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Sagt lieber den Aposteln, er ist aus dem Grab erstanden!

Die Ikone von den drei Frauen am Grab ...

... antwortet auf die Frage nach dem Recht, die Glaubensbotschaft zu verkünden.

Ikone: Frauen am Grab Der zweite Sonntag nach Ostern, der „Sonntag der Myrophoren“, rückt die salbentragenden Frauen ins Zentrum des Gottesdienstes. Damit sind jene Frauen gemeint, die nach dem Zeugnis der Synoptiker am Morgen nach dem Sabbat zum Grab Jesu gingen um nach dem Grab zu sehen bzw. Jesu Leichnam zu salben.*

Die drei Frauen am Grab
Markus nennt ihre Namen: Maria von Magdala, Maria und Salome. Sie entdecken das leere Grab und hören dort von einem Engel die Botschaft, Jesus sei auferstanden. Die Darstellung der Frauen am Grab Jesu, die erfahren, gehört zu den ältesten Osterdarstellungen. Vielleicht ist sie sogar die ursprünglichste, denn die Auferstehung Jesu und sein Verlassen des Grabes sind göttliches Geheimnis und werden im Evangelium nicht beschrieben. Daher können sie auch nicht dargestellt werden. Die Darstellung der „Osterikone“, der Anastasis differenziertes theologisches Denken und eine große Reflexion voraus, die sich erst über lange Zeit entwickelt hat. Anders ist es mit dieser Begebenheit, die in den synoptischen Evangelien gut überliefert und nach den strengen Regeln der Ikonentheologie auch darstellbar ist.

Die Ikonographie
Die russische Ikone der Myrophoren aus dem 15. Jh. die im Museum von Sergei Possad aufbewahrt wird, zeigt vor einer hoch aufragenden Felsenkulisse einen Sarkophag. Er nimmt die zentrale Stelle des Bildes ein und damit ist gesagt, dass es bei dieser Darstellung um Jesus geht. Im Sarkophag sind zwar Leichentücher zu sehen, aber kein Leichnam. Dafür sitzt ein Engel auf dem Stein, der das Grab verschlossen hatte. Seine Haltung lässt eine innere Ruhe und Sicherheit erkennen, die wohl aus seinem Wissen um Jesu Ostersieg resultiert, das er den Frauen, die innerlich aufgewühlt zum Grab kommen, verkünden wird. In der rechten Hand hält der Engel den Stab, der ihn als Boten beglaubigt, mit der linken zeigt er auf die Tücher, in die Jesu Leichnam gewickelt war. Die Grabtücher sind der Hinweis, dass Jesus nicht mehr hier ist, also leben muss. Die Frauen sind mit dieser Situation zunächst überfordert. Der Engel spricht ihre Gedanken an - und diesen Augenblick hat der Ikonenmaler festgehalten: „Ihr sucht Jesus von Nazaret, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden; er ist nicht hier. Seht, da ist die Stelle, wo man ihn hingelegt hatte.“ (Mk 16,6) Sein leuchtendes Gewand und die ausgestreckte Hand erinnern an Jesus, der – wie die Anastasis-Ikone darstellt – mit ausgestrecktem Arm im Totenreich Adam aufrichtet. Durch den Engel spricht Jesus selbst zu den Frauen: „Vergesst eure Trauer. Richtet euch auf und schaut! Es ist niemand da, um den ihr trauern könntet. Das Salböl braucht ihr nicht. Hier ist kein Toter!“ Maria von Magdala, die das Gefäß mit dem Salböl trägt, und Maria, die Mutter des Jakobus sprechen miteinander. Maria hat ihre linke Hand hat auf ihre Brust gelegt – ein Zeichen innerer Ergriffenheit – mit ihrer rechten zeigt sie auf den Engel, als wolle sie die letzten Zweifel ihrer Gefährtin zerstreuen und ihr versichern, dass die Worte des Engels glaubhaft sind. Salome steht hinter Maria von Magdala und Maria. Während diese beiden noch über die Worte des Engels diskutieren, spricht aus ihrem Gesicht bereits freudiges Staunen über seine Botschaft.

Die Botschaft des Engels
In den Evlogitarien, die jeden Sonntag im Orthros gesungen werden, wird sie folgendermaßen formuliert: „Was mischt ihr Salben mitleidsvoll mit Tränen, o ihr Jüngerinnen? Der Engel, der am Grab erstrahlte, sprach zu den salbentragenden Frauen: Schaut an das Grab und ihr werdet verstehen, der Retter ist aus dem Grab erstanden.“ Die Frauen brauchen offensichtlich Zeit, um die Botschaft des Engels zu verstehen. Im nächsten Vers wird dieser nicht nur energischer sondern schickt er sie mit seiner Botschaft zu den Aposteln: „Ganz in der Frühe liefen die salbentragenden Frauen wehklagend zu deinem Grabe. Doch der Engel trat ihnen entgegen und sprach: Vorüber ist die Zeit der Klage, weinet nicht, sagt lieber den Aposteln: Er ist erstanden!“ Durch die Worte des Engels kommen die Frauen, die gekommen waren, um einen Toten zu salben, zum Glauben an ihn als die Quelle des Lebens: „Mit Spezerei kamen die salbentragenden Frauen zu Deinem Grabe, o Heiland, und weinten. Doch der Engel sprach zu ihnen: Was zählt ihr den Lebenden zu den Toten? Als Gott ist er vom Grabe erstanden!“

Auferstehungsbotschaft der Frauen
Das Evangelium schildert, dass Frauen als erste zum Osterglauben gefunden haben und spricht von ihrer Sendung als die ersten Verkünderinnen der Auferstehungsbotschaft. Dies ist umso bemerkenswerter, als damals nur Männer die Funktion eines Zeugen nicht ausüben durften. Durch den Engel aber werden sie nicht nur von Jesus selbst dazu beauftragt, sie fühlten sich auch innerlich dazu gedrängt, denn wer zum Glauben an den lebendigen Gott gefunden hat, darf auch über diesen Glauben sprechen: „Die salbentragenden Frauen brachen auf im Morgengrauen. Und da das leere Grab sie geschaut, sprachen sie zu den Aposteln: Die Verwesung besiegte der Mächtige und entriss den Hadesbewohnern die Ketten. Freimütig gebet die Kunde: Christus, der Herr, ist erstanden und schenkt der Welt das große Erbarmen.“ (Dienstag der dritten Woche nach Ostern, Laudes, Kathisma)

Siehe: Mt 28,1; Mk 16,1; Lk 24,1

Text: Hanns Sauter