann, war daher auch für die Stiftung PRO ORIENTE eine freudige Überraschung. Die Themen des neuen Dialogs, die der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Kardinal Kasper, bekannt gegeben hat, sind für PRO ORIENTE auch deshalb so aktuell, weil sich die Stiftung bereits derzeit mit ihnen intensiv beschäftigt.

Das eine Thema wird laut Kasper die Frage der unierten Kirchen sein. Obwohl die Union von Teilen orthodoxer Kirchen mit Rom Jahrhunderte zurückliegen, bilden sie besonders nach der Wiedererlangung der Religionsfreiheit im ehemaligen Ostblock die Ursache gegenseitiger Spannungen und Anfeindungen orthodoxer und griechisch-katholischen Christen in der Ukraine und in Rumänien. Seit dem Jahre 2001 bemüht sich PRO ORIENTE unter der Leitung von em. Univ.Prof. Dr. Ernst Christoph Suttner im Rahmen von zwei Projekten, in die Ereignisse um das Entstehen der Unionen von Brest und Siebenbürgen mit den Mitteln der historisch-kritischen Quellenforschung Klarheit zu bringen und damit eine Grundlage für gegenseitiges Vertrauen und Versöhnung zu schaffen. Nach insgesamt 5 Tagungen haben nunmehr beide Forschergruppen mit der Verfassung einer gemeinsamen Darstellung der damaligen Ereignisse begonnen. Sollte dies gelingen, könnte das Projekt auch über Rumänien und die Ukraine hinaus, beispielgebend wirken.

Ein weiteres Thema des wiederaufzunehmenden offiziellen Dialogs soll der Frage: „Kirche, was heißt das überhaupt?“ und damit der Frage des Petrusamtes (Primat) gewidmet werden. Seit zwei Jahren beschäftigen sich die neun Kirchen der syrischen Tradition im Rahmen der von PRO ORIENTE eingesetzten „Syriac Commission“ unter dem Titel: „Dienst an der Communio in und zwischen den Kirchen der syrischen Tradition: Autorität, Konziliarität und Primat“ mit diesem Thema. Die nächste Tagung wird im Jahre 2006 in Wien stattfinden.

Viel zur Verbesserung der Kontakte zur Gesamtorthodoxie haben die Patristischen Tagungen beigetragen, die von PRO ORIENTE seit 2001 veranstaltet werden. Die zahlreichen Besuche orthodoxer und orientalisch-orthodoxer Patriarchen in Wien haben nicht unwesentlich zur Verbesserung des ökumenischen Klimas beigetragen, wie der Besuch des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. im Jahr 2004 gezeigt hat.

Es hat mit dem inoffiziellen Charakter der Arbeitsweise von PRO ORIENTE zu tun, dass die Stiftung von der Verschlechterung der Beziehungen zwischen Moskau und Rom in den vergangenen Jahren nicht berührt wurde. Im Gegenteil: Es ist gelungen, durch eine Reihe von Maßnahmen Vertrauen aufzubauen und die Kontakte auf der wissenschaftlichen Ebene zu verbessern, dazu gehörte zum Beispiel eine Tagung zur „Sozialkonzeption der Russischen Orthodoxen Kirche“, des ersten Dokuments dieser Art in der Gesamtorthodoxie, eine Reihe von Tagungen zur christlichen Anthropologie in Zusammenarbeit mit der Russisch-Orthodoxen Universität in Moskau und die Vergabe von zahlreichen Stipendien.

Die Ergebnisse der Arbeit von PRO ORIENTE werden vom zuständigen Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen sehr geschätzt und haben schon mehrmals als Grundlage für offizielle Dialoge und sogar für Erklärungen Johannes Paul II. gedient.

Schon in der Vergangenheit wurden die Ergebnisse der Arbeit von PRO ORIENTE verschiedentlich von Rom aufgegriffen und haben dem offiziellen Dialog als Grundlage gedient. Wir können daher zuversichtlich sein, dass auch die Ergebnisse der beiden erwähnten Projekte diese Aufgabe erfüllen werden.

Dr. Johann Marte, Geschäftsführender Präsident von PRO ORIENTE
20.7.2005
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