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Pro Oriente

Alles spendet der Heilige Geist!

Die Ikone von Pfingsten antwortet auf die Frage nach Gottes Wirken in der Welt.

Pfingsten ist die griechische Bezeichnung für das jüdische Wochenfest. Es wurde 50 Tage nach dem Passahfest als Dank für die Getreideernte begangen. Der Apostelgeschichte zufolge geschah die Geistsendung am 50. Tag nach Ostern.

Unmittelbar nach der Himmelfahrt Jesu gingen die Apostel vom Ölberg nach Jerusalem zurück und „in das Obergemach hinauf… Dort verharrten sie alle einmütig im Gebet… Als der Pfingsttag gekommen war… kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daher fährt, und erfüllte das ganze Haus… Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen in fremden Sprachen zu reden… jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden.“ (Apg 1, 13; 2, 2-6) Von der griechischen Beziehung Pentekoste (der fünfzigste Tag) leitet sich unser Wort Pfingsten ab.

Die Taufe durch Feuer und den Heiligen Geist…
Die Ikone hält sich an den Text der Apostelgeschichte. Die Apostel haben sich im „Obergemach“, jenem Raum, in dem Jesus mit ihnen vor seinem Tod das Passahmahl gegessen hat, versammelt um zu beten. In zwei Gruppen sitzen sie auf einer bogenförmigen Bank, jeder mit einer Schriftrolle in der Hand. Der Platz in der Mitte, der Jesus zustehen würde, ist leer. Darüber hat sich jedoch der Himmel geöffnet, aus dem sich in Feuerflammen die Fülle göttlichen Lebens über die Apostel ergießt. Feuer ist Zeichen der Anwesenheit Gottes unter seinem Volk (Ex 13, 21), Wind und Sturm, die an Pfingsten mit dem Erscheinen der Feuerzungen einhergehen, verweisen auf den Geist Gottes und seine schöpferische und belebende Kraft. (Gen 1, 2) Trotz des Brausens des Sturmes und trotz des Feuers sitzen die Apostel erstaunlich ruhig und gelassen auf ihren Plätzen. Sie gestikulieren nicht mehr verzweifelt oder schauen ratlos zum Himmel auf, wie auf der Ikone von der Himmelfahrt des Herrn, sondern horchen – teils einander zugewandt – in sich hinein. Sie erhalten ihre Taufe durch Feuer und Heiligen Geist und spüren, dass der Vater ihnen jetzt den Beistand sendet, der sie in die ganze Wahrheit führt. (Mt 3,11; Joh 16, 13)

… bewirkt Erneuerung…
Dieser Geist der Fülle und des Lebens verband die Apostel zu einer engen Gemeinschaft, die es als ihre Aufgabe betrachtete, allen Menschen die Botschaft von der Erlösung und Erneuerung der Welt durch Jesus Christus zu verkünden. Petrus bezieht sich in seiner Pfingstpredigt ausdrücklich auf den Propheten Joel, der schon im 5. Jh. vor Chr. die Geistsendung über „alles Fleisch“ vorausgesagt, und auf David, der die Auferstehung und Erhöhung Jesu vorausgeschaut hatte. (Joel 3,1ff, Apg 2, 16,ff). In dem dunklen Bogen im Vordergrund der Ikone steht eine königliche Gestalt. Ihr Aussehen ist das eines älteren Mannes, die den Darstellungen des Königs David gleicht. Nach einer Tradition in Jerusalem, die sich auf Petrus beruft, zufolge befindet sich dieses Davidsgrab unter dem Abendmahlsaal. (Apg 2, 29) Sie unterstreicht, dass sich die Weissagungen der Propheten in Jesus erfüllt haben und nun die Zeit des neuen Gottesvolkes angebrochen ist, zu dem alle Menschen berufen sind. Einer anderen Überlieferung nach stellt diese Gestalt den Propheten Joel dar, der die Geistsendung angekündigt hat, die zur Versöhnung unter den Menschen führt, und die bewirkt, dass sich diese neu einander zuwenden. Eine dritte Überlieferung deutet sie als „Kosmos“ dem Symbol für die Welt und die Menschen. Dieser ist unter der Last der Geschichte müde und alt geworden, aber zum Heil berufen. Er bedarf daher der Erneuerung, einer neuen Hinwendung zum Wort Gottes, das Gott durch Jesus gesprochen hat und durch seinen Geist mit Leben erfüllt. In seinen Händen hält der Kosmos ein Tuch mit zwölf Schriftrollen. Sie verweisen auf Gottes Heilswirken unter den zwölf Stämmen Israels und sind zugleich Zeichen des Wortes Gottes, das nun die zwölf Apostel „freimütig“ verkünden. (Apg 2, 29) Jeder Apostel hält daher eine Schriftrolle, die ihn als Verkündiger des Wortes Gottes kennzeichnet.

… und führt zum Glauben
Wo der Mensch sich dem Geist Gottes öffnet, wird er immer tiefer Gottes Pläne und seine Führung erkennen. Er wird auch spüren, wo und wie er das Wort Gottes durch sein Reden und Handeln in einer Sprache verkündigen kann, die die Menschen verstehen. Durch eine Gemeinschaft, die sich von diesem Geist führen lässt, wirkt Gott zeichenhaft in der Welt. Sichtbar wird diese Gemeinschaft durch die Gläubigen, die zur Eucharistiefeier zusammenkommen. Dort empfangen sie immer wieder von diesem Geist, der sie befähigt, als erlöste Menschen zu leben und die Botschaft von der Erlösung des Menschen in der Welt zu verkkünden. Daher erklingt am Ende einer jeden Eucharistiefeier der Lobpreis: „Gesehen haben wir das wahre Licht, Geist vom Himmel empfangen, wahren Glauben haben wir gefunden, die ungeteilte Dreifaltigkeit beten wir an, denn sie hat uns erlöst.“

Text: Hanns Sauter