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Pro Oriente

Meine Seele jubelt über Gott, meinen Retter!

Wo Jesus ist, entsteht Freude

Die Erzählung vom Besuch Marias bei Elisabeth begegnet uns mehrere Male im Jahr. Ein ausdrucksstarkes Fresko aus dem 14. Jh. findet sich dazu in der Kirche des Heiligen Kreuzes in Pelendri (Zypern). Aus ihm spricht die Freude, die durch Jesus zu den Menschen kommt. Das Fresko ist die Grundlage dieser Ikonenbetrachtung.

Gott schaut auf die Menschen
Nachdem Maria vom Engel die Botschaft erhalten hatte, sie solle die Mutter des Erlösers werden, „machte sie sich auf in das Bergland von Judäa“ zu ihrer Verwandten Elisabeth, die wie Maria, durch göttliches Eingreifen schwanger geworden war. Das Fresko zeigt, wie Maria, über das Bergland kommend, vor dem Haus des Zacharias Elisabeth trifft. Die beiden Frauen gehen voll Freude aufeinander zu und schließen sich herzlich in die Arme. (Lk 1,5-25, 39ff) Elisabeth und Maria sind durch Verwandtschaft bereits einander verbunden. Noch enger verbindet sie jetzt ihre Schwangerschaft, die für beide mit einer tiefen Gotteserfahrung einhergeht. Elisabeth hat ihr Leben lang unter dem Makel der Kinderlosigkeit und der damit verbundenen Diskriminierung unter den Menschen gelitten. Dennoch lebt sie mit ihrem Mann, dem Priester Zacharias, „wie es in den Augen Gottes recht ist.“ (Lk 1,6) Im Alter wird sie dafür von Gott belohnt, indem sie mit Johannes schwanger wird. Elisabeth erfährt, dass Gott jedem hilft, der unerschütterlich glaubt und der die Hoffnung auf seine rettende Macht nicht aufgibt. Nun freut sie sich über Gott, der sich ihrer erbarmt hat und sie zur Mutter eines Sohnes macht, dem er überdies noch eine besondere Rolle in seinen Heilsplänen zugedacht hat. Maria teilt die Freude Elisabeths und ist ihrerseits freudig bewegt von dem, was ihr Gott geschenkt und zugesagt hat. Die Worte des Evangeliums und das Bild lassen deutlich spüren, dass sich beim Zusammentreffen der beiden Frauen Tieferes ereignet als eine Begegnung von zwei Schwangeren, die sich über ihre Erfahrungen austauschen möchten. Die Freude, die beide Frauen empfinden, geht aus von dem Kind, das Maria in ihrem Leib trägt. Es ist der Erlöser, den Gott schickt, um alles, was in Unordnung geraten ist, wieder in Ordnung zu bringen und um die Menschen aus ihren Nöten zu befreien. Jesus ist zwar noch nicht geboren, doch ist er bereits unterwegs zu den Menschen. Wo er ist, entstehen Hoffnung, Freude und Jubel. Vor Freude hüpft beim Gruß Marias Johannes im Leib seiner Mutter. (Lk 2,41) Wie Elisabeth Maria als die Mutter des Erlösers erkennt, so erkennt auch Johannes – noch im Mutterleib – Jesus als seinen Herrn, dem er vorangehen soll und erhält von ihm den Segen und die Sendung für seine Aufgabe, das Volk für den Herrn bereit zu machen und Zeugnis abzulegen für das Licht. (Jes 49,1; Lk 1,17; Joh 1,7f)

Gott beschenkt die Menschen
Eine tiefe, innere Freude verbindet Elisabeth, Maria und Johannes. Es ist die Freude über Gott, der zu den Menschen kommt. Sie freuen sich über Gott, den die Not der Menschen nicht unberührt lässt, der auf sie zugeht um ihnen zu helfen. Sie freuen sich über Gott, der keine leeren Versprechungen macht, der die Menschen nicht allein und sich selber überlässt, sondern der mit ihnen geht. Sie freuen sich über Gott, der nicht an den Menschen vorbei handelt, sondern sie in seine Pläne einbezieht und sie zu seinen Mitarbeitern macht. Sie freuen sich über Gott, der Mensch wird und daher weiß, was die Menschen fühlen, denken und brauchen. Sie freuen sich über Gott, der ihnen eine Aufgabe und Verantwortung überträgt und ihrem Leben Sinn gibt. Diese Freude über Gott entsteht überall dort, wohin die Botschaft von Jesus, dem Erlöser, getragen und angenommen wird. Es ist die Freude, die jeden Christen trägt, der sein Herz für Gott öffnet. Sie verbindet Generationen und lässt Maria, die jüngere, und Elisabeth, die ältere Frau, in Achtung und Ehrfurcht einander begegnen. Elisabeth gehört zu denen, deren Hoffnung der Herr von Jugend gewesen ist, an denen er gegen alles Erwarten im Alter Großes vollbracht hat, die ihm nun deshalb singt und spielt. (Ps 71,5.19.23) Maria glaubt „was der Herr ihr sagen ließ.“ (Lk 1,45ff) Ihre Stärke ist Gott. Sie vertraut ihm und kann in diesem Vertrauen Kraft für einen Weg aufbringen, den sie sich für ihr Leben nie vorgestellt hat.

Von Gott beschenkte Menschen sind Geschenk
Elisabeth und Maria wissen sich von Gott beschenkt. Maria hält ihre Freude darüber nicht zurück. Sie spürt, dass eine tragende Gottesbeziehung das Leben leichter macht und gibt diese Erfahrung weiter: „Meine Seele preist die Größe des Herrn … den auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut … der Mächtige hat Großes an mir getan …er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten… (Lk 2,46ff) Menschen, die aus einer solchen Beziehung leben, werden selbst zum Geschenk. Sie tragen dazu bei, dass Hoffnung und Vertrauen nicht untergehen. In ihrer Nähe herrschen Wärme und Wohlwollen, fühlen wir uns angenommen und geborgen. Die Freude am Herrn ist ihre – und auch unsere – Stärke! (vgl. Neh 8,10)

Text: Hannes Sauter