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Wenn die großen nichts
machen, dann sollen die
kleinen beginnen.

Kardinal Franz König

Pro Oriente

Ökumenisches Kurz-Symposion (April)

Der Barmherzige Gott in einer unbarmherzigen Welt

Gemeinsam mit den THEOLOGISCHEN KURSEN veranstaltete PRO ORIENTE ein Ökumenisches Kurz-Symposium anlässlich des außerordentlichen Jubiläumsjahres der Barmherzigkeit.

v.l.: E. Lesacher, M. Holztrattner, Bischof Andrej

Im April 2015 kündigte Papst Franziskus in seinem Apostolischen Schreiben „Misericoriiae Vultus“ die Eröffnung eines Jubiläumsjahres für den 8. Dezember 2015 an. 50 Jahre zuvor war an diesem Datum das Zweite Vatikanische Konzil eröffnet worden. Mit der Wahl dieses Termins wollte der Papst auch die Kontinuität zur Konzilstradition ausdrücken.
Mit dem Schreiben forderte er die gläubigen Katholiken und Katholikinnen auf, über das Thema „Barmherzigkeit“ nachzudenken, wobei das leitende Motto aus dem Lukas-Evangelium „Barmherzig wie der Vater“ (Lk 6,36) sein soll.
Zur ökumenischen Diskussion nach kurzen Impulsreferaten stellten sich Bischof Michael Bünker, Bischof Andrej (Cilerdzic), Cecily Corti und Magdalena Holztrattner.
Der evangelische Bisch0f Bünker betonte vor allem die biblischen Erzählungen über Barmherzigkeit. An zwei Stellen machte er dies besonders deutlich, zum einen im Zusammenhang mit der Selbstoffenbarung Gottes, er sein ein barmherziger und gnädiger Gott, zum anderen an der beispielhaften Erzählung des barmherzigen Samariters. Er hob hervor, dass barmherzig zu sein auch heißt, sich für die Nöte anderer zu Interessieren und die eigenen Bedürftigkeit anzuerkennen. Der Mensch könne aber der Barmherzigkeit nur in Bruchstücken nahe kommen, denn diese sei ein „exklusive Gotteseigenschaft“, so Bischof Bünker.
Die Leiterin der Katholischen Sozialakademie ging auch auf die hebräische Wortwurzel des Begriffs Barmherzigkeit – rahamim – ein. Im Hebräischen ist diese Wortwurzel auch im Wort Gebärmutter zu finden. Damit kann auch die weibliche Seite des allmächtigen Gottes betont werden. Holztrattner greift auf, dass damit auch eine zärtliche, bergende und unbrüchige Liebe Gottes zu den Menschen ausgedrückt werden kann, ähnlich der einer Mutter zu ihrem Kind.
Bischof Bünker und Holztrattner waren sich einig, dass in diesem Zusammenhang auch ein Potenzial für einen interreligiösen und interkulturellen Dialog zu finden ist.
Bischof Andrej sprach über das Gleichnis vom Verlorenen Sohn und ging dann verstärkt auf die ekklesiologische Bedeutung der Barmherzigkeit ein. Das orthodoxe Prinzip der „Ökonomie“ – eine weniger akribische Anwendung des geltenden kanonischen Rechts in pastoralen Fragen – sei auch in ökumenischen Fragen anzuwenden. Wie barmherzig gehen die konfessionellen Kirchen heute mit einander um? Auch innerhalb des eigenen Gefüges wird die Barmherzigkeit oft vermisst.
Die letzte Impulsgeberin und Gründerin des Vereins Vinzenzgemeinschaft/St. Stephan brachte mit wenigen Worten ihr persönliches Ringen mit der „göttlichen Barmherzigkeit“ zum Ausdruck. Mit einer Erfahrung der Barmherzigkeit Gottes sei immer auch Demut verbunden, denn die Barmherzigkeit Gottes übersteigt Menschlich-irdisches. Ausdruck kann sie in der Liebe finden. Wichtig ist ihr in diesem Zusammenhang auch, dass man Menschen nicht von oben herab – generös – behandeln darf, wenn man den Aufruf zur Barmherzigkeit ernst nimmt, denn es geht darum, die Würde der Menschen zu bewahren. Die dem Menschen innewohnende Würde hat auch mit dem göttlichen Funken im jedem Menschen zu tun, der in der Begegnung mit dem anderen zum Ausdruck kommen kann. Das ist es, worum es geht, so Corti.
In der anschließenden Diskussion wurde festgehalten, dass wir gläubige Christen und Christinnen in die Barmherzigkeit Gottes hineingenommen sind und dieses Heilsangebot auch damit verbunden ist diese Barmherzigkeit nachzuahmen.

Zum Nachhören auf der Homepage der Theologischen Kurse

Sektion: Wien