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Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße des Freudenboten!

Johannes der Vorläufer und seine Botschaft

Mit dem ersten Adventsonntag beginnt für die römische Kirche ein neues Kirchenjahr. Er stellt - wie die ganze Zeit des Advents - die Frage nach unserem Bereit-Sein für das Kommen des Herrn. Eine wichtige Rolle kommt dabei der Gestalt Johannes‘ des Vorläufers zu.

Mit eindringlichen Worten ruft er seine Zuhörerinnen und Zuhörer auf, so zu leben, dass der Herr, dessen Kommen bevorsteht, auf Menschen trifft, die für ihn bereit sind. Mit seiner Predigt und seinem Appell, eingefahrene Gleise zu verlassen, zeigt er manchen wunden Punkt auf, der einer erfüllenden Beziehung des Einzelnen zu Gott und den Mitmenschen im Wege steht. Deutlich sagt er damit aber auch, dass solche Kurskorrekturen – selbst, wenn sie schmerzlich sind – vor allem im Sinne des Menschen sind. Dass sein Leben so verläuft, wie es verläuft, dass er es oft als unbefriedigend, freudlos und als Last empfindet, hat er sich selbst zuzuschreiben, denn er muss die Folgen der Entscheidung tragen, die er im Paradies getroffen hat, als er den Einflüsterungen der Schlange mehr Glauben schenkte, als den Worten seines Schöpfers. Mit eigenen Kräften gelingt es dem Menschen nicht, den angerichteten Schaden rückgängig zu machen. Gott aber in seiner Barmherzigkeit und Menschenfreundlichkeit macht den Menschen das Angebot zu helfen. Er tut dies durch die Propheten, die den Erlöser ankündigen. So lesen wir im Lukasevangelium über Johannes: „Er wird dem Herrn vorangehen, um die Ungehorsamen zur Gerechtigkeit zu führen und so das Volk für den Herrn bereit zu machen.“ (Lk 1,17) „Der Herr kommt“, „macht euch bereit!“, „es ist Zeit, etwas im Leben zu ändern“ – warum sind für uns solche Worte oft eher Grund zur Besorgnis, als zur Freude? Für das Evangelium jedenfalls – am deutlichsten lesen wir davon bei Lukas – ist das Auftreten Johannes des Vorläufers mit Freude verbunden.

Freude und Umkehr gehören zusammen
Betrachten wir dazu die Ikone. Johannes ist gemalt als Bote, der den Menschen eine wichtige Nachricht Gottes verkündigt: Umkehr führt zur Freude! Stab und Flügel rücken ihn in die Nähe des Verkündigungsengels, wie er auf der Ikone vom Fest der Verkündigung an die Gottesmutter dargestellt ist. Auch der Engel, der Maria die Nachricht bringt, sie solle die Mutter Jesu werden, bringt eine Freudenbotschaft! Johannes ist auf dem ersten Blick eine düstere Erscheinung. Er ist gekleidet in das Fellgewand eines Wüsteneremiten und trägt einen zottigen Bart. Seine Botschaft ist eine ernste Botschaft und eine Freudenbotschaft zugleich. Auf der Schriftrolle ist sie zu lesen: „Kehrt um, das Gottesreich ist nahe!“ Während Johannes diese Worte den Menschen sagt, sieht er mit seinen inneren Augen bereits Jesus, den er ankündigt und der das Gottesreich den Menschen bringt. Mit seiner rechten Hand weist er auf ihn hin. Trotz seines Aussehens und der Dramatik seiner Worte spiegeln sich in seinem Gesicht Erwartung und Freude. In Johannes begegnen wir dem, über den Jesaja sagt: „Wie lieblich sind uns auf den Bergen die Füße des Freudenboten, der gute Botschaft bringt und spricht: Dein Gott ist König.“ (Jes 52,7) Ihm, dem Vorläufer, geht es um die Freude, die alles ergreift, wenn Gott mit seinem Reich kommt. Damit diese Freude aber eintreten kann, bedarf es einiger Voraussetzungen von Seiten der Menschen. Johannes nennt sie klar und deutlich: Umkehr und Buße. „Umkehr“ bedeutet, die Wege und Einstellungen, die von Gott wegführen zu verlassen und „Buße“ meint, diese Sinnesänderung durch seine Lebensführung sichtbar zu machen. Johannes nimmt damit die Worte Jesu vorweg, der später sagt: Wer wirklich glaubt, dem muss es um Gott gehen und um sein Reich. Diesen Glauben kann man nicht einfach von jemandem übernehmen, um diesen Glauben muss sich jeder Mensch eigenverantwortlich bemühen. Niemand kann behaupten, dass es ihm mit dem Glauben ernst ist, wenn seine Worte und Taten nicht übereinstimmen. Auch kann sich keiner auf den Glauben anderer ausreden, damit er selbst nichts tun muss, um im Glauben zu wachsen. Um Wachstum im Glauben bemüht sich auch Johannes, der später aus dem Gefängnis Jesus fragen lässt, ob dieser wirklich der Messias sei, den er ankündigt! (Mt 3, 7-10; Mt 11, 2-6; Lk 3, 11ff; Lk 6, 29-34) Ein Leben nach den Vorgaben Gottes ist nicht einfach, vor allem, wenn „die Welt“ andere Prioritäten setzt und vom Verlassen üblicher Denkweisen und Gleise, nichts hören will. Johannes musste für sein Eintreten für Gott mit dem Leben bezahlen. Dadurch war er nicht nur der Bote, der Jesus ankündigte. Er wurde zu seinem Vorläufer auch im Martyrium. Die Schüssel, auf der sein abgeschlagener Kopf liegt, erinnert daran. Doch wurde das, was andere als ein „tragisches Ende“ bezeichnen, zum Eingang in „Freude seines Herrn“: Das Kommen des Herrn, der alle erlöst, verkündete er – wie es auf der Anastasis-Ikone dargestellt ist – auch denen, die im Totenreich auf den Erlöser warteten: „Des Vorläufers rumvolles Ende geschah nach göttlichem Ratschluss, damit er auch denen im Hades die Befreiung durch den Erlöser verkündige.“ (Kondakion vom 29. August, 5. Ton)

Die Botschaft des Johannes ist zeitlos
„Obwohl die Prophezeiungen des Ehrwürdigen Vorläufers alle in Erfüllung gegangen sind, hat seine Botschaft für die Kirche bleibende Gültigkeit. Bis ans Ende der Zeiten wird er nicht aufhören, der Vorläufer des Herrn zu sein, indem er jedem Menschen, der den Erlöser empfangen möchte in seinem Herzen, die Notwendigkeit vor Augen führt, den Weg dafür zu bereiten durch Reue über die eigenen Sünden, Abkehr von den Lüsten dieser Welt und Rückzug in Stille und Gebet, sodass Christus in der Macht des Heiligen Geistes Einzug halten kann.“ (Synaxarion vom 24. Juni)

Text: Hannes Sauter