PRESSECOMMUNIQUé üBER DAS 2. COLLOQUIUM DES PRO ORIENTE-FORUM SYRIACUM (WIEN, 4.-6. NOV. 2009)
14 Experten aus neun Kirchen der syrischen Tradition, darunter auch Bischöfe, und aus sieben westlichen Ländern haben sich vom 4. bis 6. November 2009 auf Einladung der Stiftung PRO ORIENTE in Wien zu ihrem 2. Colloquium des Forum Syriacum zur gegenwärtigen Lage der Christen im Nahen Osten und in Indien versammelt. Die Konferenz stand unter der wissenschaftlichen Leitung des Salzburger Kirchenhistorikers Prof. Dietmar Winkler und hatte den Titel: „Syriac Christianity in the Middle East and India Today. Contributions and Challenges.“
Erörtert wurden vor allem die Beiträge der Christen in Syrien, Irak, Libanon, Iran und Indien zur Kultur und Gesellschaft sowie die Herausforderungen, mit denen diese heute konfrontiert sind. Das Colloquium hat sich außerdem mit dem heiklen Thema Religionsfreiheit und dem massiven Problem der Emigration der Christen auseinandergesetzt. Alle Teilnehmer waren sich am Ende der Tagung einig: Besonders gravierend sei vor allem die Situation im Irak. Die dortige Diskriminierung und Verfolgung der Christen sollte eine Sorge aller Christen weltweit sein. Im ganzen Nahen Osten leiden sie unter der politischen Instabilität, vorwiegend unter dem ungelösten israelisch-palästinensischen Konflikt. Diese ist die Hauptursache einer dramatischen Emigrationsbewegung von einheimischen Christen. Trotz dieser Situation ermutigen alle Kirchen des Nahen Ostens ihre Gläubigen in ihrer Heimat zu bleiben.
Die Teilnehmer der PRO ORIENTE-Tagung appellierten in diesem Zusammenhang an die Kirchen des Westens, die emigrierten Christen zu unterstützen, ihre kulturellen und geistigen Traditionen (samt ihrer Sprache) in ihren jeweiligen Gastländern zu erhalten und zu pflegen, z.B. durch die Zurverfügungstellung von Kirchen und ein konfessionelles Bildungsangebot.
Zum Thema Gewissensfreiheit haben die Konferenzteilnehmer festgestellt, dass diese, außer im Libanon und in Südindien, mangelhaft ist. Konversionen zum Christentum sind tabu. Bei einer Mischehe, etwa, darf die Ehefrau zwar ihre Religion behalten, doch der Mann – falls er ein Christ ist – muss zum Islam konvertieren und deren Kinder müssen auf jeden Fall zu Muslimen erzogen werden. Diese Regelung hat im Laufe der Jahrhunderte zu einem rapiden Rückgang der christlichen Bevölkerung geführt.
Die nächste Sitzung des PRO ORIENTE-Forum Syriacum wird am 26.-27. Mai 2010 in der nordirakischen Stadt Erbil stattfinden. Gegenstand wird u.a. auch die Sonder-Bischofssynode sein, die Papst Benedikt XVI. für Oktober 2010 einberufen hat. Sie steht unter dem Motto: „Die katholische Kirche im Nahen Osten – Gemeinschaft und Zeugnis“. Zentrales Thema der Beratungen werden Fragen der Friedenssicherung sein. |
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