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Wenn die großen nichts
machen, dann sollen die
kleinen beginnen.

Kardinal Franz König

Pro Oriente

Ökumeneempfang in Salzburg (Jänner)

Verspielten Chancen zur Kircheneinheit

Als Vorsitzender des Komitees der PRO ORIENTE-Sektion Salzburg lud Erzbischof Franz Lackner am 31. Jänner 2017 zum Ökumenischen Empfang ins Kardinal-Schwarzenberg-Haus ein.

Erzbischof Franz Lackner, SalzburgProf. Martin Herbert Jung, Osnabrück

Das jährlich im Rahmen der Weltgebetswoche zur Einheit der Christen veranstaltete Treffen stand dieses Jahr im Zeichen von „500 Jahre Reformation“. Der evangelische Kirchenhistoriker der Universität Osnabrück, Prof. Martin Herbert Jung, zeichnete in seinem Vortrag „Ökumene im Zeitalter der Glaubensspaltung: Martin Luther, Philipp Melanchthon und die verspielten Chancen, die Einheit der Kirche zu wahren“ genau nach, wie oft es noch Möglichkeiten der Versöhnung gegeben hätte, und wie sehr Philipp Melanchthon einer der Hauptakteure ökumenischer Bestrebungen im Zeitalter der Glaubensspaltung war. Mehrmals, so der Professor für Historische Theologie, hätten Vertreter der katholischen als auch der evangelischen Seite die Hand zur Versöhnung ausgestreckt. Philipp Melanchthon habe als „Ökumeniker“ an der Seite Luthers in Verhandlungen und Texten stets die Bemühungen um die Einheit der Kirche in den Vordergrund gestellt. Dass es trotz der zahlreichen Bestrebungen um Vermittlung – des Augsburger Reichstags von 1530, der Reichsreligionsgesprächen von 1540 und des Konzils von 1545 – zu keiner Einigung kam, führte Jung auf die komplexen Entwicklungen der Zeit zurück. Sowohl die katholische als auch evangelische Kirche hätte wiederholt Verhandlungen und Gespräche abgebrochen und so Chancen auf Einheit verspielt. Auch innerhalb der reformatorischen Bewegung hätte es Spannungen gegeben, die der Einigung im Weg standen, so Jung.
In seiner Begrüßung verwies Erzbischof Lackner auf die gemeinsamen Ursprünge der christlichen Kirchen und rief zur Einheit auf. „Wir müssen auf das Wort Gottes neu hinhören“, so der Salzburger Erzbischof. Einendes vor das Trennende zu stellen, das müsse auch weiterhin das Anliegen des gemeinsamen Weges sein.
Superintendent Olivier Dantine, Vorsitzender des Ökumenischen Arbeitskreises Salzburg, stellte im Zuge der Veranstaltung den Ökumene-Preises der Österreichischen Bischofskonferenz, des Evangelischen Oberkirchenrat A. und H.B. und der Evangelisch-methodistischen Kirche vor. Eingereicht werden können innovative, bisher noch nicht umgesetzte Ökumene-Projekte. Damit sollen „Beispiele für gelungene Ökumene im Sinn des Dialogs und der Zusammenarbeit“ ausgezeichnet werden, zitierte Dantine die Ausschreibung des Preises. Die Einreichfrist endet am Ostersonntag; Als Preis winke eine Reise ins Heilige Land für zwei Personen. „Einheit darf nicht nur frommer Wunsch sein, sondern muss auch konkrete Formen annehmen“, sagte Prof. Dietmar W. Winkler, Vorsitzender von PRO ORIENTE Salzburg. „Die ökumenische Weiterarbeit beginnt keineswegs bei Null, sondern kann auf hervorragende Dialogtexte zurückgreifen, die es zu rezipieren und in Realität umzusetzen gilt. Lutheraner und Katholiken sind im Dialog schon ein erhebliches Stück gemeinsamen Weges gegangen.“

Bericht: Dietmar W. Winkler

Sektion: Salzburg