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Wenn die großen nichts
machen, dann sollen die
kleinen beginnen.

Kardinal Franz König

Pro Oriente

1. Öffentliche Präsentation (April)

Alltag in Byzanz - Gebetbücher als Spiegle des täglichen Lebens

Das von der Wittgenstein-Preisträgerin, Professorin Claudia Rapp, geleitete Großprojekt „Alltag und Religion: Byzantinische Gebetbücher als sozialgeschichtliche Quelle“ wurde bereits im letzten Jahr begonnen.

Dr. Ilias NesserisDr. Elisabeth SchifferDr. Eirini Afentoulidou-LeitgebDr. Claudia Rappv.l.: Rapp, Rossetto, Schiffer, Nesseris und AfentTitelbild mit den Namen der Refenrenten und Refere

Am Rande des ersten internationalen Workshops mit dem Titel „In Church and at Home: Byzantine Religious Life, its Sources and their Study“ fand am 7. April eine erste öffentliche Präsentation einzelner Forschungsschwerpunkte des Gesamtprojektes statt. Rapp berichtete einführend über die Hintergründe und Zielsetzung des Projektes und machte deutlich, dass Gebetbücher sehr wertvolle, aber auch sehr komplexe Quellen sind, um das alltägliche Leben in Byzanz zu erforschen. Fündig würde man vor allem in den vielen sogenannten „kleinen Gebeten“, die wie ein Spiegel der Gesellschaft zu verstehen sind.
Die junge italienische Forscherin Giulia Rossetto erklärte die sehr komplexen Verfahren, welche angewendet werden, um Informationen über die Herkunft, Verwendung usw. eines Gebetbuches zu bekommen. Ca. ein Jahr dauert es, bis ForscherInnen erste Angaben über einen Codex machen können. Allein aufgrund der Qualität des Pergaments seien bereits einige Rückschlüsse über den Besitzer bzw. die Besitzerin zu ziehen.
Die Wiener Forscherin Elisabeth Schiffer erklärte anhand von Gebeten das ausgesprochen herausfordernde Verhältnis von Kaiser und Patriarch in der damaligen Zeit. Anhand vieler Gebete kann dies nachgewiesen werden. Ihre präsentierten Forschungsergebnisse seien, so Claudia Rapp, revolutionär.
Der griechische Experte Ilias Nesseris, der zum ersten Mal einen Vortrag in deutscher Sprache hielt, sucht vor allem nach Gebeten, die im Zusammenhang mit Bildung stehen. Er berichtete u.a. von Gebeten, die bei Einschulungen gesprochen wurden oder auch von Gebeten, die von Lehrenden gesprochen wurden, wenn die Schüler und Schülerinnen die Examen bestanden hatten.
Am Ende berichtete die griechische Wissenschaftlerin Eirini Afentoulidou-Leitgeb über ihre Untersuchung zum Thema „Geburt und Wochenbett“. Sie verwies v. a. auch auf die Weiterentwicklung solcher Gebete, die immer mehr unterschiedlich Situationen berücksichtigten. Vor allem stand im Mittelpunkt dieser Gebete die Ein- bzw. Wiedereingliederung in die Kirche, die (Wieder-)Herstellung der Kultfähigkeit.
Es wird sicher weiter Gelegenheiten geben, um sich über dieses Forschungsprojekt zu informieren.
Ein gelungener Abend im Otto-Mauer-Zentrum gemeinsam veranstaltet vom Forum Zeit und Glaube des Katholischer AkademikerInnen Verbands, Wien, ÖAW, Abteilung Byzanzforschung (Institut für Mittelalterforschung) und PRO ORIENTE.


Sektion: Wien