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4. TAGUNG ZUR KIRCHLICHEN "UNION VON SIEBENBüRGEN" (05/2007)
Pressecommuniqué

P r e s s e c o m m u n i q u é

4. PRO ORIENTE-Tagung im Rahmen des Forschungsprojekts zur:

„KIRCHLICHEN UNION VON SIEBENBÜRGEN“
(Wien, 7.-11. Mai 2007)

Die Stiftung PRO ORIENTE hat in Zusammenarbeit mit der Universität „ 1 Decembrie 1918“ von Alba Iulia (Rumänien) in der Zeit vom 7. bis 11. Mai 2007 die vierte Tagung im Rahmen ihres Forschungsprojektes zur „kirchlichen Union von Siebenbürgen“ durchgeführt. Viel zum Gelingen des Projekts beigetragen hat dessen interdisziplinärer und interkonfessioneller Ansatz. In der Arbeitsgruppe vertreten sind 23 Theologen und (Kirchen-)Historiker aus allen fünf Konfessionen Siebenbürgens (orthodox, römisch-katholisch, griechisch-katholisch, evangelisch-lutherisch, reformiert). Erst durch ihr Zusammenwirken ist es möglich, über die Klärung kirchengeschichtlicher Fragen hinaus auch versöhnende Wirkung zu erzielen. Das Projekt steht unter der wissenschaftlichen Leitung des international renommierten Experten für Ostkirchenkunde, em. Univ.Prof. Dr. Ernst Christoph Suttner (Wien). Er wird dabei unterstützt vom (rumänisch-orthodoxen) Theologen und Studienleiter der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) in Genf, Erzpriester Univ.Prof. Dr. Viorel Ionita und von Univ.Prof. Dr. Iacob Marza, (griechisch-katholischer) Dekan der Fakultät für Geschichte und Philologie der Universität Alba Iulia, sowie von der Historikerin Dr. Laura Stanciu, (griechisch-katholische) Dozentin an der Universität Alba Iulia. Die weiteren Teilnehmer sind Professoren und Professorinnen der rumänischen Universitäten von Cluj, Sibiu, Alba Iulia, Oradea, Blaj, Bukarest. Zur vierten Tagung wurde erstmals auch Prof. Keith Hitchins von der Universität Urbana / Illinois (USA), ein namhafter Fachmann für die Geschichte Südosteuropas, insbesondere auch jener Siebenbürgens und Ungarns, beigezogen.

Gegenstand des Projekts ist es, die Ereignisse rund um die Entstehung und die unmittelbaren Folgen der kirchlichen Union von Siebenbürgen im Zeitraum von 1697 bis 1761 mit den Mitteln der historisch-kritischen Quellenforschung aufzuarbeiten. Ziel ist die gemeinsame Verfassung einer zweisprachigen Publikation (rumänisch/deutsch), die dem Abbau alter Spannungen, vor allem zwischen der rumänisch-orthodoxen und der griechisch-katholischen Kirche Rumäniens, dienen und zur Aussöhnung aller beteiligten Kirchen des Landes beitragen soll. Die Publikation soll insbesondere in Schulen, Priesterseminaren und anderen Bildungseinrichtungen zum Einsatz kommen. „Wenn auf diese Art und Weise ein Stein des Anstoßes zwischen den Kirchen beseitigt werden kann, haben wir als Kirchenhistoriker ein wichtiges Werk vollbracht“, so die Einschätzung des wissenschaftlichen Leiters Prof. Ernst Chr. Suttner.

Prof. Ionita lobte, dass „sich das Klima zwischen den einzelnen Teilnehmern und Teilnehmerinnen im Laufe des Projekts zunehmend verbessert“ habe und dass es gelungen sei, „eine hervorragende Vertrauensbasis“ zu schaffen. In der Tat sind anfängliche Polemiken einer sachlichen und konstruktiven Gesprächsatmosphäre in der Arbeitsgruppe gewichen.


Abgesehen von den wissenschaftlichen Ergebnissen der Tagung ist für PRO ORIENTE in diesem Fall auch die Begegnung von Vertretern verschiedener Konfessionen wichtig, die gemeinsam ein schmerzliches Kapitel der Geschichte aufzuarbeiten versuchen, beurteilte der Präsident von PRO ORIENTE, Dr. Johann Marte, die Zusammenkunft in Wien.

Nach Erörterung restlicher und noch offener Fragenkomplexe ist es bei dieser vierten Tagung nunmehr gelungen, Redaktionsregeln und Inhalt der Publikation festzulegen und die einzelnen Themen den Autoren zuzuteilen. Das Buch soll aus einer Chronik, Darstellungen zu bestimmten Themen im Zusammenhang mit den Ereignissen rund um die Entstehung und die unmittelbaren Folgen der kirchlichen Union von Siebenbürgen und einem Glossar bestehen. Mit der Fertigstellung des 1. von drei Teilen des Buches wird in etwa zwei Jahren gerechnet. Die Beiträge der vierten Tagung werden sowie im Fall der vorangegangenen Tagungen (Wien, 2001 / Alba Iulia, 2003 und 2005) in den „Annales Universitatis Apulensis“ der Universität von Alba Iulia veröffentlicht werden.

Die bisherigen Ergebnisse des Forschungsprojekts werden bei der 3. Europäischen Ökumenischen Versammlung von PRO ORIENTE und der Arbeitsgruppe im Rahmen eines Hearings am 6. September 07 (19 Uhr) in Sibiu präsentiert werden.

Der neue Vizedekan der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien, Univ.Prof. Dr. Rudolf Prokschi, hat die Teilnehmer der Arbeitsgruppe begrüßt und darauf hingewiesen, dass er an dem analogen Forschungsprojekt von PRO ORIENTE zur „Union von Brest“ mitwirkt, das ebenfalls die Arbeit an einer gemeinsamen Darstellung der Brester Union durch die beteiligten Konfessionen (orthodox, griechisch-katholisch, römisch-katholisch) aus der Ukraine, Polen, Weißrussland und Russland bereits aufgenommen hat.

Die Tagungsteilnehmer haben an Vespern in der rumänisch griechisch-katholischen Rochuskapelle in Wien-Penzing und in der neuen rumänisch-orthodoxen Kirche in Wien-Simmering teilgenommen.

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Geschichtlicher Hintergrund zur „kirchlichen Union von Siebenbürgen:
Die kirchliche Union von Siebenbürgen entstand im Zuge der Eingliederung Siebenbürgens in das Habsburger Reich. Daher ist sie nicht nur als ein Ereignis der Kirchengeschichte Siebenbürgens und damit Rumäniens anzusehen, sondern ist darüber hinaus auch auf europäischer Ebene von eminent politischer und gesellschaftlicher Bedeutung. Dem entspricht auch die Erfahrung von PRO ORIENTE, dass der von allen Christen angestrebten Einheit besonders im Verhältnis zwischen der katholischen und der orthodoxen Kirche weniger theologische Hindernisse, als solche außertheologischer Natur im Wege stehen. Im Zuge historischer Ereignisse kam es oft zu Spaltungen, die – wie im Falle der Union von Siebenbürgen – Jahrhunderte lange Zerwürfnisse sowie gegenseitige Vorurteile und Geschichtsmythen zur Folge hatten und das Zusammenleben der Menschen negativ beeinflussten. Die Untersuchung der Ursachen solcher „Glaubensspaltungen“ mit Hilfe der historisch-kritischen Quellenforschung soll ein Weg zur „Reinigung des Gedächtnisses“ sein, der auch von Papst Benedikt XVI. empfohlen sowie von der KEK mit ihrem Programm „Healing of Memories“ (Heilung der Erinnerungen) mit Interesse verfolgt wird.
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