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PRESSECOMMUNIQUé üBER: "1989-2009: RELIGION UND WENDE IN OST [MITTEL]- UND SüDOSTEUROPA"

Vom 7.-9. Oktober 2009 fand in Wien ein internationales wissenschaftliches Symposium mit dem Thema: 1989-2009: Religion und Wende in Ost[mittel]- und Südosteuropa“ statt. (*)

Anlass war der 20. Jahrestag des Falls des Eisernen Vorhangs. Unter den 25 Referenten aus 12 Ländern dieser Region befanden sich bedeutende Zeitzeugen wie der frühere Außenminister und derzeitige Staatssekretär der Republik Polen Univ.-Prof. Władysław Bartoszewski, Dr. František Mikloško, Abgeordneter im Slowakischen Parlament und Symbolfigur des christlichen Widerstandes in der ehemaligen Tschechoslowakei sowie Univ.-Prof. Dr. Jan Sokol, einer der Erstunterzeichner der ‚Charta 77’ und ehemaliger Kulturminister.

Unter den zahlreichen Veranstaltungen, die sich 2009 mit der Wende des Jahres 1989 und deren Folgen beschäftigten, war dieses Symposium die einzige Konferenz, die sich ausschließlich mit dem Beitrag der Religionen befasste. Die interdisziplinäre Zusammensetzung der Teilnehmer: Theologen, Philosophen, Soziologen, Juristen, Historiker, Literaturwissenschafter und Politiker ermöglichten verschiedene Zugänge zum Thema.

Einen Gesamtüberblick über die Geschichte der Kirchen in den jeweiligen Ländern gab Univ.-Prof. em. E. Ch. Suttner. Aus der Sicht des ehem. Sonderkoordinators des Stabilitätspakts für Südosteuropa tat dies Vizekanzler a.D. Erhard Busek. Die gesamteuropäische Dimension der Aufarbeitung des kommunistischen Erbes stand im Mittelpunkt der Erörterungen. Es zeigte sich, dass alle Länder der Region nach wie vor unter dieser Last leiden. Dazu gehört vor allem, dass Täter bis heute noch nicht zur Verantwortung gezogen wurden und in manchen Ländern Staatseigentum in den Besitz der früheren herrschenden Klasse übergegangen ist.

So sehr die christliche Botschaft zur Überwindung der kommunistischen Ideologie beigetragen hat, so unverzichtbar sei sie für die Aufarbeitung ihrer Folgen. Darüber herrschte Übereinstimmung. Auch der Westen habe die Tragweite der Folgeerscheinungen des Kommunismus unterschätzt. Einig war man sich ebenfalls in der Ratlosigkeit über die weitere sozialpolitische und kirchliche Entwicklung.

In fast allen Ländern wird eine allgemeine Zunahme der Religiosität unter gleichzeitiger Abnahme der kirchlich gebundenen festgestellt. In Ungarn etwa hat seit 1978 die Religiosität unter der Landbevölkerung in gleichem Ausmaße abgenommen wie sie unter der städtischen Intelligenz zugenommen hat.

Die tschechischen Vertreter wehrten sich gegen den Vorwurf, ihr Land sei das am meisten säkularisierte und atheistische Europas. Man vertrete dieselben moralischen Anschauungen wie in den Nachbarländern, nur ohne sie als christlich zu bezeichnen. Darüber hinaus wiesen sie auf die überraschend große Aufmerksamkeit hin, die dem Besuch Papst Benedikt XVI. in ihrem Land entgegengebracht worden sei. Man plädierte für eine Neupositionierung der Kirchen, die sich nicht mehr ausschließlich als Träger eines nationalen Bewusstseins, sondern als gestaltende Kraft der Zivilgesellschaft profilieren sollten.

Die Verleihung des diesjährigen Literaturnobelpreises an die Rumäniendeutsche Hertha Müller, deren Werk sich mit den Schrecken der kommunistischen Herrschaft zusammensetzt, wurde sehr begrüßt. Das Symposium gedachte ferner der Großdemonstration, die am 9. Oktober 1989 in Leipzig im Anschluss an das Montagsgebet 70.000 Menschen auf die Straße brachte und damit den Fall der Mauer einen Monat später ermöglicht habe.

(*) Die Tagung wurde von einem Konsortium von 12 Ko-Veranstaltern organisiert, darunter die Stiftung PRO ORIENTE und zahlreiche ostmittel- und südosteuropäische Wissenschafts- und Kulturinstitute in Wien.
Das slowenische Wissenschaftsinstitut war federführend tätig.

 

Veranstaltung
1989-2009: Religion und Wende in Ostmittel- und Südosteuropa

Pressestimme
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