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Wenn die großen nichts
machen, dann sollen die
kleinen beginnen.

Kardinal Franz König

Pro Oriente

Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn bei den Kopten in Ägypten (Oktober)

Ökumene der Herzlichkeit und der wertschätzenden Begegnung mit dem Papst von Alexandrien und Patriarchen des Stuhles des Hl. Markus Tawadros II.

Allein 40 der rund 120 Bischöfe der Koptisch-Orthodoxen Kirche begrüßten und empfingen zusammen mit ihrem Oberhaupt in überschwänglicher Herzlichkeit und Freude Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn vor und in der Residenz des Koptischen Papstes in Kairo.

Schon der Beginn des sechstägigen Besuches in Ägypten ließ erkennen, wie gut sich die Beziehungen zwischen der Koptisch-Orthodoxen und der Römisch-Katholischen Kirche entwickelt haben. Papst Tawadros II. und Kardinal Schönborn verbindet eine persönliche gegenseitige Wertschätzung, die auch schon durch die Verleihung der höchsten Koptischen Auszeichnung, das ist das Verdienstkreuz des Heiligen Markus, an Kardinal Schönborn im heurigen Frühjahr in Wien zum Ausdruck gebracht wurde. Bereits 2013 war Papst Tawadros im erzbischöflichen Palais in Wien zum Protektor der Stiftung PRO ORIENTE ernannt worden.
Die Herzlichkeit der Begegnungen mit den Bischöfen und Mönchen in den vielen Klöstern, mit den Priestern und den Gläubigen in den Gemeinden waren überwältigend, auch die Gastfreundschaft. Die Klöster mit ihren landwirtschaftlichen Betrieben und Gärten - meist wie die Klöster in Wadi Natrun in der Wüste gelegen - bilden immer wieder regelrechte Oasen. Das ganze Jahr hindurch sind sie das Ziel von Pilgern, die dort oft mehrere Tage verweilen und kostenlos verpflegt und untergebracht werden.
Besonders der Besuch in der oberägyptischen Stadt Samalut, der Heimatdiözese der 21 von der der IS zugehörigen Gruppe Ansar-al Scharia im Jänner 2015 getöteten Märtyrern, beeindruckte durch die tiefe Gläubigkeit und das ungebrochene Gottvertrauen der Angehörigen. Mit den Witwen, Kindern, Eltern und Geschwistern der Männer, die sich geweigert hatten, zum Islam zu konvertieren, konnte Kardinal Schönborn persönlich sprechen und segnete sie mit einem Kreuzzeichen auf ihrer Stirn.
Auch der Besuch in Makattam in Kairo bei den Müllmenschen, die den eingesammelten Müll für eine Wiederverwertung sortieren und davon ihren Lebensunterhalt bestreiten, ließ die christliche Zuversicht und die Hoffnung erkennen, die stärker ist als die Trostlosigkeit mit der gerade ChristInnen in Ägypten immer wieder bewußt konfrontiert werden.
Überall werden die ChristInnen in ihren eigenen kirchlichen Gemeinden aufgefangen und seelsorgerisch und sozial betreut. Die Felsenkirchen, die in Makattam in den Stein gehauen wurden, bieten Platz für mehrere Tausend Kopten, ja für bis zu 10.000 Gläubige, die zu kirchlichen Anläßen und zum Religions- und Bibelunterricht sowie zur Messfeier dort zusammenkommen.

Das Wüstenkloster Anba Bischoi zwischen Kairo und Alexandrien ist das Heimatkloster von Papst Tawadros II und auch von Bischof Anba Gabriel, dem Bischof für Österreich, dort gab es das abschließende Zusammentreffen mit seiner Heiligkeit. Es war wiederum von einer bereits vertrauten christlich-geschwisterlichen Herzlichkeit geprägt.

An der Sonntagsmesse in der Kairoer Kathedrale der Koptisch-Katholischen Kirche, zelebriert von Patriarch Isaac Sidrak - Kardinal Schönborn hielt vor der Gemeinde die Predigt in französischer Sprache - nahm auch unser Österreichischer Botschafter in Ägypten Dr. Stillfried teil. Am Vorabend gab es bereits ein freundschaftliches Zusammentreffen mit Patriarch Sidrak, wobei auch die Bedeutung der 170 katholischen Schulen in Ägypten, die vielfach auch von Koptisch-Orthodoxen Schülern und Schülerinnen besucht werden, zur Sprache kam.
Zeit zum Innehalten - für Kardinal Schönborn ein "Heimspiel" - bot sich beim Besuch des Institut Dominicain, ein in einem ummauerten Park im Herzen des pulsierenden Kairos gelegenes Zentrum der Dominikaner für Islamstudien. Hier gab es einen intensiven Gedankenaustausch mit elf meist ganz Jungen Dominikanern aus fast allen Kontinenten und einen Besuch der dortigen Studienbliothek.

Der Wiener Erzbischof wurde auf der Reise vom Koptischen Bischof von Österreich, Anba Gabriel, begleitet sowie vom Wiener Bischofsvikar Dariusz Schutzki und den beiden Vorsitzenden der PRO ORIENTE_Sektionen Salzburg, Univ.-Prof. Dr. Dietmar Winkler, und Graz, Dr. Peter Piffl-Percevic. Bischof Gabriel bilanzierte gegenüber "Kathpress" sehr positiv. Der Kardinal habe den ChristInnen vor Ort Mut und Zuversicht geschenkt, so der Bischof. Er hoffe auf weitere Schritte der Annäherung zwischen der Katholischen und Koptischen Kirche. Auch Prof. Winkler, er weilt gerade als Konsultor des Einheitsrates in Rom, sieht nach dieser freundschaftlichen Begegnung deutliche Fortschritte in der Ökumene mit den Kopten. Vor allem aufgrund der nachhaltigen kontinuierlichen Arbeit
von PRO ORIENTE von Wien und Österreich aus und auch vor Ort erwarten wir alle eine weitere sehr positive Entwicklung.

Bericht: Dr. Peter Piffl-Percevic


Sektion: Wien