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Wenn die großen nichts
machen, dann sollen die
kleinen beginnen.

Kardinal Franz König

Pro Oriente

Auswirkungen auf Kirche und Gesellschaft (März)

1917 -2017: Hundert Jahre Landeskonzil der Russischen Orthodoxen Kirche

Unter dieser Überschrift fand vom 02. bis zum 04. März in Wien im Don Bosco Haus ein internationales und interdisziplinäres Symposium unter der Beteiligung von Fachexperten und -expertinnen statt, die vor allem aus der Russischen Föderation und den Vereinigten Staaten von Amerika angereist waren. Die Ausrichtung der Tagung war eine Gemeinschaftsproduktion der Katholisch-Theologischen Fakultät und des wissenschaftlichen Vereins von PRO ORIENTE.

P. Hyacinthe Destivelle O. P., ein französischer Dominikaner und Mitarbeiter des Päpstlichen Rates für Förderung der Einheit der Christen, eröffnete den Reigen der Referate mit dem Thema: „Die Reform der Geistlichen Akademien auf dem Konzil von Moskau von 1917-1918“. P. Hyacinthe hat sich durch Jahre wissenschaftlich intensiv mit dem russischen Landeskonzil beschäftigt und auch Bücher und Aufsätze darüber publiziert.
Den öffentlichen Abendvortrag, der im Sitzungssaal der Katholisch-Theologischen Fakultät in der Universität Wien stattfand, hielt Professor Gregory Freeze (USA), ein international anerkannter Experte für die Geschichte Russlands des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts. Sein Vortragstitel lautete: „The Crisis in Russian Orthodoxy: Preparing for the Church Council of 1917-1918“.
Am Freitag, 3. März standen insgesamt sechs Vorträge auf dem Programm: Catherine Evtuhov (USA) sprach über “The Diocesan Congresses of Spring 1917: Local Politics of the Sobor”; Scott Kenworthy (USA) stellte die Persönlichkeit von Tichon (Bellavin) vor, seine Wahl zum Patriarchen und seine wichtige Rolle unmittelbar nach der Revolution. In seinem Beitrag erläuterte Gleb Zapalsky (Moskau) die damalige Diskussion über mögliche orthodoxe Ordensgemeinschaften und vor allem über das sogenannte „gelehrte Mönchtum“.
Alexander Kravetskij (Moskau) widmete sich der Frage nach einer Reform des Gottesdienstes, die beim Konzil von 1917/18 heiß diskutiert wurde. Den Vortrag von Nadezhda Beljakova (Moskau) zum Thema „Frauenfrage und Frauenämter“ trug Sr. Faustyna Kadzielawa vor, die selbst in den letzten Jahren intensiv im Bereich der russischen orthodoxen Nonnenklöster geforscht hat.
Die Soziologin Kristina Stoeckl (Innsbruck) stellte einen Aspekt ihres Forschungsprojektes vor unter dem Titel: „The return of ‚tradition‘ in twenty-first century Russia: ideology from above or values from the grassroots? Mit diesem Beitrag wurde eine Brücke in die gegenwärtige Situation der russischen Orthodoxie geschlagen.
Abschließend – am Samstag, 4. März am Vormittag – sprachen noch Sergey Firsov (St. Petersburg) zu der Frage der Altgläubigen und der „Edinovertsy“ (Gruppe der Unierten) und Alexander Mramornov (Moskau) über die diözesane Administration der Russischen Orthodoxen Kirche nach dem Konzil 1917/18 am Beispiel der Eparchie von Samara.


Sektion: Wien