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Wenn die großen nichts
machen, dann sollen die
kleinen beginnen.

Kardinal Franz König

Pro Oriente

Flucht und Vertreibung, Exil und Diaspora (Mai)

Oder Wenn Mystik und Politik zusammentreffen

Die Wiener Pastoraltheologin Regina Polak referierte im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Flucht und Integration“, die PRO ORIENTE gemeinsam mit dem Forum „Zeit und Glaube“ gestaltet.

In einem ersten Schritt zeichnete sie ein klares und z. T. auch besorgniserregendes Bild der gegenwärtigen Herausforderungen, denen sich Österreich aufgrund der für viele überraschend gekommenen Flüchtlingsbewegung seit Herbst 2015. Mit Zahlen und Fakten verdeutlichte sie, dass Österreich nicht – wie oft behauptet – unzählige Menschen aufgenommen hat. Ca. 16.000 Asylanträge wurden 2015 positiv bewilligt, das sei im weltweiten Vergleich eine relativ kleine Zahl.
Vor allem die Veränderung im Sprachgebrauch in politischen Diskussionen sei besorgniserregend. In den 60er Jahren sprach man von „Gastarbeitern“, in den 80/90er Jahren sprach man vorwiegend von den „Türken“ und heute sei diese Gruppe religiös verortet und werde „Muslime“ genannt. Daraus leitet sie ab, dass dringend eine Sensibilisierung im Sprachgebrauch sowohl politisch wie medial gefordert ist.
Eine gerechte Gesellschaft, wie sie auch biblisch zu begründen sei, orientiere sich immer an den Minderheiten und werde sichtbar im Bemühen, Ungleichheiten aufzuheben, die nicht allein von Fremdheit bestimmt sind. Ein viel stärkeres Problem sei die Armut. Die Armut auszugleichen und gerechtere Verhältnisse für alle zu schaffen, sei nur mit einer Auflehnung gegen das herrschende (Wirtschafts-)System möglich.
Polak warnte davor, alle muslimischen Gläubigen in einen Topf zu werfen und unter Generalverdacht zu stellen. Vor allem für junge Muslime in Österreich sei dies eine extreme Belastung. Wobei sie aber überzeugt davon ist, dass es neben dem gesellschaftlichen Diskurs zu diesem Thema auch eines religiösen Dialogs bedarf. Eine notwendige Differenzierung sei hier gefordert. Das Konzept einer sogenannten Monoidentität sei längst überholt.
Unter der Überschrift „Flüchtlinge als Botschafter“ verwies sie darauf, dass es natürlich „fiese“ Opfer geben kann, aber trotzdem darf jemandem das Opfersein nicht abgesprochen werden. Opfer bedeutet, dass jemand in seinem Leben geschädigt, beeinträchtigt wurde oder sein Leben sogar eine totale Zerstörung erfuhr, damit sei aber noch keine Aussage über den Charakter eines Menschen verbunden.
Das kreative Entwickeln von Integrationsmodellen, die nicht Assimilation meinen, sei in den nächsten Jahren gefordert, die Ursachenbekämpfung von Flüchtlingsbewegungen sei vermehrt in den Blick zu nehmen und vor allem sei eine Selbstkritik des westlichen Lebensstils inkl. Ökonomie und Politik anzustreben.
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Sektion: Wien